Situation des Wedeler Frauenhauses

Das Frauenhaus Wedel wird gebraucht - das steht für die SPD Landtagsabgeordnete Beate Raudies fest. Um sich über die Situation der Einrichtung zu informieren, traf sich die Politikerin mit Jutta Stropahl und Ulrike Selmons, Vorstandsvertreterinnen des Frauenhaus-Förder- und Trägervereins.

Während des Gesprächs erfuhr Beate Raudies, dass das Engagement für das Frauenhaus von den Vereinsvertreterinnen unter hohen ehrenamtlichen Einsatz geleistet wird. So berichtete Ulrike Selmons, dass verwaltungsspezifische und organisatorische Aufgaben höchst zeitintensiv sind. "Ich habe eine 40-Stunden-Woche", so Selmons. Der Kostendruck und die Aussicht, keine institutionelle Förderung zu erhalten, frustrieren die Ehrenamtlerinnen sehr. Denn 2012 wurde viel Zeit investiert, um Spenden zu akquirieren. Mit Erfolg. So ist es dem Vorstand gelungen, ihren Etat in Höhe von 174 090 Euro für 2012 aus Spenden zu finanzieren.  "Ich weiß nicht, ob uns das im kommenden Jahr ebenfalls gelingt, die Zweifel und die Unsicherheit zermürben uns. Wenn wir keine Förderung vom Land erhalten, machen wir dicht", so Selmons.

Da die Verweildauer der im Frauenhaus Wedel Hilfe suchenden Frauen steigt und zudem das Haus nach Selmons Einschätzung zu 90 Prozent ausgelastet sein wird, geht sie von einem Finanzbedarf in Höhe von 186 000 Euro aus. Wie sie zu dieser Einschätzung kommt? " Wir haben es zunehmend mit Frauen zu tun, die nicht mehr mit der flexiblen Arbeit klarkommen und sich um ihre Existenz sorgen. Ihre Familienstrukturen haben sich aufgelöst, und von ihren Freunden können sie nicht aufgefangen werden. Oftmals sind diese Frauen deshalb an Depressionen erkrankt. Die brauchen dann eine verstärkte Betreuung, um wieder im Leben Fuß zu fassen", so Selmons. Außerdem suchen aufgrund der guten infrastrukturellen Anbindung Frauen aus Hamburg Schutz in der Wedeler Einrichtung. Selmons: "Hier ist es zudem so, dass die Wohnungssituation in Wedel und im Umland noch etwas entspannter ist. Außerdem befindet sich hier ein  ausreichendes Angebot an Ärzten und Therapeuten. Auch Gründe, weshalb unser Frauenhaus stärker ausgelastet ist, als beispielsweise ein Frauenhaus in Dithmarschen."

Die Vorstandsvertreterinnen stehen der Forderung des Landes, sich doch zu spezialisieren, um Finanzen zu erhalten, nicht ablehnend gegenüber. "Wir wollen aber selbst bestimmen, in welche Richtung wir uns orientieren, wollen nichts übergestülpt bekommen und aus unserem direkten Arbeitsfeld ein Konzept entwickeln", sagt Selmons.

Beate Raudies schlug  vor, die Förderung nachhaltiger als bisher für einen Zeitraum bis zu vier Jahren abzusichern. Auch damit erklärten sich Selmons und Stropahl einverstanden. Selmons: "Bloß keine Projektförderung, die wir von Jahr zu Jahr neu beantragen müssen."

15 Plätze bietet das Frauenhaus den Betroffenen, außerdem Kinderbetreuung, therapeutischen Angebote und weitergehende Beratung. Es gibt unter anderem ein Frauenfrühstück, kreative Nachmittage, bei denen die hilfesuchenden Frauen ihre Potentiale erkunden oder einfach einmal zur Ruhe kommen können. Außerdem werden Hilfen bei Behördengängen und bei der Arbeitssuche gewährt. Auch Frauen, die nicht ins Frauenhaus flüchten, sondern woanders unterkommen, werden beraten und begleitet. "Wir machen Krisenintervention auf hohem Niveau", sagt Selmons. Weiterhin werden auch Erzieher für den Umgang mit traumatisierten Kindern geschult. Und Frauen, die den Weg aus der Gewaltspirale gefunden haben, können sich bei Alltagsproblemen an die Frauenhausberaterinnen wenden. Die Anzahl der Beratungen hat zugenommen, ist auf 362 Gespräche gestiegen.

Selmons und Stropahl hoffen, dass ihr Engagement von Land zum einen anerkannt, zum anderen aber auch adäquat gefördert wird. Die SPD Landtagsabgeordnete sagte ihnen zu, sich für das Frauenhaus Wedel einzusetzen.

Elmshorn, den 05.11.2012