SPD Kölln-Reisiek

Ein Artikel zum Jakobskreuzkraut

Jakobskreuzkraut – wirklich so gefährlich ?!

Wie keine andere Pflanze steht das Jakobskreuzkraut im kritischen Focus von Pferdehaltern, Imkern und vielen besorgten Bürgern. Jedes Jahr ist die Aufregung und Besorgnis über seine angebliche Gefährlichkeit groß, wenn im Juli seine leuchtend gelben Blüten so manche Landschaft und Straßenränder prägen. Unbestritten ist das Jakobskreuzkraut giftig. Aber ist dies ein Grund, gleich jedwede Pflanze am Straßenrand, die gelbe Blüten zeigt, zu vernichten?
Nachdem auch in Kölln-Reisiek größere Bestände des Jakobskreuzkrautes auftraten, habe ich mich als Vorsitzender des Umweltausschusses mit der Thematik auseinandergesetzt. Das Fazit wird hier mal vorweggenommen:
Der Umweltausschuss Kölln-Reisiek wird bei diesem Thema einen angemessenen und verantwortungsvollen Umgang mit dem Jakobskreuzkraut versuchen. Große Bestände, d.h. ganze Felder mit Jakobskreuzkraut sollen vermieden werden, um die Weiterverbreitung zu unterbinden. Von einem kleinen Bestand hier und da geht keine große Gefahr aus und soll erhalten bleiben.
Woher kommen diese Erkenntnisse?
Hier sollen einfach ein paar Fakten helfen, den Gedankengang nachzuvollziehen:
Das Jakobskreuzkraut ist giftig. Besondere Empfindlichkeit zeigen Pferde, die bei großen verzehrten Mengen daran sterben können. Aus Schleswig-Holstein liegen allerdings bisher keine gesicherten Belege für entsprechende Vorfälle vor. Weidetiere wie Pferde, Rinder, Schafe und Ziegen verschmähen das Kreuzkraut. Die in der Pflanze enthaltenen Bitterstoffe schmecken abscheulich. Der Hunger muss schon unermesslich sein, bevor die Tiere diese Pflanzen fressen. Hier sind die Halter der Tiere aufgefordert, genug Weideland zur Verfügung zu stellen.
Eine Gefahr für die Tiere besteht dann, wenn die Mahd eines solchen Feldes verfüttert wird. Hier ist ebenfalls der Tierhalter in der Pflicht, solche Mahd nicht zu verfüttern.
Die Aufregung um Gift-Gehalte im Honig scheint künstlich aufgebauscht, denn das Jakobskreuzkraut ist bei Bienen nicht sonderlich beliebt. Es wird von Bienen nur dann besucht, wenn Alternativen knapp sind. Es ist eine Nektarquelle zweiter Wahl. Ein weiteres Argument: Mitte Juli, wenn das Jakobskreuzkraut in voller Blüte steht, geht für den Imker hierzulande die Zeit der Honigernte schon zu Ende. Soll trotzdem der Sommerhonig geerntet werden, dann müssen die Bienenstöcke nicht gerade in der Nähe eines Jakobskreuzkraut-Dominanzbestandes stehen.
Alle Kreuzkräuter und damit auch das Jakobskreuzkraut haben für eine Vielzahl verschiedener Insektenarten eine große Bedeutung als Nahrungs- oder auch Eiablagepflanze. Insgesamt sind mehr als 170 Arten bekannt, die am Jakobskreuzkraut leben. Aufgrund der großen Anzahl an Insektenarten, die an der Pflanze vorkommen, trägt sie zur Bereicherung des Nahrungsangebotes z.B. für Vögel und Säugetiere bei.
Und dann ist da noch die große Verwechslungsgefahr mit anderen gelb blühenden Pflanzen. Personen, die meinen, der Natur und Umwelt etwas Gutes zu tun, aber über kein fundiertes Wissen verfügen, vernichten womöglich ökologisch wertvolle Pflanzen. Zu nennen sind hier:
Acker-Gänsedistel, Frühlingsgreiskraut, Gewöhnliches Ferkelkraut, Wiesen-Bocksbart, Kleinköpfiger Pippau, Doldiges Habichtskraut, Nickender Löwenzahn, Gewöhnlicher Gilbweiderich und die Gewöhnliche Goldrute.
Verantwortungsvoll und angemessen handeln! Das werden die Richtlinien sein mit dem Umgang dieser schönen, aber nicht ganz ungefährlichen Pflanze.

Bernhard Taut
Vorsitzender Umweltausschuss

 

 

 
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