Geschichte der Kieler Stadtteile

Die (kurz gefasste) Geschichte der Stadtteile

Brunswik, Düsternbrook und Ravensberg

Entscheidende Impulse für Kiel waren die Entwicklung der Universität und der (Kaiserlichen) Marine. Im Jahre 1867 hatte Kiel 24.216 Einwohner, 1918 waren es bereits 243.248 (im WK II 305.000).

1869 wurde der Flecken Brunswik eingemeindet, 1893 das Dorf Wik. Die größeren Städte durften auf Eingemeindung dringen, wenn ihre Entwicklung sonst behindert würde, Kiel musste sich aber mit den einzugemeindenden Dörfern verständigen. Das Straßendorf Brunswik wurde urkundlich erstmals 1233 erwähnt; es besaß damals nur acht Häuser und hat sich auch nicht wesentlich vergrößert. 1764 bekam es eine eigene Schulkate, die 1832 durch ein neues Schulhaus ersetzt wurde.

Als sich in Düsternbrook immer mehr Sommerhäuser und Ausflugslokale ansiedelten, geriet auch Brunswik in den Einzugsbereich der Stadt. Dafür sorgte auch eine seit 1806 vom Schloss ausgehende Kastanienallee, die den Düsternbrooker Weg zu einer attraktiven Straße machte. Zum Dank an den Kronprinzen wurde am Rande des Düsternbrooker Holzes der ’Marienhain’ als griechischer Tempel gebaut.

Am Anfang des Düsternbrooker Weges war schon immer die ‚Seeburg’, das ältestes Gebäude am Düsternbrooker Weg. Hier siedelten sich viele Häuser, Villen und Ausflugslokale an: 1811 ‚Sanssouci’ (1865 abgebrannt), Hotel Düsternbrook; 1845 die Badeanstalt (1865 geschlossen, stattdessen kam ein Marinedepot hierher) und das Sommertheater Tivoli (1870 abgebrannt).Der Düsternbrooker Weg war ab 1900/01 ein 26 m breiter Strandweg, er wurde durch Aufschüttung bis Bellevue geschaffen; am Wege entstand das pompöse Gebäude des KYC (vorher Seebadeanstalt) und das Kruppsches Sommerhaus.
Ab 1869 gingen Brunswik und Düsternbrook in die nördliche Stadtentwicklung ein. Das Dorf Brunswik verschwand, Düsternbrook blieb als Stadtteil erkennbar.

Schon 1862 wurden oberhalb des Schlossgartens die ersten Universitätskliniken in Düsternbrook bezogen, dazu kamen Wohnhäuser für die Professoren. An der alten Dorfstraße Brunswik (heute die Brundwiker Straße) entstanden viele Häuser. Brunswik wurde zum Universitätsviertel. Hier befanden sich auch das Zoologische Institut (1881), die Uni-Bibliothek (1884), das Pathologische, das Chemische  und das Physiologische Institut sowie die Augenklinik (1887/88) – sie ist das älteste noch bestehende Gebäude.
1873-1876 entstand ein neues Universitätsgebäude von Martin Gropius! Der Neubau der Pauluskirche wurde 1882 als Simultan-Garnisonskirche eingeweiht (später kamen die Petruskirche und die St. Heinrichtskirche [kath.] dazu).

Das Düsternbrooker Holz (Gehölz) war nur am Nordrand bebaut (Ausflugslokal ‚Krusenhaus’, später ‚Bellevue’). Hier entstand 1786 (bis Abbruch 1869) die staatliche Fruchtbaumschule von Prof.Christian Cay Lorenz Hirschfeld, heute kennen wir noch den ′Hirschfeldblick′. Im Düsterbrooker Holz entstand 1788 die staatliche Forstlehranstalt und Forstbaumschule von Prof. Niemann.

