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Stand: Juli 2009

Stadtteilgeschichte

Der Gedenkstein am Ivensring

Von Sönke Petersen

Sönke Petersen Im November 1998 übergab der Ortsbeirat den Gedenkstein, der an die Erhebung Schleswig - Holsteins im Jahre l848 erinnert, an seinem neuen Standort der Öffentlichkeit. Bis vor Kurzem stand er noch vor der ehemaligen "Schwentineschule", die im Zusammenhang mit dem vierspurigen Ausbau der Schönkirchener Straße abgerissen werden musste.

Auf dem Stein steht folgende Inschrift:

    1848
    1908
24. März

Was verbirgt sich hinter diesen Zahlen?

Gedenkstein Am 24. März 1848 wurde vom Kieler Rathaus die Unabhängigkeit Schleswig-Holsteins vom Dänischen Königreich proklamiert. Der anschließende Freiheitskampf, in den auch preußische Truppen eingriffen, endete mit einer Niederlage. 1864 besetzten Preußen und Österreich Schleswig - Holstein. Die beiden Herzogtümer, eigentlich auf Unabhängigkeit bedacht wurden eine preußische Provinz. In Erinnerung an der 24. März fanden künftig an allen Orten Schleswig Holsteins patriotische Feiern des nationalgesinnten Bürgertums statt. So wurde z.B. zum 50. Jahrestag, im Jahre 1898, in Neumühlen an der Mädchenschule eine Doppeleiche gepflanzt.

Für die organisierte Arbeiterschaft war dieses kein Anlass zum feiern, ihr Datum war der 18. März 1848. Das war der Tag der Revolution, der Barrikadenkämpfe in Berlin. Hier hatte sich der verhasste Preußenkönig vor den gefallenen Opfern verneigen müssen. Das Bürgertum hingegen ignorierte diese unangenehme Angelegenheit.

Die Erhebungsfeier 1908

Gedenkstein Im Vorfeld zu den Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag beantragte der Neumühlener Kriegerverein bei der Gemeindevertretung Dietrichsdorfs "den alten Veteranen von 1848 / 50 und besonders den Bedürftigen, durch Gewährung eines Ehrensoldes aus Gemeindemitteln eine Anerkennung für ihr mannhaftes Eintreten für ihr Vaterland und eine kräftige Unterstützung für ihre alten Tage zu gewähren" . So erhielten 4 Veteranen einen weiteren Zuschuss in Höhe von 80 Mark. Rentner Kuchel bekam erstmals 120 Mark. Der Rentier Ludwig Walbaum verzichtete großzügig. Ferner sagten die Gemeindevertreter darüber hinaus finanzielle Unterstützung für die geplanten Feierlichkeiten zu.

Da am 24. März im benachbarten Schönkirchen für das gesamte Kirchspiel, es umfasste das Gebiet von der Schwentine bis Neuheikendorf bzw. Dobersdorf, die zentralen Feierlichkeiten stattfanden, sollte am Abend vorher, also am 23. März, gefeiert werden.

Um 6 ¾ Uhr war Antreten auf dem Marktplatz (heute Probsteier Platz) - pünktlich! Der Festzug nahm folgenden Weg durch die flaggengeschmückten Straßen: Ivensring, Bergstraße (Eekberg), Heikendorfer Weg, Schönberger Str. (Schönkirchener Str.). Allen voran 2 Herolde. Daran anschließend 2 Festwagen mit den Veteranen, 2 Ulanen (Dragoner?) in schlesw.-holst. Uniformen, Freiwillige und Howaldt´sche Feuerwehr mit Fackeln, Kriegerverein, Infanterie ebenfalls in alten Uniformen, Schützenverein, Turnverein und Liedertafel. An der Doppeleiche angekommen "weihte Pastor Dr. Schulz in einer warm empfundenen Ansprache den dort aufgestellten Gedenkstein, den Alten zur Ehr, den Jungen zur Erinnerung".

Festkommers

Gedenkstein Ab 7 ½ Uhr entwickelte sich im Etablissement "Zum Landhause" (Scharweg 2 - 8) "ein flotter Kommers". Gemeindevorsteher Schöpe eröffnete mit einem "Kaiserhoch". Die Festrede hielt "in gewohnter Meisterschaft" Rektor Kähler. Ein Konzert des Kieler Philharmonischen Orchesters, Gesangsbeiträge der Neumühlen - Dietrichsdorfer Liedertafel schlossen sich an. Der Turnverein erfreute mit menschlichen Pyramiden. Realschullehrer Fritz Wischer rief mit seinem vorgetragenen Gedicht "Zum 24. März" die große Zeit in die Erinnerung zurück.

Nachbemerkung zum Festumzug: Aus der Gemeindekasse wurde beglichen, die Rechnung von Waffen - Lüneburg für das Ausleihen von 4 alten Militärgewehren in Höhe von 2 Mark und die Rechnung von H. Hinrichsen, Theater - u. Masken - Kostümlager für die Ausleihung von Uniformen u.a. der schlesw. - holst. Dragoner in Höhe von 56 Mark.

Nachbemerkung zum Kommers: Was Rektor Kähler ausführte entzieht sich unserer Kenntnis. Um die Stimmung der Zeit wiederzugeben, hier ein Zeitungszitat: "... Mit Stolz können wir heute sagen: Deutsch ist Schleswig, deutsch ist Schleswig - Holstein, geeint das deutsche Vaterland.".

Eine andere Welt

Die organisierten Arbeiter im Ort, die vorwiegend auf der Howaldt‘schen Werft beschäftigt waren, dürften daran kaum Anteil genommen haben. Sie bestreikten in diesen Tagen ihren Betrieb. Anlass war ihre Weigerung sich der werfteigenen Pensions - Witwen - und Waisenkasse anzuschließen. In deren Aufnahmeerklärung hieß es u.a.: "... Ich erkläre ausdrücklich, dass ich weder einer freien Gewerkschaft oder sonstigen sozialistischen Vereinigung angehöre, noch die sozialistische Presse halte oder sonst für die sozialistischen Ideen eintreten werde...".

Nach 4 Wochen Streik bittet die Werftleitung den Arbeitgeberverband - Gruppe Schiffbau um Hilfe. Als Folge daraus werden 12 000 Arbeiter in allen Werftorten ausgesperrt.

Mehrere Volksversammlungen die am 18. März von den Sozialdemokraten abgehalten wurden, standen unter dem Motto: "Das gedemütigte Preußen im Jahre 1848 und der preußische Hochmut 1908". Der Leitartikel der "Volkszeitung" am 24. März: "Erhebung und Erniedrigung (der Dänen) in Schleswig-Holstein"