SPD Kölln-Reisiek

Bronzezeitlicher Urnenfriedhof

Im entstehenden Neubaugebiet an der Stabeltwiete und Bergkoppel legten Mitarbeiter des Archäologischen Landesamtes Schleswig-Holstein kürzlich einen Urnenfriedhof frei. Dieser stammt aus der jüngeren Bronzezeit, wurde also vor etwa 3000 Jahren angelegt.

Die Forscher ließen zunächst die Humusschicht beiseiteschieben und ließen sich dann von Spuren im dort anstehenden Sand leiten. Die Urnen waren oberflächennah in den Boden eingelassen, einige auch mit einer Steinpackung versehen. Eine Besonderheit waren im Sand deutlich zu erkennende Spuren einzelner Kreisgräben. Diese stellten die äußere Begrenzung von kleinen Hügeln dar, die über den in der Mitte des Kreises platzierten Urnen errichtet wurden. Die Hügel waren nicht sehr hoch, vermutlich nur etwa 50 Zentimeter.

Die Forscher entdeckten über 20 Urnen, nur vier waren noch nicht komplett zerbrochen, von den übrigen fand man nur die Scherben. Vereinzelt fanden sich auch Hinweise auf seinerzeit eingegrabene Pfosten, was ein Nachweis für eine Siedlung sein könnte. Denn die spannende Frage ist, wo und wie die Menschen lebten, die hier ihre Toten bestatteten.

Die Freilegung des Urnenfriedhof war für Fachleute keine Überraschung, denn schon um das Jahr 1700 hat der damalige Barmstedter Pastor Rode von einer Ansammlung von größeren Grabhügeln zwischen Barmstedt und Elmshorn berichtet. Man kann davon ausgehen, dass diese Hügel – von denen keiner mehr existiert - ungefähr dort standen, wo sich heute unser Gemeindezentrum befindet. Rode erwähnte auch ein in der Nähe gelegenes Urnenfeld, dies dürfte das jetzt frei gelegte sein. Der Barmstedter Hobby-Forscher beschrieb die von ihm durchgeführten Grabungsplätze leider nur sehr vage, eine Vermessung erfolgte nicht. Ein besonderes Augenmerk legten er und die von ihm angeworbenen Helfer auf Metallobjekte, die als Beigaben der Urnen gefunden wurden. Rode erwähnt Objekte wie Messer, Armreifen oder Pinzetten. Diese Gegenstände zeichnete und beschrieb Rode auch z.T., doch leider ist kein Stück mehr erhalten. Man kann vermuten, dass damals auch Grabbeigaben im jetzt frei gelegten Urnenfeld gezielt gesucht und mitgenommen wurden. Hierbei erfolgten möglicherweise die festgestellten Zerstörungen. Doch auch in der Folgezeit sind Schäden möglich gewesen, nicht zuletzt durch die ackerbauliche Bewirtschaftung der Flächen. Die früheren „Schatzsucher“ waren übrigens erfolgreich: In der aktuellen Grabung wurde lediglich ein einziges, zudem recht kleines Objekt aus Bronze gefunden, das aussieht wie ein Knopf.

Die Forscher des Archäologischen Landesamtes werden die Grabungsergebnisse jetzt wissenschaftlich auswerten und einen Bericht anfertigen. Für uns in Kölln-Reisiek ist der Zeitpunkt der Grabung passend für unser Vorhaben „Kölln-Reisiek – Geschichte und Geschichten“, für das wir Informationen aus allen Epochen unserer Ortsgeschichte sammeln. Neues aus der Bronzezeit ist also schon dabei.

Rainer Adomat

 
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