SPD-Holtsee

Hartmut Trimpler erz├Ąhlt

                                                                 

Hartmut Trimpler 1978                                             

                                                                                                       Hartmut Trimpler 2008

 

Seit 1976 wohne ich in Holtsee. Die örtliche SPD war damals nicht gerade auf Rosen gebettet. Sie stellte 3 von 11 Gemeindevertretern und hatte es schwer, ihre Positionen gegen die 8-köpfige CDU-Fraktions­mehrheit durchzusetzen.

Umso mehr war man in der SPD erfreut, einen neuen Genossen im Ortsverein begrüßen zu dürfen, der auch noch bereit war, sich politisch zu engagieren.
4 Jahre zuvor, im September 1972, war ich in die SPD eingetreten. Es war nicht deren Godesberger Programm, das mich damals bewog, diesen Schritt zu tun. Vielmehr überzeugte mich die Proklamation der neuen Ostpolitik Willy Brandts, die durch das Motto „Entspannung durch Annäherung“ dazu beitragen sollte, den Kalten Krieg zu beenden. Als Berufsoffizier der Marine fuhr ich damals auf einem Schnellboot zur See und konnte mich mit eigenen Augen davon über­zeugen, welcher Bedrohung wir durch den Ostblock ausgesetzt waren.

Auch später, selbst wenn ich nicht immer mit meiner Partei im Reinen war, habe ich nie bereut, mich politisch gebunden zu haben. Der Beitrag, den diese Entspannungspolitik - eingeleitet durch die mit schmerzhaftem Verzicht verbundenen Ostverträge - zur Wiedervereinigung geleistet hat, ist unbestritten.

1978 wurde ich in die Gemeindevertretung gewählt. Unser SPD-Urgestein in der Gemeinde, Heinrich Möller, setzte sich damals vehement für den Bau altengerechter Sozialwohnungen in Holtsee ein. Kurz bevor er starb, nahm er mir das Versprechen ab, mich nachdrücklich für dieses Vorhaben einzusetzen. So brachte ich dieses Thema immer wieder auf den Tisch. Schließlich wurde der Beschluss gefasst, ein neues Baugebiet auszu­weisen, um mit Hilfe eines privaten Investors 10 altengerechte Wohnungen mit Sozialbindung zu bauen. Die Anlage wurde 1997 eingeweiht, rund 20 Jahre nach dem ersten Anstoß durch die SPD-Fraktion.

Nachdem in den 70er Jahren ein neuer Sportplatz und eine Schulturnhalle eingeweiht werden konnten, setzte sich Malte Maßmann, damals Gemeindevertreter und Sportvereinsvorsitzender, für den Bau eines Sport- und Jugendheims ein. Wie die Geschichte ablief, hat er im letzten Quark berichtet. Wie es mir gelang, die ent­sprechenden Zuschüsse aufzutreiben, erzähle ich lieber nicht, auch nicht die Einzelheiten zu dem Kuhhandel, der damals im Zusammenhang mit dem Bau des Feuerwehrgerätehauses und der Turnhalle stattfand.

Nur soviel sei bemerkt: Das Bestreben des Bürgermeisters Johannes Ströh war immer, Einstimmigkeit im Gemeinderat zu erzielen, um so Geschlossenheit zu demonstrieren. Diese Vorgehensweise führte zwangs­läufig zu Kompromissen zwischen den Parteien, die fast immer zu einem ausgewogenen Ergebnis zum Wohle der Gemeinde führten.

Als ich 1988 Kommandant eines Zerstörers wurde, hatte ich aufgrund der langen Seefahrtszeiten kaum noch Gelegenheit, meine Aufgaben in der Gemeindevertretung in vollem Umfang wahrzunehmen. Infolgedessen trat ich zur Kommunalwahl 1990 nicht mehr an.   

1993 kam ich jedoch als Nachrücker erneut in die Gemeindevertretung. Das beherrschende Thema war die nachhaltige Erweiterung der Infrastruktur.
Die Forderung der Elterninitiative Kindergarten, in Holtsee eine Kindertagesstätte zu bauen, wurde immer lauter. Doch zunächst war die Erweiterung der Grundschule durch einen Anbau das drängendere Problem. Leider wurden, wie es häufig bei Bauten der öffentlichen Hand der Fall ist, die veranschlagten Kosten deutlich überschritten. Der Bau eines 2-gruppigen Kindergartens mit einem geschätzten Investitionsvolumen von rund 1,2 Mio DM rückte damit in weite Ferne. Weil jedoch die Not­wendigkeit eines Kindergartens unbestritten war, mussten neue Wege der Finanzierung beschritten werden.
Also schlug die SPD-Fraktion der Gemeindevertretung vor, den Kindergarten nicht durch die Gemeinde, sondern durch die Elterninitiative bauen zu lassen. Die Vorteile lagen auf der Hand: Als freier Träger war die Elterninitiative nicht an die Ausschreibungsrichtlinien der öffentlichen Hand gebunden und konnte somit hart verhandeln. Zudem wurde sie höher als die Gemeinde durch Land und Kreis  bezuschusst und bekam die Zuschüsse, die die Gemeinde hätte 7 Jahre zwischenfinanzieren müssen, sofort. Nachdem ich mich bereit erklärt hatte, die Planung, Finanzierung und Bauaufsicht zu übernehmen, wurden die notwendigen Moda­litäten mit der Elterninitiative ausgehandelt. Der Kindergarten konnte im Mai 1997 nach nur 5-mona­tiger Bauzeit eingeweiht werden. Die Bausumme betrug 853.000 DM. Damit wurde der Finanzrahmen um 20.000 DM unterschritten, obwohl auch noch das Mobiliar daraus beschafft wurde, was so nicht geplant war.

Ich war rund 20 Jahre Gemeindevertreter. In dieser Zeit habe ich gelernt, Geduld zu haben, andere Meinun­gen zu akzeptieren, Kompromisse zu schließen, aber auch Niederlagen gelassen hinzunehmen. Ich habe auch gelernt, dass eine Gemeindevertretung als oberstes Gebot nicht Parteirichtlinien, sondern immer das Wohl der Gemeinde im Auge haben muss. Für Holtsee trifft das zu und das ist gut so.  

23.03.1944 geboren in Stettin
01.07.1965 Eintritt in die Marine
1971 Abitur auf dem 2. Bildungsweg
1976 Umzug nach Holtsee
1978-1990 und 1993-2003 Gemeindevertreter
1996 Pensionierung als Kapitän zur See

seit 1995 stellv. Vorsitzender der AWO Gettorf
1998-2009 Vorsitzender des SV Holtsee
seit 2009 ehrenamtl. Geschäftsführer der
Wohnen, Leben und Arbeit gGmbH, zu der die Altengerechte Wohnanlage im Kiek Ut gehört
 

Hartmut Trimpler

 
Serpil Midyatli, MdL
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S├Ânke Rix (MdB)
Ulrike Rodust (MdEP)

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