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Schulpsychologie als Unterstützungssystem für die Schule der Zukunft

Veröffentlicht am 14.11.2013, 16:31 Uhr     Druckversion

Ulf Daude, Landesvorsitzender AfB S-H

Die Landeskonferenz der SPD-Arbeitsgemeinschaft für Bildung tagte in Husum zum Thema Schulpsychologie, da Schleswig-Holstein in diesem Bereich im Vergleich der Bundesländer ein Entwicklungsland ist. Während im Bundesdurchschnitt auf 10000 Schülerinnen und Schüler 1 Schulpsychologe kommt, was international ebenfalls unterster Standard ist und weit unter den KMK-Empfehlungen von 1973 (1:5000) und WHO (1.2500) liegt, sind es in unserem Land im Durchschnitt sogar 19000 SchülerInnen auf eine/n Schul

In einem Kreis liegt die Quote sogar zurzeit bei 1:30000! Wenn wir ernsthaft eine „Schule der Zukunft“ schaffen wollen, die sich individuell um die Bildung und Erziehung unserer Kinder in einem ganztägigen Rahmen kümmert, dann müssen wir neben der Schulsozialarbeit endlich die Schulpsychologie ernst nehmen und ausbauen!

 

Wie dies strukturell und organisatorisch gelingen kann, diskutierten wir mit Hansjürgen Kunigkeit vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen, Sektion Schulpsychologie. Er hat in seiner Tätigkeit als Leiter der regionalen Schulberatung und Schulpsychologe im Rhein-Erft-Kreis (Regierungsbezirk Köln) ein funktionierendes System schulpsychologischer Beratung aufgebaut und regelmäßig evaluiert. Über die Situation in Schleswig-Holstein und konkrete Lösungsmöglichkeiten diskutierten wir mit dem Landesvorsitzenden des Verbandes Schleswig-Holsteinischer Schulpsychologen Jörg Lorenzen-Lemke. Besonders herauszustellen ist, dass eine gute Schulpsychologie mehr ist, als eine Einzelfallbetreuung. Sie organisiert und leitet die Kommunikation innerhalb der Schule und fördert die Professionalisierung der Lehrkräfte. Sie hilft beim Konfliktmanagement und bietet Rat in Krisensituationen. Eine gute Schulpsychologie leistet damit ebenfalls einen großen Beitrag zur Lehrergesundheit und zur systemischen Schulentwicklung.

 

Auch die (Weiter-) Entwicklung eines guten modernen Unterrichts kann durch schulpsychologische Beratung konkret gefördert werden. Aus der Landeskonferenz der SPD-Arbeitsgemeinschaft für Bildung ergaben sich folgende Forderungen an die Politik: Die Landesregierung muss einen Masterplan „Multi-Profession macht gute Schule“ entwickeln, bei dem Schulpsychologie einen festen Platz bekommt. Dies fördert auch die Weiterentwicklung der Umsetzung von Inklusion. Wir brauchen professionelle SchulpsychologInnen flächendeckend vor Ort. Dazu müssen in Schleswig-Holstein 13 bis 18 zusätzliche Stellen geschaffen werden. Zu dieser dringend erforderlichen quantitativen und qualitativen Ausweitung im Bereich der schulpsychologischen Betreuung muss im Haushalt der Rückgang an SchülerInnen genutzt werden. Nicht mehr benötigte LehrerInnenstellen werden umgewandelt zur Verstärkung des Schulteams. Es müssen neben einer Verantwortlichkeit innerhalb der Schulaufsicht insbesondere auch vielfältige Vernetzungsstrukturen im Kreis der SchulpsychologInnen etabliert werden. SchulpsychologInnen müssen regelmäßig in den Schulen sichtbar sein und für ihre Arbeit neben sächlicher und personeller Unterstützung auch entsprechende Räumlichkeiten bekommen. Schulpsychologen müssen in die strukturelle Arbeit der Schulen mit einbezogen werden, z.B. in Prozesse der Schulleitung, der Schulorganisation und bei Schulentwicklungstagen.

 

Starke kommunale Bildungslandschaften von der Kindertagesstätte bis zur Gemeinschaftsschule entstehen nur, wenn neben ErzieherInnen und LehrerInnen auch weitere Professionen, wie Schulsozialarbeit, Logopädie, Schulpsychologie etc. ihren festen Ort und ihre Vernetzung in der Bildungslandschaft bekommen. Die Arbeitsgemeinschaft für Bildung (AfB) in der SPD Schleswig-Holstein setzt sich für die Reform der Schulstruktur, für ein gerechtes und leistungsfähiges Bildungssystem in Deutschland ein. Eine Bildungsreform, die das dreigliedrige Schulsystem abschafft, die ein längeres gemeinsames Lernen aller Kinder ermöglicht und die Chancengleichheit für alle gesellschaftlichen Schichten bedeutet, da die internationalen Vergleichstest immer wieder zeigen, dass in Deutschland bisher die Herkunft für die Bildungschancen entscheidend sind.

 

Ulf Daude

Landesvorsitzender AfB SH

Homepage: AfB Schleswig-Holstein


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