Gentrifizierung

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Die Gentrifizierung bezeichnet einen sozialen Umstrukturierungsprozess eines Stadtteils. Der Zuzug neuer Bewohner sowie die gezielte Aufwertung eines Wohnumfeldes durch Renovierung und Umbau führt demnach zu einer Veränderung der Bevölkerungsstruktur. Die soziale Mischung verändert sich, weil sich bestimmte Bewohner die Mieten vor Ort nicht mehr leisten können.

Gentrifier - Pioniere der Entwicklung

Typischerweise sind von Gentrifikation Stadtteile betroffen, die ursprünglich gehobenes Wohnen geboten haben, heruntergekommen sind und dann durch den Zuzug sogenannter "Gentrifier" nach und nach wieder aufgewertet werden. Gentrifier sind die Pioniere der Entwicklung und meistens Künstler und Studierende, die auf billigen Wohnraum angewiesen sind. Es bilden sich dann typischen Szenen, die wiederum den Stadt attraktiver für andere Bevölkerungsgruppen machen. Daraus entsteht eine Nachfrage auch nach höherwertigem Wohnraum, der durch Renovierung und Umbau der Wohngebäude durch die Eigentümer und die Umgestaltung der öffentlichen Räume durch die Kommune bedient wird. Mit der Fortschreitenden Aufwertung steigen die Preise im Quartier, bis die ursprüngliche Bewohnerschaft und die Pioniere sich die Mieten nicht mehr leisten können und umziehen.

Eigenheim adé - Die Reichen ziehen in die Innenstadt

Auf wenn es in Deutschland durchaus Beispiele für Gentrifizierung gibt, ist das Thema in der Breite eher eines in den USA. In Deutschland gibt es aber einen Trend zum Wohnen in der Innenstadt, denn bis vor einige Jahren galt: Wer es sich leis­ten kann, baut sich ein Häuschen im Grünen. Dort kön­nen die Kinder über die Äcker ren­nen und es ist still und friedlich. Wenn aber beide Ehep­art­ner zum Arbeiten aus den Wohn­sied­lun­gen in die Innen­stadt pen­deln und Kinder hin– und herge­fahren wer­den müssen, stellt Stadt­forscher Hart­mut Häußer­mann bei Spiegel Online fest, „ist die Innen­stadt der Wohnort der Wahl.“

Die Innen­städte wer­den so immer weiter aufgew­ertet und für Haushalte mit kleineren Einkom­men oder gar Abhängigkeit von Trans­fer­leis­tun­gen unbezahlbar. Sie wer­den so an den Rand der Städte verdrängt.

Daraus ergeben sich 2 Probleme:

  1. Die soziale Durch­mis­chung in den Quartieren geht ver­loren: In den einen Vierteln leben die Reichen, in den anderen die Armen.
  2. Der Effekt der Ent­mis­chung ver­stärkt sich noch zusät­zlich, weil es schon immer schwierig war, die Fläche mit öffentlichen Verkehrsmit­teln zu ver­sor­gen. Für die Mit­tel– und die Ober­schicht war das dank des Autos kein Prob­lem — wer aber auf Busse angewiesen ist, merkt schnell, wie eingeschränkt die Möglichkeiten hier sind.

Aufstieg und Niedergang des sozialen Wohnungsbaus

Verschärft wird die Situation in Innenstadtquartieren zudem durch den Niedergang des sozialen Wohnungsbaus. Gab es im Jahr 1987 noch fast 4 Millionen Sozialwohnungen in Deutschland, so es 2001 nur noch rund 1,8 Millionen Wohnungen. Jahr für Jahr verlieren um die 100.000 Wohnungen ihren Status als Sozialwohnung, dabei war Deutschland man das Vorzeigeland in Sachen sozialer Wohnungsbau: Sowohl in Menge als auch in Qualität war Deutschland unerreicht.

Nach dem zweiten Weltkrieg waren viele Häuser zerstört. Die Wohnungsnot wurde durch die Flüchtlinge aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten noch verschärft. Zunächst wurde mit Baracken und Behelf­sheimen überhaupt Wohnraum geschaffen - wenn auch auf einem niedrigen Niveau. Ende der 1960er fehlten in Kiel immer noch 17.000 Wohnungen. So entschloss man sich - wie in vielen anderen Städten - zum Bau einer Großwohnsiedlung: Mettenhof. Nach dem damals gängigen Leitbild der gegliederten Stadt wurde das Wohnen räumlich vom Arbeiten getrennt - kein Lärm und keine Abgase sollten die Wohnenden stören.

Weißer Riese, MettenhofUm den Wohnraum kostengünstig anbieten zu können wurde der Hausbau industrialisiert: Ein eigenes Betonwerk stellte die Bauteile für die Häuser in Mettenhof her. Diese Gebäude entsprachen auch sonst dem Geist der damaligen Zeit: Äußerlich spiegelte das schlichte Weiß die Bauhausidee des "Form follows Function". Das Bauhaus hatte schon in den 1920er angefangen mit dem verschnörkelten Stil der Kaiserzeit aufzuräumen. Die Gebäude standen außerdem weg von der Hauptstraße mit einem Blick ins Grüne. Innen gab es Vollbäder und Zentralheizung - Luxus gegen die gängige Ausstattung von Innenstadt-Altbauten zu der Zeit. Dort blickte man auf den Schornstein eines Hauswerkbetriebes im Hinterhof, teilte sich das Klo auf halber Treppe mit der Nachbarsfamilie und schleppte Kohlen aus dem Keller für den Ofen.

Wegen dieser modernen Ausstattung umd dem Wohnen im Grünen waren die Großwohnsiedlungen damals nicht so unbeliebt wie heute. Und selbst heute muss man feststellen, dass der schlechte Ruf vor allem auf Zuschreibungen von Außen und weniger auf Tatsachen beruhen. Trotz der Stigmatisierung ihrer Stadtteile leben die Bewohner meisten gerne dort.

Viele dieser Stadtteile sind von der DGB-eigenen "Neuen Heimat" errichtet worden. Mit dem Ende der "Neuen Heimat" Anfang der 80er begann auch das Ende des sozialen Wohnungsbaus.

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Nachrichten

  • 17.03.2010 - Lübecker Nachrichten, SPD will "Task Force Wohnungsbau" für Hamburg
    "Zur Bekämpfung der Krise auf dem Hamburger Wohnungsmarkt hat die SPD-Fraktion eine "Task Force Wohnungsbau" gefordert. Wohnungsbauvorhaben könnten so besser koordiniert und beschleunigt werden, sagte der SPD-Politiker Andy Grote..."
  • 08.01.2010 - ZEIT, Bionade-Biedermeier
    "Der Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg ist das Experimentierfeld des neuen Deutschlands. Doch wer nicht ins Raster passt, hat es schwer im Biotop der Schönen und Kreativen..."
  • 18.07.2008 - Spiegel Online, Wie Reiche die Armen aus den Städten verdrängen
    "Du kommst hier nicht rein! Deutschlands Metropolen droht die soziale Spaltung in schöne Viertel nur für Reiche - und Vorstädte für Arme. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview erklärt der Stadtforscher Hartmut Häußermann, wie dieser Riss zu kitten ist - und warum Busse dafür wichtiger sind als Beton."
  • 04.05.2010 - SPD Schleswig-Holstein, Sozialen Wohnungsbau nicht kaputt sparen
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