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Rede: Begabungsgerecht heißt individuell

Veröffentlicht am 27.01.2011, 17:27 Uhr     Druckversion

Martin Habersaat; Landtagsrede vom 26. Januar 2011 (Zur Schulgesetzänderung der Landesregierung)

Herr Präsident! Meine Damen und Herren!

Ich halte dieses Schulgesetz nicht für überflüssig, pädagogisch gesehen. Wenn man schon Minister mit verkürzter Amtszeit ist, sollte man wenigstens ein eigenes Schulgesetz haben.



Ich möchte drei inhaltliche Anmerkungen machen. Natürlich kann man sich hier hinstellen und sagen, niemand müsse etwas ändern, die Gemeinschaftsschulen könnten so bleiben, wie sie wollten, wohl wissend, dass man denen vorher die Differenzierungsstunden weggenommen hat, die Grundlage des pädagogischen Konzepts waren. Auf der Anderen Seite müssen wir auch berücksichtigen, dass wir nicht wenige Gemeinschaftsschulen im Land haben, die eigentlich einmal aus sich selbst heraus Regionalschule werden wollten, dann aber mangels Anmeldezahlen der Eltern zu Gemeinschaftsschulen wurden. Das sind ja noch dieselben Lehrer, die damals lieber die Regionalschule wollten. Die haben jetzt die Möglichkeit, an der Schule zu machen, was sie wollen. Die neue Freiheit. Was meinen Sie, was an den Schulen und in den Gemeinden los ist?

Wie sieht es denn mit dem Elternwillen wirklich aus? In Lübeck wird nach aktuellem Stand kein einziges Gymnasium zu G 9 zurückkehren, in Stormarn auch nicht. Was ist denn mit den Stormarner und Lübecker Eltern, die das gern wollen? Wenn ich in Bargteheide wohne und ein G-9-Gymnasium möchte – das hat Herr Dr. Klug im Ausschuss erklärt -, dann kann ich mein Kind auf eigene Kosten zum nächsten G-9-Gymnasium fahren. Toller Elternwille!

Ein ernsthafter pädagogischer Einwand beschäftigt mich, wenn es um § 5 geht. Darin schreibt die Regierung jetzt, dass wir die Kinder entwicklungsgemäß fördern wollen.

Begabungsgerecht ist in der Pädagogik ein schwieriger Begriff, weil ich als Lehrer die Begabung eines Kindes schwer feststellen kann. Es sitzt da und zeigt mir seine Tagesform. Es zeigt mir, ob es fleißig ist, es zeigt mir, ob die Eltern möglicherweise Nachhilfe bezahlen können, und, und ,und. Aber die Begabung an sich ist schwer messbar. Ich weiß, dass begabungsgerecht ein Begriff ist, den die KMK in einer Grundsatzposition benutzt hat. Deswegen habe ich mir das Papier auch angeguckt.

Das Interessante ist aber, was die KMK mit dieser Begabungsgerechtigkeit macht. Sie entwickelt daraus Forderungen an eine individuelle Förderung eines jeden Schülers. Es sollen Stärken gefördert werden, es soll wahrgenommen werden, dass Schülerinnen und Schüler unterschiedlich stark sind, wenn es um Kenntnisse, um Erkenntnisse, um Fähigkeiten, um Persönlichkeit, um Selbstständigkeit und Kooperation geht, und, und, und. Alle diese verschiedenen Begabungen sollen individuell bestmöglich gefördert werden.

Der Begabungsbegriff der FDP aber ist der altertümliche mit dem Gedanken: Es gibt praktische und theoretische Begabung, und von beidem ein bisschen. Dafür brauchen wir drei Schulsysteme. Das ist genau nicht der Sinn von Begabungsgerechtigkeit, den die KMK formuliert.

Wenn wir wissen, dass wir individuell fördern müssen, warum investieren Sie dann nicht die Energie, die Sie in dieses Gesetz investieren, in die Beantwortung der Frage, wie wir es schaffen, die individuelle Förderung zu verbessern. Man könnte Klassen verkleinern, Stunden doppelt besetzen, man könnte Material an die Schule geben, man könnte die räumlichen Bedingungen und die Raumpläne entsprechend ändern, man muss an den 45- Minuten-Takt heran, man muss das Lehrpensum reduzieren, man muss die Zeit an der Schule insgesamt anders organisieren, man muss Lehrer systematisch in dieser Richtung fortbilden.

Und was macht die FDP? Sie sitzen im Bildungsausschuss und sagen – ich zitiere: Es gibt in diesem Land Schichten, die wünschen sich eine homogene Unterrichtung ihrer Kinder.

Das ist Ihre Bildungspolitik, und was man dazu sagen könnte, wäre unparlamentarisch.


Homepage: SPD-Stormarn


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