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Stand: Februar 2014

Jubilarehrung - 40 Jahre Mitgliedschaft in der SPD

von Sönke Petersen



Jubilarehrung

Angela Meyer-Friese Liebe Angela,
am 06. November 1973 bist Du in die SPD eingetreten.

Hans Werner Tovar Lieber Hans-Werner,
und am 14. Februar 1973 bist Du in die SPD eingetreten.

Heute wollen wir Euch rückwirkend für Eure 40-jährige Mitgliedschaft ehren. Was ich jetzt vorzutragen habe ist für Euch und für die meisten von uns nicht ganz neu, denn meinen Vortrag habt Ihr vor 15 Jahren, zu Eurem 25. Parteijubiläum schon einmal in ähnlicher Form gehört.

Was war im Jahre 1973 los in der Welt?

Die USA schicken am 14. Mai ihr Weltraumlaboratorium SKYLAB ins All.

Der Präsident dieser Nation, ist seit 1969 der Republikaner Richard Nixon. Er ist 1973 in die Watergate-Affäre verstrickt. Erst als ihm ein Impeachment, ein Amtsenthebungsverfahren droht, tritt er noch rechtzeitig zurück.

(Vietnam)
Der seit 1965 tobende Vietnam-Krieg wird beendet. US-Außenminister Henry Kissinger handelt mit Nordvietnam ein Waffenstillstandsabkommen aus, das Januar 1973 in Kraft tritt. Der Krieg mit sehr hohen Verlusten, endet mit dem vollständigen Rückzug der US-amerikanischen Truppen und Austausch der Kriegsgefangenen.

(Kambodscha)
Im Nachbarland Kambodscha dringen die kommunistischen Roten Khmer unter Pol Pot immer weiter vor und verbreiten ihr Schreckensregime. Am Ende wird das Regime über 1,5 Millionen Menschen, zumeist aus der alten Führungs- und Bildungsschicht, umgebracht haben.

Außerdem ist weltpolitisch erwähnenswert:

(UdSSR)
Damals gab es noch die Sowjetunion. An der Spitze dieses Staates stand der Generalsekretär der KPdSU Leonid Breschnew. Kossygin ist Regierungschef und Außenminister ist Gromyko. Im Mai 1973 besucht Breschnew die Bundesrepublik und unterzeichnet ein Abkommen über die Zusammenarbeit beider Staaten.

Großbritannien
Unter Premierminister Edward Heath, lrland Unter Ministerpräsident Cosgrave und Dänemark unter dem Sozialdemokraten Staatsminister Anker Jörgensen treten Anfang des Jahres der Europäischen Gemeinschaft bei. Damit gehören nun 9 Staaten zur Europäischen Gemeinschaft. Die norwegische Bevölkerung hatte, wie auch Jahre später noch einmal, den Beitritt in einer Volksabstimmung abgelehnt.

lm Oktober 1973 bricht der 4. Krieg zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn aus. Auf dem Sinai tobt eine Panzerschlacht. Unter Vermittlung der USA und den UdSSR gelingt es mit Ägypten und Syrien im Frühjahr 1974 ein Entflechtungsabkommen auszuhandeln. UN-Truppen besetzen die Pufferzonen.

Die arabischen ölexportierenden OPEC-Länder beschließen ihre Ölproduktion um 25% zu drosseln. Damit wollten sie den Rückzug Israels aus den besetzten Gebieten erreichen.
Eine spürbare Ölverknappung tritt bei den Industrienationen ein. Die Bundesregierung erlässt ein Höchstfahrverbot für Autobahnen von 100 km/h und für Bundesstraßen von 80 km/h. Im November 1973 wird ein Sonntagsfahrverbot für Motorfahrzeuge erlassen. Sicher haben etliche unter uns noch heute das Bild der mit Radfahrern und Fußgängern besetzten Autobahnen und Straßen vor Augen.

Damit sind wir auch schon in der Bundesrepublik:

Hier ist der Sozialdemokrat Gustav Heinemann seit März 1969 Bundespräsident. Es wird öffentlich über seien Wiederkandidatur im nächsten Jahr spekuliert.

In Bonn regiert eine Koalition aus SPD und FDP unter Bundeskanzler Willy Brandt. Sein Stellvertreter der Außenminister und Vizekanzler Walter Scheel.

Mit der Sozialdemokratin Annemarie Renger leitet erstmals eine Frau als Präsidentin die Bundestagssitzungen.

Der Grundlagenvertrag, der die Beziehungen beider deutscher Staaten zueinander regelt, wird nach einer kontroversen Diskussion im Bundestag verabschiedet. Die Bayrische Staatsregierung beantragt daraufhin beim Bundesverfassungsgericht eine einstweilige Verfügung dagegen.

