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Stand: November 2011

Auflösung des Arsenalbetriebes Kiel

Von unserem Vorstandsmitglied Jürgen Hasch

Jürgen Hasch Gedanken über die vom Bundesminister für Verteidigung am 26.10.2011 beschlossene Auflösung des Arsenalbetriebes Kiel, wegen der Neuausrichtung der Bundeswehr.

Die Strukturreform betrifft bundesweit viele Standorte und Beschäftigte. Es wäre nicht fair, den einen Standort gegen den anderen auszuspielen, denn hier wie dort gibt es Betroffene.
Wenn die Strukturreform eine echte Abrüstung wäre, könnte man die Schließung von Standorten leichter akzeptieren. Aber die Strukturreform soll ja mit weniger Personal und Liegenschaften effizienter werden als sie jetzt ist, also rüstet man eigentlich auf.

Wie konnte es dazu kommen, dass ausgerechnet der Arsenalbetrieb Kiel aufgelöst wird.

Bis etwa 1974 wurde die Bundeswehr im wesentlichen immer weiter aufgerüstet. Danach wurde die Bundeswehr sehr oft reformiert, nicht wegen der veränderten Aufgaben, sondern um Kosten zu sparen. Viele Dienststellen wurden nach Aufgaben geordnet zusammengefasst, um größere Einheiten zu bilden, ohne Rücksicht auf die geografischen Erfordernisse der jeweiligen Standorte zu achten.
So kam es, dass das Marinearsenal Wilhelmshaven und das Marinearsenal Kiel zu einem Marinearsenal zusammengelegt wurde. Das neue Marinearsenal setzte sich nun zusammen aus dem Marinearsenal mit den Arsenalbetrieben Wilhelmshaven und Kiel. Es fiel der Leitung des Marinearsenals, mit Sitz in Wilhelmshaven, anscheinend nicht schwer, den Arsenalbetrieb Kiel zu schließen.
Der Grund mag sein, dass die Marine sich hauptsächlich in Richtung Nordsee orientiert, wo zur Zeit die wichtigsten Aufgaben liegen. Da an der Ostsee nur befreundete Nationen leben, meint man auf den Arsenalbetrieb Kiel verzichten zu können. Kann man sich sicher sein, dass alle Ostseeanrainer freundlich bleiben? Wie sollte dann die Zurückorientierung zur Ostsee erfolgen? Ich finde, man sollte aus strategischen Gründen einen Teil des Arsenalbetriebes Kiel erhalten.

Folgen der Strukturreform für die Stadtentwicklung Kiels.

Die Stadt Kiel verliert, durch die Schließung des Arsenalbetriebes Kiel, sehr viele Arbeitsplätze, wird also erhebliche Einbußen auf der Einnahmenseite haben.
Andererseits könnte das sehr attraktive Hafengelände des Arsenalbetriebes Kiel frei werden. Das Gelände gehört dem Bund, die Stadt Kiel könnte das Gelände kaufen, um es zu nutzen. Wenn die Stadt Kiel dann mehr Arbeitsplätze generiert, wie sie vorher durch die Auflösung des Arsenalbetriebes Kiel verloren hat, könnte sich eine vorteilhafte Entwicklung ergeben.
Aber woher soll ein Investor herkommen, der auf dem Gelände des Arsenalbetriebes Kiel Arbeitsplätze schafft? Ist es nicht vielmehr so, dass es nur Interessenten gibt, die dort eine exklusive Wohnanlage für Besserverdienende bauen wollen?
Ich hoffe sehr, dass die Stadt Kiel nicht als die Verliererin dasteht.

Folgen der Strukturreform für die Beschäftigten des Arsenalbetriebes Kiel.

Für die Beschäftigten des Arsenalbetriebes Kiel und deren Angehörigen, beginnt eine schwere Zeit. Jetzt, zum Beginn der Weihnachtszeit, setzt eine erhebliche Verunsicherung ein.
Was wird mit den Beschäftigten geschehen? Die älteren Beschäftigten, ab dem 55. Lebensjahr könnte man sozialverträglich in den Vorruhestand schicken. Die derzeitigen Auszubildenden werden wohl ihre Ausbildung abschließen können. Aber wird es weitere Ausbildungsjahrgänge geben? Und was geschieht mit den Beschäftigten unter 55 Jahren? Bei vergangenen Reformen waren die Einschnitte nicht so tief, wie bei der jetzigen Strukturreform. Da bundesweit sehr viele Beschäftigte freigesetzt werden, kann man auch keine wesentliche Verschiebungen von Arbeitsplätzen an andere Dienststellen vornehmen. Möglicherweise kann die gewerbliche Wirtschaft geeignete Beschäftigte übernehmen. Aber das wird wohl nur begrenzt möglich sein. Ich gehe nicht davon aus, dass es Entlassungen geben wird. Wohin also mit den Beschäftigten, die keine Beschäftigung mehr haben? Wird es doch noch, was ich nicht hoffe, Härtefälle geben?