SPD Kölln-Reisiek

Kennen Sie Fl├╝chtlinge ? ?

Also, ich meine die Menschen, die nicht mehr in ihren L├Ąndern bleiben k├Ânnen, weil sie einer falschen Bev├Âlkerungsgruppe angeh├Âren oder einen falschen Glauben haben. Die, die alles zur├╝cklassen, um ihr Leben oder ihre ├ťberzeugung zu retten.

Ich dachte ich kenne keine. Und begab mich in meine Gedanken. Da tauchten sie auf:

Als Kleinkind in Itzehoe besuchten wir immer Tante Hein. Die hatte einen tollen Garten mit Zwergen, Br├╝cken und Tonfr├Âschen am Teich. Sie war mit ihrer Familie mehrere Jahre bei meiner Familie zwangsuntergebracht. Geflohen aus Ostpreu├čen. Falsche Nationalit├Ąt. So lebten lange Zeit ungef├Ąhr 12 Personen in 4 Zimmern. Zum Gl├╝ck gab es den Garten, der alle versorgte und Besch├Ąftigung bot. Und es entstand eine Freundschaft, die bis in die 70er Jahre hielt.

Ich war Krankenschwester in Itzehoe. Ich erinnere mich an viele Menschen, die in der Klinik Hilfe bekamen. Die junge Frau vom Balkan, die das Kind aus der Kriegsvergewaltigung nicht austragen mochte. Der traumatisierte Mann aus der ehemaligen DDR, der jahrelang aus politischen Gr├╝nden inhaftiert war.

Mir f├Ąllt K├Âlln-Reisiek ein. Erich Schulz hat die Gemeinde entscheidend gepr├Ągt. Er war sehr jung, als er seine Heimat verlie├č.

Dann denke ich an meine Kirchengemeinde. Jesus war Fl├╝chtling in ├ägypten. In einigen Ecken in der Kirche sitzen Menschen, die die Predigt auf Arabisch oder Pashtu ├╝bersetzen. Im Januar starb ganz pl├Âtzlich A. aus Syrien. Er war 55 Jahre alt und hoffte auf ein sicheres Leben hier. Dann der Herzinfarkt in einer Notunterkunft auf dem Lande und eine Frau, die sich nicht verst├Ąndigen kann. Keine Chance. Die Gemeinde trauert.

Warum denke ich also, dass ich keine Fl├╝chtlinge kenne? Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich sie kenne. Dass ich einen Bezug zu ihnen habe, dass sie in erster Linie Menschen sind. Den ┬äFl├╝chtlingsstatus┬ô nehme ich nicht mehr wahr. Wenn wir die Menschen die zu uns kommen, kennen lernen, ihnen helfen, dann verlieren wir die Angst vor dem Unbekannten. Dann sind sie keine Fl├╝chtlinge mehr, sondern haben ein Gesicht, eine Identit├Ąt┬ů sind Mitmenschen. Das ist unsere Aufgabe.

Karen Reumann
Mitglied der SPD-Fraktion

 
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