SPD Kölln-Reisiek

SPD-Veranstaltung: Tierschutz versus Nutztierhaltung

Tierschutz versus Nutztierhaltung?

Unter dem Motto „Tierschutz und den Möglichkeiten artgerechter und ökonomischer Nutztierhaltung“ stand eine Veranstaltung der SPD-Ortsvereine Elmshorn und Kölln-Reisiek, die gemeinsam mit dem Kreisbauernverband Ende September auf dem Kölln-Reisieker Bauernhof Glissmann stattfand.
Es diskutieren die Agrar– und Verbraucherexpertin der SPD-Bundestagsfraktion, Dr. Karin Thissen, der Vorsitzende des Tierschutzbunds Schleswig-Holstein, Holger Sauerzweig-Strey, Jan-Peter Fülscher, Geschäftsführer des Schlacht- und Zerlegebetriebs Fülscher-Fleisch in Seestermühe, Georg Kleinwort, Vorsitzender des Kreisbauernverbands, und dem Bundestagsabgeordneten Dr. Ernst Dieter Rossmann.


Nach der Begrüßung durch Jürgen Wemmel (SPD Kölln-Reisiek) und Dr. Ernst Dieter Rossmann (SPD Elmshorn) sprach zunächst Frau Dr. Thissen - von Beruf Tierärztin. Sie unterschied drei Arten von Tierschutz, dem emotionalen, dem wissenschaftlichen und dem juristischen Tierschutz. Was unter dem emotionalen Tierschutz verstanden wird, kann jeder wohl nachvollziehen: Alle jungen/kleinen Tiere sind niedlich und auch den mit großen Augen treu blickenden Tieren kann/darf man doch nichts antun – da werd‘ ich lieber Vegetarier. Der wissenschaftlich fundierte Tierschutz hat sich in den letzten Jahrzehnten mit vielen Erkenntnissen über die Psyche der Tiere und deren Wohlfühlverhalten verfestigt.
Schließlich der juristischen Tierschutz, nach dem  (etwas sarkastisch) alles erlaubt ist, was nicht verboten ist.

G. Kleinwort stellte die Frage, was man unter Massentierhaltung versteht – ab wie vielen Tieren beginnt die „Masse“. Es wird in der Öffentlichkeit gerne über Extremfälle gesprochen, ohne dass Grenzen definiert wurden – ab wann ist es ein Massenandrang oder eine Massenkarambolage?  Pauschal kann man keine Größenordnung nennen- bei Geflügel sind es viele, bei Schweinen und Rindern weniger. Ein Mittel gegen „Massentierhaltung“ ist z.B., wenn Landwirtschaft auch zukünftig überwiegen in der Hand von Familienbetriebe bleibt.
Gleiches gilt auch für Schlacht- und Zerlegebetriebe, die regional angesiedelt sind und lange Tiertransporte vermeiden, wie J.-P. Fülscher ausführte. Die der Konzentration von Schlachthöfen, bei denen bis zu 50.000 Schweine pro Woche geschlachtet werden führt dazu, dass davon bis zu 35.000 Schweine z.T. über lange Strecken transportiert werden. Bei regionalen Schlachtbetrieben gibt es kurze Transportwege, womit Stress bei den Tieren gering gehalten wird. Außerdem schätzen viele Verbrauchen die Betriebe ihres Vertrauens und nutzen auch die Möglichkeiten des Direkteinkaufens.
Aber auch der Handel hat den Trend erkannt und setzt sich zusammen mit Unternehmen und Verbände aus Landwirtschaft und Fleischwirtschaft gemeinsam für eine tiergerechtere und nachhaltigere Fleischerzeugung ein (nähere Informationen sind übers Internet: www.initiative-tierwohl.de zu erhalten). Diesen Ausführungen stimmte H. Sauerzweig-Strey grundsätzlich zu, forderte aber auch, dass die Initiative Tierwohl weiter Verbreitung findet und die Regeln konsequent eingehalten werden.
Eine lebhafte Diskussion schloss sich an, bei der die unterschiedlichen Meinungen von Tierschützern, Landwirten, Fleischverarbeitern, Verbrauchern und auch Vegetariern vorgetragen wurden. Fazit der Veranstaltung war, dass an allen Fronten etwas getan werden muss, beim Tierhalter, Erzeuger, Verbraucher und bei der Politik. Einig war man sich, dass im Prinzip alle das gleiche wollen: Sich wohlfühlende Tiere und Menschen.

 

 
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