SPD-Holtsee

Malte Maßmann erzählt

Malte Maßmann 1973:                     

 

Malte Maßmann 2012:                     

Ende der sechziger Jahre bin ich in die SPD eingetreten. Im Gemeinderat waren damals die SPD mit 2 Ratsmitgliedern, Heinrich Möller, Harfe und Max Lipinski, Grünhorst, vertreten. Wir gründeten den  Ortsverein neu und ich wurde Vorsitzender des SPD Ortsvereins Holtsee.

Der Grund für meinen Eintritt in die SPD war aber ein ganz lapidarer. Ich wollte über Einfluss im Gemeinderat unsägliche Zustände am und auf dem Sportplatz und in den Umkleidekabinen ändern, da ich ja auch im SV Holtsee als Vorstands‑ und Gründungsmitglied involviert war. Zu damaliger Zeit bestand die CDU‑Fraktion aus 6 Landwirten inkl. eines Gutsbesitzers und eines Malermeisters. Ich glaube, dass ich niemandem zu Nahe trete mit der Behauptung, dass die damalige CDU‑Fraktion mit dem Sportverein nichts "am Hut“ hatte. Feuerwehr, DRK, Gilde, Landjugend und irgendwann der Sportverein (seit 25 Jahren über 600 Mitglieder) ‑ das war damals die Rangfolge.

Nach der Wahl zum Gemeinderat 1970 habe ich nun als Gemeindevertreter mit Heinrich Möller versucht, eingefahrene Gleise aufzubrechen, um ein lebendiges Dorf zu erhalten und mit den Bürgern zu gestalten. Damals gab die Amtsverwaltung fast alles vor und das wurde oft ohne irgendeinen Einwand mit Punkt und Komma von der Mehrheit im Gemeinderat abgesegnet. Das musste geändert werden. Aber wie?

Die Zusammensetzung 1974 war 8 CDU, 3 SPD. Erstmalig 1978 war die Sitzverteilung 7:4, damit hatten wir als zweitstärkste Fraktion das Vorschlagsrecht für den 1. stellvertretenden Bürgermeister und nach neuester Gesetzeslage sollte auch so abgestimmt werden. So wurde Johannes Ströh wieder Bürgermeister und ich auf Vorschlag meiner Fraktion 1.Stellvertreter.

Zwischenzeitlich hatte sich die Meinung über den Sportverein, dessen Vorsitzender ich seit 1970 war, grundsätzlich geändert, sodass ein Antrag über Neugestaltung der Sportanlagen allgemeine Zustimmung fand: Einweihung 1977.

Johannes Ströh wollte immer gerne einstimmige Beschlüsse. So konnte ich Einiges mit ihm regeln. Wir hatten ein gutes Verhältnis. Der Bürgermeister wollte ein (sein) Feuerwehrgerätehaus. Die Turnhalle sollte aufs Schulgelände. Begründung: Den Schulkindern ist es nicht zuzumuten, den Weg zum Sportplatz zu Fuß zu laufen!

 Ich plädierte damals dafür, einen Gemeinschaftsbau auf dem Sportplatzgelände zu errichten mit Feuerwehrgerätehaus, Turnhalle, Jugend‑ u. Sportheim mit einer Art von Gastronomie, auch zum Feiern gemeinsamer Dorffeste. Das lehnte die CDU ab mit der Aussage: Wir müssen den Krug schonen. Dabei war der kaum noch existent.

Wenn wir von den Fußballspielen kamen, sind wir immer in den Krug gegangen und haben im rechten Eck gesessen. Einmal war dort für Kaffee gedeckt. „Was ist das denn?“ „Das hab ich vorsorglich gedeckt.“ „Aber hier sitz doch keiner.“ „ Egal. Ihr könnt ins ‚lange Stück‘ im Saal gehen, hier bleibt ihr jedenfalls nicht!“, sagte Wirt Langeberg. Das war das letzte Mal, dass wir vom Sportverein im Krug waren. Wir blieben unten am Sportplatz in den Umkleidekabinen mit Nebenraum.

