SPD-Ortsverein Kaköhl

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SPD-Kaköhl: Die Geschichte des Ortsvereins

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Die Geschichte des SPD-Ortsvereins Kaköhl

Vorweg: Ein genaues Gründungsdatum des SPD-Ortsvereins Kaköhl ist nicht bekannt. Auf jeden Fall hat es diesen Ortsverein in der Weimarer Republik noch nicht gegeben, also dürfte 1946 das Gründungsjahr sein. Aus diesem Jahr gibt es die ersten schriftlichen Quellen. Allerdings gab es mindestens schon 1921 eine „Ortsgruppe Bleckendorf“ des Sozialdemokratischen Vereins. Dazu später mehr.

Die Anfänge der sozialdemokratischen Bewegung liegen natürlich schon in der Kaiserzeit. Besonders aktiv war die „Agitation“ der SPD zu den Reichstagswahlen am 10.1.1874. Im Wahlkreis Plön/Ostholstein war der Zigarrenarbeiter Otto Reimer aus Altona Kandidat, der viele Versammlungen (u.a. am 12.12.73 in Lütjenburg) durchführte, dazu teilten viele freiwillige Helfer Flugblätter aus. Reimer rief zur Begeisterung der Leute aus: „Wählt mich zum Abgeordneten, damit ich die Wirtschaft auf den großen Gütern des 9. Wahlkreises im östlichen Holstein, wo die Gutsherren und Pächter ihre weißen Sklaven mit Fußtritten und Peitschenhieben traktieren, in Berlin zur Sprache bringen kann.“

Als dann Reimer tatsächlich mit großem Vorsprung zur Überraschung aller in den Reichstag gewählt worden war, setzten danach von Seiten der Großgrundbesitzer, der Kirche und des Bürgertums vielseitige Disziplinierungsmaßnahmen gegen alles ein, was nach Sozialismus aussah. Hauptsächlich Leidtragende dieser Kampagne waren die Landarbeiter der großen Güter. Wer sich von den Tagelöhnern vor der Wahl für die Sache des Sozialismus betätigt hatte, dem wurde kurzerhand gekündigt. Hierbei handelte es sich vor allem um Leute, die Wahlzettel ausgetragen hatten. Auf Weißenhaus wurden zwei Gartenarbeiter entlassen, denen man lediglich ihr Wahlverhalten zum Vorwurf machte. In den Gütern Futterkamp und Kletkamp reichte bereits die Drohung mit Vertragskündigungen, um eine nachhaltige Entmutigung und politische Enthaltsamkeit der dortigen Zeitpächter zu erreichen.

Durch diese Einschüchterungen konnte Reimer in der nächsten Wahl 1877 seinen Erfolg nicht wiederholen. In der Stichwahl unterlag er dem Grafen von Holstein, Waterneverstorf. So wurden eben bei dieser Wahl in Futterkamp überhaupt keine sozialistischen Stimmzettel abgegeben, alle 137 waren für Holstein! In Kaköhl gingen von 73 Wahlberechtigten nur 48 hin, 47 für Holstein, 1 Reimer! In Kletkamp wagten das 3 von 193 Wählern. Geheim waren die Wahlen damals nicht, denn die Wahlzettel hatten verschiedene Farben und wurden von den einzelnen Parteien vor dem Wahllokal verteilt. 

Mit dem Inkrafttreten des Sozialistengesetzes 1878 kam die Parteiarbeit im ländlichen Raum ganz zum Erliegen und es wurden bei den weiteren Wahlen keine sozialdemokratischen Kandidaten aufgestellt, obwohl die Partei weiterhin gewählt werden konnte!