Und in der DDR,
stirbt am 1. August der 80-jährige Walter Ulbricht in Ost-Berlin. Sein Nachfolger als Staatsratsvorsitzender wird Willi Stoph.
Erich Honecker ist seit 1971 Sekretär des Zentralkomitees. Später wird er auch noch den Staatsratsvorsitz übernehmen.

Die Westmächte erkennen am 9. Februar die DDR diplomatisch an und am 18. September wird sie in die Vereinten Nationen aufgenommen. Ende Juli, Anfang August finden in Ostberlin die 10. Jugend-Weltfestspiele statt.

Die Umtauschgebühren von Westbesuchern in die DDR wird zum Kurs von 1:1 auf 20 DM angehoben.

Was die Bundesbürger noch bewegte, waren die
Olympischen Winterspiele vom 2. bis 13. Februar in der japanischen Stadt Sapporo. Der Eisschnellläufer Erhard Keller gewinnt über 500 Meter die Goldmedaille. Die DDR erringt alle Goldmedaillen bei den Rodlern, sowie im 2er Bob Gold und Silber.

Erstmals wird im Fernsehen die SESAMSTRASSE ausgestrahlt. Bayern München wird Deutscher Fußballmeister mit Sepp Maier, Franz Beckenbauer, Paul Breitner und Gerd Müller.

Weitere Schlagzeilen des Jahres:

Im April beginnen in Kalkar am Niederrhein die Bauarbeiten für das Kernkraftwerk. Jetzt ist das Abschalten aller Atomkraftwerke vorgesehen.

Im Juli wird der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz Helmut Kohl neuer CDU- Bundesvorsitzender. Er löst Rainer Barzel ab, der zurückgetreten war.

Im September erreicht die Zahl der Gastarbeiter mit 2,6 Millionen den Höchststand. Deren Zustrom, so ist aus der Bundesregierung zu hören, soll künftig gedrosselt werden.

Ende 1973 beträgt die Inflationsrate 6,8 %. Die Arbeitslosenquote liegt bei 2,2% und das Bruttosozialprodukt wächst um 4,9 %.

Nun aber wollen wir unsere nähere Umgebung betrachten:

In Schleswig-Holstein
ist seit 1970 der Christdemokrat Gerhard Stoltenberg Ministerpräsident. Er wird im Volksmund auch "Schnullermund" genannt.

Landtagspräsident ist Dr. Helmut Lembke. Zuvor war er der Ministerpräsident des Landes gewesen.

Im Plenum sitzen 40 CDU- 32 SPD- und ein SSW- Abgeordneter.

Neuer Oppositionsführer der SPD wird am 3. Mai Klaus Matthiesen. Er löste den zurückgetretenem Jochen Steffen, der auch der "Rote Jochen" genannt wurde, ab. 1983 wechselte Matthiesen nach Nordrhein-Westfalen.
Fraktionsvorsitzender der CDU-Fraktion war derzeit Dr. Dr. Uwe Barschel.

Der Landtag beschließt am l6. April das umstrittene Hochschulgesetz. Daraufhin ziehen rund 4.000 Demonstranten vor das Parlament. Außerdem beschließt der Landtag die Rundfunk- und Fernsehgebühren von 8,50 DM auf 10,50 DM anzuheben und sorgt auch damit für erhebliche Unruhe.

Am 11. November 1973 wird Lauritz Lauritzen auf dem Parteitag in Heiligenhafen zum SPD Spitzenkandidaten für die nächste Landtagswahl nominiert. Nachdem Willy Brandt 1974 als Kanzler zurücktrat, legte auch Lauritz die Kandidatur nieder

In Kiel
war damals Günther Bantzer Oberbürgermeister.

Erstmals in der Kieler Kommunalpolitik ist mit Ida Hinz eine Frau Stadtpräsidentin. "Uns Ida" ist bis heute, hauptsächlich den älteren Kielern, in bleibender Erinnerung.

Bürgermeister und Stadtkämmerer ist Hans-Joachim Barow und Stadtbaurat ist Eberhard Kuhlenkampff.

Die Sozialdemokraten haben mit 30 Sitzen eine satte Mehrheit. Fraktionsvorsitzender ist der Rechtsanwalt Siegfried Zimmermann.

Am Freitag, den 19. Oktober 1973 war in den KN folgendes zu lesen:

"Im Rat tobte bereits ein wilder Wahlkampf", der den Begriff "würdelos" verdient.
Stadtpräsidentin Hinz sprach von der bisher unangenehmsten Sitzung der Wahlperiode.

Kurz aus dem Inhalt des Zeitungsartikels:
Die gegenseitigen Angriffe zogen sich durch die gesamte Sitzung und fanden einen ihrer Höhepunkte während einer großen Anfrage, die vom Ratsherren Helmut Hänsler gestellt wurde. Es ging dabei um den Neubau der Realschule in Neumühlen-Dietrichsdorf und in dem Zusammenhang gemachte, unbewiesene Behauptungen des komm. Realschulleiters Ortwin Kaschner. Die CDU konterte auf die Anschuldigungen ihres Parteifreundes Kaschner und nannte die Anfrage "ein großes Windei". Im Gegenzug wurde der Rektor von Paul Zöllkau, Rats-SPD, als "ein großer Windhund" bezeichnet. Wofür er sich allerdings im Plenum im Nachhinein entschuldigte.