Der Martens-Plan von 1869 sah Ringstraßen mit Erschließungsstraßen vor: z. B. die Sternstraße vom Westring (ehem. Kakabellenweg). Der Schweitzer-Plan knüpfte am Martens-Plan an: 1883 sah er beim Damperhofgelände rechteckige Bebauung vor. Die Stadtentwicklung sollte schachbrettartig mit einer Straßenbreite von durchgängig 14,30 m verlaufen. Erste Straßen waren der Forstweg, die Adolf- und die Gerhardstr.; in Querrichtung Schauenburger Straße, Lornsenstraße und die Beselerallee.

Diese Bebauungsart wurde später als langweilig empfunden. Daher wurde mit dem Stübben-Plan von 1901 das schachbrettartige Baumuster abgemildert; Grünflächen und Anpflanzungen wurden vorgesehen, die Abstände der Häuser zueinander und Gebäudehöhen (zur Vermeidugn zu enger, tiefer Hinterhöfe) wurden so festgelegt, damit sich kein (unhygienisches) Wohnelend  einstellte. Es wurden aber auch sozial differenzierte Wohngebiete durch bestimmte Wohnungsgrößen und vorgesehene Dienstbotenzimmer geschaffen : Ost, Süd und Südwest entwickleten sich eher ‚proletarisch’, West und Nord als ‚bürgerlich’ – West-/Ostufer-Problematik!
1872 wurde die Kasernenstadt an der Feldstraße bezogen: mit Lazarett und Nebengebäuden, mit romantisierenden Dekorationsmotiven (heute teilweise noch erhalten). 1893 entstand das Dienstgebäude an der Adolfstraße. (Oberfinanzdirektion).

Im Zuge der Marineentwicklung dehnte sich das Stadtgebiet noch schneller aus als bisher. 1890-1892 Gebietsverdichtung mit neuen Straßen: Gerhard-, Adolf- und Feldstraße; dazu auch Bartelsallee, Waitz-, Wrangel-, Moltke-, Düppelstraße; diese Straßen muss man sich alle ohne Kfz-Verkehr (mobil oder ruhend /parkend) vorstellen, ein Idealzustand, den realistischerweise niemand wollen kann und den man auch nicht mit einer Tiefgarage unter dem Blücherplatz erreicht...

Um den Blücherplatz enstanden mit Beginn des 20. Jahrhunderts boulevardartig Esmarchstraße und Gneisenaustraße, dazu Hardenberg-, Nettelbek- und Kleiststraße. Ebenso das Militärviertel auf der westlichen Seite der Holtenauerstraße; so wie das ganze Viertel in dieser Zeit enstand mit Bremerstraße usw. Der Wasserturm war ab 1886 in Betrieb, er wurde 1898 ergänzt; die Pferdebahn (ab 1881) wurde 1891 elektrifiziert.

Fazit: Die Stadtentwicklung in den Neubaugebieten nördlich der Altstadt geschah nicht ganz willkürlich; sie gestaltete sich entlang des Düsternbrooker Weges, der Feldstraße und dann auch der Holtenauer Straße, aber von Süd und von Nord her. Insgesamt konnten Elendsquartiere verhindert werden, nicht nur in unserem Stadtgebiet, sondern auch auf dem Ostufer. Kiel ist keine ‚alt-romantische’ Stadt; aber unsere Stadt und insbesondere unsere Stadtteile sind ansehenswert – das bestätigen die Reaktionen der vielen Touristen, denen ich als Stadtführer unsere Stadt schon gezeigt habe.

Text: Dr. Dieter Hartwig

Quellen:
Denkmaltopograhie Landeshauptstadt Kiel, Neumünster: Wachholtz Verlag 1995
Peter Wulf: Kiel wird Großstadt (1867 bis 1918) in: Jensen/Wulf (Hrsg.): Geschichte der Stadt Kiel, S. 207-272

Zahlreiche alte Kieler Ansichten auf Postkarten finden Sie auf der Seite: www.bluecherplatz-kiel.de

  

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