Wir wollten ein Sport‑ und Jugendheim, auch für die Landjugend, und da wir uns auf einen Gemeinschaftsbau nicht einigen konnten, habe ich zu Johannes Ströh gesagt: „Wenn du einen einstimmigen Beschluss haben willst, machen wir das so: Die Turnhalle kommt an die Schule. Du kriegst das Feuerwehrgerätehaus in der Ecke und ich bekomme das Jugend‑ und Sportheim da unten.“ Und so wurde es beschlossen - einstimmig!

1979 fanden die Einweihungen des Feuerwehrgerätehauses und der Turnhalle statt. Das Jugend‑ und Sportheim wurde 1982 dem SV, der Landjugend und dem AKJ (Arbeitskreis Jugendheim) übergeben.

Stellvertretend für alle damaligen SPD‑Mandatsträger möchte ich mich an dieser Stelle bei Hartmut Trimpler für seine fachkompetente und engagierte Unterstützung (speziell beim Anzapfen von Finanztöpfen in Land und Bund) bedanken!

Wenn es auch nach außen oft im Gemeinderat nach viel Gemeinsamkeit aussah, so gab es doch erhebliche Meinungsverschiedenheiten gerade bei Schulpolitik und kirchlichem Kindergarten, bei der Nutzung des Sportheimes und der Turnhalle.

Heute sieht alles etwas anders aus, weil die Vorbereitung und Aufarbeitung der Themen viel sorgfältiger erfolgt und das Amt eine Informationsquelle und keine bestimmende Institution ist. So hoffe ich doch. In den meisten Fällen erscheinen die einstimmigen Beschlüsse sinnvoll.

Hier passt ein Döntje: Haushaltsberatung und Beschluss im Gemeinderat der 70er Jahre: Es wurden von einigen Gemeinderatsvertretern (ich versichere, diese gehörten nicht zu unserer Zunft) die Einladungskuverts mit den Unterlagen erst auf der Sitzung geöffnet! Unser Abstimmungsverhalten, das der SPD, wurde stets in einer vorbereitenden Sitzung festgelegt, so mussten wir auch nicht in die Runde schauen, ob die Parteifreunde die Hände hoben oder nicht. So ein „Abgucken“ wäre heute unmöglich, oder?!

Ich habe immer versucht, Leistung anzuerkennen. So habe ich es auch stets mit Ulfert als Bürgermeister gehalten, mit dem ich bis heute eine offene und freundschaftliche Beziehung habe. Das Einbringen seiner Person und Zeit ist anerkennenswert, allerdings weiß auch er von mir, dass ich einige Dinge gerne anders gesehen hätte.

Ich habe 1970 kandidiert mit dem Versprechen:

Aufgaben lassen sich nur gemeinsam lösen, in Toleranz und Achtung der Meinung Andersdenkender. Unverzichtbar: Die Einbindung der Bürgerinnen und Bürger in Entscheidungsprozesse! Es ist lange her ‑ gilt aber immer noch.

 

23.07.1936 geboren in Hamburg
1953  Realschulabschluss in Eckernförde
1953  ‑1956 Gärtnerlehre
1956  ‑1965 kleine Gärtnerei in Lehmsiek mit Blumengeschäft in ECK

1965  Gärtnermeister
1965 ‑1970 Betriebsleiter NMS und Kiel
1970  Gründung einer Handelsfirma
2001  Betrieb verkauft an Mitarbeiter
Seit 2001 Rentner im Unruhestand

Sportverein : 1958 Gründungsmitglied  -
1970 ‑ 1988 1.Vorsitzender

Landjugend: Anfang der 60er 1. Kreisvorsitzender im Altkreis Eckernförde als linksgestrickter Nichtlandwirt

Gemeinderat 1970 bis 1986

 

 
Serpil Midyatli, MdL

 

Sönke Rix (MdB)
Ulrike Rodust (MdEP)

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