Schlie├čung der Sexualmedizin eine "Fehlwahrnehmung"?

Veröffentlicht am 24.04.2012, 15:36 Uhr     Druckversion

Wissenschaftsminister de Jager hat in einem Radiointerview am 23.02.2012 zum Thema Zukunft der Kieler Sektion f├╝r Sexualmedizin behauptet, dass 80 % der Krankenversorgungsma├čnahmen im Bereich der Sexualmedizin, des Opferschutzes und der Forschung und Lehre bereits jetzt durch das Zentrum f├╝r Integrative Psychiatrie und nicht durch die Sektion f├╝r Sexualmedizin erfolgen w├╝rden. Bei der Sorge der Fachleute aus Forschung und Justiz, der Studierenden und der ├ľffentlichkeit ├╝ber die Zukunft der sexualmedizinischen Forschung im Falle einer m├Âglichen Schlie├čung der Kieler Sektion f├╝r Sexualmedizin handelt es sich nach Aussagen von Herrn de Jager um eine ┬äFehlwahrnehmung┬ô. Vor dem Hintergrund dieser Aussage hat der Kieler SPD-Landtagsabgeordnete J├╝rgen Weber eine Kleine Anfrage an die Landesregierung gestellt:

Ich m├Âchte wissen, welche Erhebung oder sonstige Quelle der zitierten Aussage des Ministers zugrunde liegt, die in der Tat in einem deutlichen Widerspruch zu der Wahrnehmung von Fachleuten, Studenten, Justiz und Medien liegt. Auch d├╝rfte interessant sein zu erfahren, welche Lehr- und Forschungskapazit├Ąten beim ZIP denn zur Verf├╝gung stehen und welche sexualmedizinischen Erkrankungen dort ├╝berhaupt behandelt werden d├╝rfen. Nach meiner Kenntnis ist der einzige habilitierte Sexualmediziner in Schleswig-Holstein der Leiter der Kieler Sektion f├╝r Sexualmedizin. Hier sehe ich die Notwendigkeit, die Behauptung von Herrn de Jager einmal einem Faktencheck zu unterziehen.



Der Wortlaut der Kleinen Anfrage:

Situation der sexualmedizinischen Forschung und Lehre in Schleswig-Holstein nach dem Beschluss des Landtages vom 25.01.2012

Vorbemerkung des Fragestellers

Der Minister für hat in einem Radiointerview in der Sendung „Campus & Karriere“ des Deutschlandfunks vom 23.02.2012 zum Thema Zukunft der Kieler Sektion für Sexualmedizin folgendes ausgeführt:

┬äSchon jetzt werden 80 % der Krankenversorgungsma├čnahmen im Bereich der Sexualmedizin, des Opferschutzes und aber auch der der Forschung und Lehre im Bereich des Integrativen Zentrums f├╝r Psychiatrie gemacht. Und insofern ging es eher um die Frage einer vern├╝nftigen organisatorischen Aufh├Ąngung dieser Sektion und nicht so sehr um die Frage, ob an dieser Sektion die gesamte Sexualmedizin in Schleswig-Holstein h├Ąngt, dass ist ein St├╝ck Fehlwahrnehmung gewesen und das hat sich mit der L├Âsung jetzt auch korrigiert.┬ô

Ich frage die Landesregierung

Welche Art der Erhebung oder sonstige Quelle liegt der Aussage des Herrn Ministers, dass ┬ä80 % der Krankenversorgungsma├čnahmen, im Bereich der Sexualmedizin, des Opferschutzes und aber auch der der Forschung und Lehre┬ô bereits jetzt (Zeitpunkt Februar 2012, Anm. des Fragestellers) durch das Zentrum f├╝r integrative Psychiatrie (ZIP) wahrgenommen werden, zugrunde?
Bitte die Gesamtzahl der Krankenversorgungsma├čnahmen, aufgeschl├╝sselt nach ICD-10 Gruppen, der Opferschutzma├čnahmen, sowie Angabe ├╝ber Art und Anzahl von Forschungsvorhaben und Lehrveranstaltungen auflisten und die jeweilige Verteilung auf die Sektion f├╝r Sexualmedizin und das ZIP darstellen.
Bitte die H├Âhe der seit 2005 f├╝r sexualmedizinische Forschungsvorhaben eingeworbenen Drittmittel, aufgeschl├╝sselt nach Projekten

a) des ZIP,
b) der Sektion f├╝r Sexualmedizin

darstellen.

Bitte die Anzahl der sexualmedizinischen Fachpublikationen

a) des ZIP,
b) der Sektion f├╝r Sexualmedizin

seit dem Jahr 2005 darstellen.

Bitte auflisten, f├╝r welche der sexualmedizinischen Erkrankungen

a) das ZIP,
b) die Sektion f├╝r Sexualmedizin

jeweils eine abrechnungsf├Ąhige Behandlungserm├Ąchtigung der Kassen├Ąrztlichen Vereinigung (KV) Schleswig-Holstein besitzt.

Bitte auflisten die Zahl der f├╝r Sexualmedizin durch anerkannte Fort- und Weiterbildung qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

a) Im ZIP

b) In der Sektion f├╝r Sexualmedizin

Gibt es sexualmedizinisch relevante Erkrankungen, f├╝r die derzeit in Schleswig-Holstein kein im Sinne von der KV SH abrechnungsf├Ąhiges Behandlungsangebot vorgehalten werden kann, wenn ja welche?
Gibt es Pl├Ąne zur Trennung der Aufgaben der Sektion f├╝r Sexualmedizin in Forschung, Lehre und Patientenversorgung und deren teilweise Verlagerung auf andere Tr├Ąger?
Wird sich die Landesregierung zur Umsetzung des Beschlusses des Schleswig-Holsteinischen Landtages vom 25.01.2012 daf├╝r einsetzen, dass die Sektion f├╝r Sexualmedizin erhalten bleibt? Wenn nein, welche personellen und organisatorischen Anforderungen h├Ąlt die Landesregierung f├╝r notwendig, die vom Landtag geforderte Fortf├╝hrung der bisherigen Aufgaben der Sektion f├╝r Sexualmedizin zu gew├Ąhrleisten und welche Schritte wird sie unternehmen, dieses sicherzustellen?

Homepage: J├╝rgen Weber


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