Um die gefürchtete sozialdemokratische Bewegung im Auge zu behalten, musste damals den Landräten regelmäßig Bericht erstattet werden. Für Kaköhl wurde am 1.3.1888 gemeldet, „ dass von einer solchen Bewegung in dem diesselbigen Bezirk während des verflossenen Quartals nicht zu bemerken gewesen ist.“

Auch nach Aufhebung des Sozialistengesetzes 1890 blieb die Diffamierung, Ausgrenzung und Verfolgung bestehen. Mit Vorliebe wurden Verteiler von Agitationsmaterial an den Ortseingängen mit Hunden und Peitschenknall empfangen, um die Verbreitung des sozialdemokratischen Gifts zu verhindern. Mit Vorliebe wurden, gerade in Gutsbezirken, Flugblätter wieder aus den Wohnungen geholt. Auch in unserer Gemeinde ist ein solcher Fall aktenkundig (Landesarchiv 320/546). So beschwerte sich das soz.-dem. Zentral-Wahlkomitee für den 9. Wahlkreis in Eutin beim Landrat des Kreises Oldenburg: „Nach uns gewordenen bestimmten Mitteilungen sind die an den Pfingstfeiertagen in den Kreisen Plön und Oldenburg verbreiteten sozialdemokratischen Wahlflugblätter in den Ortschaften Blekendorf, Sechendorf, Döhnsdorf und Wasbuck von den Amts- resp. Ortsvorstehern wieder eingesammelt worden.“ Der Landrat antwortete, dass die Bauernvögte  das Einsammeln besorgt und diese keine Beamte seien und damit auch keine amtlichen Funktionen gehabt hätten. Da das Einsammeln nicht unter Strafe gestellt sei, wäre es auch zu keiner strafbaren Handlung gekommen.

(Text aus „Blekendorfer Zeitung“ Nr. 21, Seite 10/11)

1903 wird in dem Bericht des Amtsvorstehers berichtet, dass die Socialdemokratie sich im diesseitigen Bezirk weiter ausgebreitet habe. Es habe in Kaköhl zwar schon immer eine Anzahl sozialdemokratischer Stimmen gegeben, aber im Gutsbezirk Futterkamp sei davon nichts bemerkt worden. „Ganz auffällig war es daher, wie bei der letzten Wahl plötzlich 14 Stimmen für den socialdemokratischen Candidaten abgegeben wurden. Dieses Anwachsen der Socialdemokratie dürfte darin seinen Grund haben, daß in den letzten Jahren mehrere fremde Arbeiter hier Wohnung erhalten oder auch sonst vorübergehend gearbeitet haben. Insbesondere handelt es sich dabei um Sehlendorf, wo etwa 2 Jahre lang 2 Arbeiter auch Werbung gemacht haben, wie nachträglich bekannt geworden, sollen diese Personen unter ihren Mitarbeitern für die socialdemokratische Partei Propaganda gemacht haben. Die Arbeiter im Dorfe Sehlendorf sind dem Hofe Sehlendorf zugewiesen. Wenn bei Annahme von Arbeitern bekannt ist, daß sie Anhänger der socialdemokratischen Partei sind, so erhalten sie im Gutsbezirk keine Wohnung. In Kaköhl wird dagegen hierauf nicht viel Rücksicht genommen. Bei den Gastwirten finden die Socialdemokraten im diesseitigen Bezirk nirgends Aufnahme.“
(Text aus „Blekendorfer Zeitung“ Nr. 51, Seite 15)


Nach dem Ersten Weltkrieg

Die Existenz eines „Sozialdemokratischen Vereins Ortsgruppe Bleckendorf“ ist für den 8.2.1921 belegt. Im Kreisarchiv Plön bittet dieser Verein „Um Genehmigung, zum abhalten von Ball bei Herrn Gustav Osbahn in Bleckendorf. Derselbe sollte statttfinden am Sonnabend, den 5.3.1921 Abends von 7 ½ bis 3 ½ Uhr Morgens. Der Vorstand  Bernhard Kardel Detlef Jansen. Sehlendorf bei Kaköhl i. Holstein.“

Im gleichen Sommer wurde dann noch ein Fest auch mit Nachmittagsveranstaltung (Kinderbelustigung, Scheibenschießen) durchgeführt.

Hier die Reichstagswahlergebnisse vom 31.7. und 6.11.1932. Bei der letzteren verlor die NSDAP an Stimmen und drängte deswegen auf die baldige  „Ergreifung der Macht“ ohne Wahlen.

Juliwahl, hier wurde die NSDAP fast überall stärkste Partei. Die übrigen Parteien (u.a. DNVP und DVP) sind nicht mit genannt.

Novemberwahl. Auffällig die starken Verluste der NSDAP. In Kaköhl war die DNVP extrem stark mit 85 Stimmen und 36,1%.