Wem damals nicht nach Politik zumute war, konnte in einem der 10 Kieler Filmtheater Central / Brücke / Gloria / Studio / Savoy / Kurbel / Metro / Regina / Rivoli oder Först seine Zeit vertreiben.

Und bei uns in Dietrichsdorf?

Im Ort leben 16.804 Einwohner, prognostiziert für die Zukunft waren damals rund 25.000 Bewohner. Tatsächlich sind es heute aber nur noch unter 12.000. So sicher sind Statistiken!

Damals waren 5.398 EW unter 21 Jahren und 4.274 über 50 Jahre (25%)

Im Mai 1973 schließen sich der ehemals bürgerliche "NDTV" und der ehemalige Arbeiterturnverein "FTSV Holsatia" zum "NDTSV Holsatia" zusammen. Die Turnhalle an der Toni-Jensen-Schule ist im Bau und im städtischen Haushalt stehen 2,2 Mio DM für den Neubau der Realschule zur Verfügung.

Und im unserem Ortsverein?

Es war die Zeit der s.g. "Howaldtmafia". So jedenfalls nannten diejenigen, die nicht dazugehörten, die Betriebsratsmitglieder von Howaldt und die ihnen nahestehenden Genossen, die alle wichtigen Ämter im OV besetzt hatten.

Horst Lorenz vom Masurenring 10 und Walter Knaupe sind seit 1970 Ratsherren für den Stadtteil. Horst und Walter waren Mitglieder des Betriebsrates bei HDW. Die beiden Stimmenbezirke von Dietrichsdorf umfassten zu jener Zeit jeweils auch 2 Stimmenbezirke in Wellingdorf. Im Wahlbezirk von Horst Lorenz errang die SPD bei der Wahl im April 1970 77,4% (auch. damals schon das höchste Ergebnis in Kiel), im Bezirk von Walter Knaupe erreichten wir 70,l %.

Der Bundeswehroffizier Helmut Hänsler vom Masurenring 88, war als Listenkandidat ebenfalls in die Ratsversammlung gewählt worden. Helmut genoss damals die Unterstützung seiner beiden Ratskollegen und auch die der "Howaldtmafia".

Der Ortsverein hatte damals 276 Mitglieder. Es ist festzustellen, dass es heute einige weniger sind.

Mittlerweile war Helmut Hänsler zur dominierenden Persönlichkeit im Ortsverein aufgestiegen.

Am 5. Februar 1973 standen auf der Jahreshauptversammlung Neuwahlen an. Helmut kandidierte für den Vorsitz im OV, Horst Lorenz trat nicht mehr an. Eine Gruppe jüngerer Genossen um den bisherigen 2. Vorsitzenden Holger Prestin versuchte dieses zu verhindern. Von 58 Stimmberechtigten waren 35 für Helmut, 22 für Holger.

Ein ähnliches Abstimmungsverhalten bei der Wahl des Stellvertretenden Vorsitzenden. 39 Stimmen für Max Terpenowitz bei 18 Enthaltungen. Es gab keine Gegenkandidatur.

Wahl des Vertreters im Kreisausschuss: Helmut Hänsler wurde mit 33 Stimmen gewählt. Prestin erhielt 23 Stimmen.

Alle übrigen Wahlen liefen ganz normal, ohne Kampfkandidaturen ab.
Ingrid Schröder, 51 Stimmen, wurde Schriftführerin,
Rolf Quedenbaum, 54 Stimmen, wurde Kassierer und
Beisitzer wurden:
1. Ewald Breitkopf
2. Hubert Seichter
3. Wolfgang Müller
4. Horst Lorenz
5. August Kuhfuss
6. Heinz Fahlert
7. Rolf Schröder

Damit begann nun auch offiziell die Zeit Helmut Hänslers. Der Konflikt war bei den Mitgliedern bald vergessen, zumal Prestin bald den Stadtteil verließ. Ein ganz anderer Konflikt, der die Gemüter aufwühlte, tritt erst einige Jahre später auf, als Hänsler den Bruch mit der Gruppe vollzog, die ihn an die Macht gebracht hatte.

Damit bin ich am Ende meiner Ausführungen.
Ich danke für die Aufmerksamkeit.

Sönke Petersen Anmerkung:
Sönke Petersen nimmt anlässlich der Ehrungen, beim jährlichen Grünkohlessen, die Gelegenheit wahr, um das Eintrittsjahr des jeweiligen Jubilars mit seinen umfangreichen Geschichtskenntnissen zu beschreiben.

Jürgen Hasch