SPD im Kreis Rendsburg-Eckernförde

Kein Gift in unsere Böden! Fracking muss gestoppt werden

Veröffentlicht am 01.06.2013, 18:35 Uhr     Druckversion

Eckart Kuhlwein, Geschäftsführer des UFO , im Naturfreunde-Magazin Nr.2 2013 :
„Was der Öffentlichkeit als technischer Fortschritt verkauft wird, belegt genauer betrachtet die Verzweiflung der Unternehmen, noch möglichst lange das alte Geschäft der Gasförderung aufrechtzuerhalten", so Werner Zittel, Vorstand der Bölkow-Stiftung vor einem Jahr, als es um die Genehmigung von Fracking-Vorhaben im österreichischen Weinviertel ging.

Da war in Deutschland von der neuen Methode, Erdgas mit Hilfe von Chemie aus tiefen Erd-schichten zu gewinnen, noch kaum die Rede. Aber US-Präsident Barack Obama brachte mit seinem Einsatz für die nationalen Energiereserven Öl und Gas viele Unternehmen auf die Idee, auch in Deutschland nach tieferliegenden Gasvorkommen zu forschen. Deshalb ist inzwischen der Streit um die teure und die Umwelt gefährdende Methode der Gasexploration und Gasförderung in vielen Regionen Deutschlands ein heißes Thema geworden. Und hunderte von Bürgerinitiativen haben sich schlau gemacht.
Ihre begründeten Haupteinwände: Hochgradige Flächennutzung, mögliche erhebliche Luft-Schadstoff-Emissionen durch Methan-Freisetzung sowie die Grundwasserverschmutzung (Hydrofracturing-Flüssigkeiten enthalten gefährliche Stoffe), der Rückfluss mit Schwermetallen und radioaktivem Material aus der Lagerstätte, Grundwasserverschmutzung durch Methan in der Nähe von Gasbohrungen - in Extremfällen Explosion von Wohngebäuden - Versalzung des Trinkwassers durch Kaliumchlorid. Diese Auswirkungen summieren sich, da Schieferformationen mit einer hohen Bohrungsdichte (von bis zu sechs Bohrstellen pro Quadratkilometer) erschlossen werden sollen.
Der Bürgermeister einer amerikanischen Kleinstadt in Texas hat die Umweltwirkungen von Fracking in seiner Gemeinde so beschrieben: Eine unabhängige Luftverschmutzungs-Studie habe 16 verschiedene Chemikalien identifiziert. Die Luft enthielt Neurotoxine, krebserregen-de Stoffe sowie leicht entflammbares Benzol, dessen Werte das vorgeschriebene Limit um das 55-fache übertrafen. Auch die Gesundheit seiner Kinder habe darunter gelitten. Die Söhne hätten regelmäßig Nasenbluten gehabt. Und das hing ganz offensichtlich mit dem Gerüchen und dem erhöhten Giftwerten um das Haus zusammen, das nur 300 m von der Kompressor- und Aufbereitungsanlage entfernt war. Der Bürgermeister zog die Konsequenz und verließ seine Heimatstadt.
Solche Gefahren zu beurteilen, ist vor allem Aufgabe der Landesbergbehörden und der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover. Doch die BGR ist dem Wirtschaftsministerium von Philipp Rösler unterstellt, der ein Wegbereiter für Schiefergasförderung und Fracking in Deutschland sein möchte. Im Kuratorium der BGR sitzen denn auch neben Wissenschaftlern die Vorstände von ExxonMobil, Wintershall, RWE und anderer Konzerne. Das Gremium soll die Leitung der BGR und das Wirtschaftsministerium in wichtigen Fragen beraten, etwa in Sachen Rohstoffsicherheit und ausgerechnet auch Umweltschutz.
Die Bundesminister für Wirtschaft und für Umwelt, Rösler und Altmaier, haben sich Anfang März zu einer neuen Verordnung und einem Gesetzentwurf zusammengerauft. Der eine mit Ja, aber…, der andere mit Nein, aber…Rösler will Fracking mit strengen Auflagen zulassen, Altmaier sieht für Fracking in Deutschland wegen seiner dichten Besiedelung keine (oder kaum eine?) Chance. Hinter dem Gesetzentwurf könnte auch die Absicht stecken, den von SPD und GRÜNEN regierten Ländern Kompetenzen zu beschneiden. Dort regt sich nämlich fast überall der Widerstand. Schleswig-Holsteins grüner Umweltminister Robert Habeck will sogar über den Bundesrat ein Fracking-Moratorium organisieren, bis alle Probleme für Natur und Umwelt endgültig geklärt sind.
Ob Fracking sinnvoll ist, wirft aber noch eine andere Frage auf: Aus volkswirtschaftlicher Perspektive ist die Erschließung von Schiefergasvorkommen kontraproduktiv. Die neue Form der Gasförderung behindert die Energiewende. Investitionen werden in die Verlängerung eines als Sackgasse identifizierten Weges gelenkt. Diese Investitionen wären sinnvoller an-gelegt, würden sie direkt in den Umbau der Energieversorgung in Richtung erneuerbarer Energien und nicht in den Versuch einer Stabilisierung bestehender Abhängigkeiten gelenkt.
Wir sollten uns als NaturFreunde überall dort in den Bürgerinitiativen engagieren, wo die Öl- und Gaskonzerne sondieren wollen. Und wir sollten uns für eine Änderung des deutschen Bergrechts aus der Nazizeit einsetzen, das noch immer die Nutzung von unterirdischen Rohstoffen ohne Umweltverträglichkeitsprüfungen und Bürgerbeteiligung möglich macht.

Homepage: SPD-Umweltforum


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