Über weitere Aktivitäten (auch politische) ist nichts bekannt. Spätestens 1933 hat es diese Ortsgruppe ja ohnehin nicht mehr gegeben, da die NSDAP bis zum Ende des Weltkrieges und der NS-Herrschaft allein zugelassene Partei in Deutschland war.


Nach dem Zweiten Weltkrieg

Im Jahr 1946 überließen die Alliierten den Deutschen wieder die Selbstverwaltung, wobei die Demokratie zunächst in den Gemeinden und Ländern und dann erst ab 1949 auf Bundesebene eingerichtet wurde. Allerdings wurden die ersten Gemeindevertretungen eingesetzt, wobei auf das „Vorleben“ in der NS-Zeit geachtet wurde. In der Sitzung der Gemeindevertretung am 1.3.1946 sind neben dem (ebenfalls ernannten) Bürgermeister Schultz 14 Gemeinderäte genannt. Ob diese allerdings bereits Parteien angehörten und es schon einen Ortsverein gab, steht nicht fest. Auf jeden Fall musste bei der Amtseinführung darauf hingewiesen werden, dass eine Bestätigung bzw. Ernennung durch die Militärregierung noch nicht erfolgt sei. Trotzdem forderte der Landrat, schnell mit der Arbeit zu beginnen.

Dann aber meldete der „Ortsverein Kaköhl“ der SPD nach den Wahlen vom 15.9. am 23.9.1946 die geforderten drei Kandidaten für die Gemeindevertretung. Es waren Detlef Jansen aus Blekendorf (der schon 1921 erwähnt wurde), Heinrich Schlünzen aus Rathlau und Wilhelm Lübker aus Sechendorf. Unterzeichnet hat das Schreiben Kaufmann Carl Harloff aus Kaköhl, der wohl der Vorsitzende war. Er selbst muss dann auch in den Gemeinderat gewählt worden sein, denn am 6.10.46 verlangt Schlachtermeister Johannes Doormann, Harloff nicht in sein Amt einzuführen, weil er mutwillig mit seinem Kraftwagen ein Pferdegespann zu überfahren versucht habe.

Bei der Sitzung der Gemeindevertretung am 7.10.1946 wurden dann noch der Versicherungs-Kaufmann Max Ullmann aus Kaköhl, der Landwirt Wilhelm Harms aus Rathlau und der Prokurist Erich Tonn aus Kaköhl für die Wahl von Vertretern benannt.

Bei den zweiten Gemeindewahlen am 24.10.1948 hatte die SPD mit 982 Stimmen ebenso 5 Sitze wie die CDU mit 927 Stimmen. Bürgermeister blieb Max Lamp (CDU).

Genauere Daten gibt es von den Gemeindewahlen am 29. April 1951: Gewählt wurde in zwei Wahlbezirken, für die SPD wurden gewählt im Bezirk 1 (Blekendorf, Friderikenthal, Futterkamp, Sehlendorf, Sechendorf): Heinrich Dreesen (154 St.), Detlef Jansen (127 St.), Heinrich Kardel, Sechendorf (141) und Maria Truberg aus Friederikenthal (140). Franz Meier hatte 126 erreicht und kam nicht in die Vertretung. 

Im Bezirk 2 wurde kein SPD-Kandidat gewählt, es kandidierten Heinrich Bohnhof (89), Friedrich Dohrmann (87), Johann Droszick (81), Heinrich Kohlmorgen (84) und Heinrich Rosenfeldt (88).

In einem sehr komplizierten Verfahren wurden 5 weitere Gemeindevertreter bestimmt, zu denen auch Wilhelm Kardel aus Sechendorf gehörte. Somit hatte der SHW 7, der BHE 2, die SPD 5 und die CDU 1 Gemeindevertreter. Zum Bürgermeister wurde Heinrich Dreesen aus Blekendorf („Hein Garner“) von der SPD gewählt. Er blieb (nach Losentscheid) auch nach den Wahlen 1955 Bürgermeister und verstarb durch einen Verkehrsunfall am 14.10.1959.

Über die dazwischen liegenden Wahlen liegen leider keine Ergebnisse vor.



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