SPD im Kreis Rendsburg-Eckernförde

AG 60 plus: Pflege in Not !

Veröffentlicht am 20.03.2014, 14:24 Uhr     Druckversion

Wir alle wünschen uns, dass wir uns bis ins hohe Alter selbst versorgen können und dann, wenn es soweit ist, friedlich einschlafen...

Manch einem ist es gegönnt, doch sehr viele von uns werden im Alter krank, müssen häufiger ins Krankenhaus und dann in ein Alten- und Pflegeheim. Eine Versorgung durch Familienangehörigen ist aus unterschiedlichen Gründen meistens nicht möglich.

Da wir im Durchschnitt immer älter werden und im zunehmenden Alter die Erkrankungen zunehmen (Stichwort Demenz od. Parkinson), geraten wir unweigerlich in die Probleme des grassierenden Pflegenotstands.

Tausende Pflegekräfte fehlen, Tendenz steigend ! So lauten die Schlagzeilen.

In Schleswig-Holstein werden nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung aus dem Jahr 2012 bis 2030 voraussichtlich 13000 Vollzeitpflegekräfte fehlen !

In der Altenpflege wird der Bedarf bis 2020 nach Schätzungen des Sozialministeriums allein um 2000 Fachkräfte ansteigen.

Es ist ein ganzes Bündel von Maßnahmen erforderlich, um den Pflegenotstand in den Griff zu bekommen. Der quantitative und qualitative Ausbau der Pflege wird aber viel Geld kosten, d.h., die Beiträge für die Pflegeversicherung werden steigen ! Es hat auch bislang am politischen Willen gefehlt, die von der Fachwelt seit mehr als 20 Jahren angemahnten Strukturveränderungen im deutschen Pflegesystem auch umzusetzen.

Hier müssen wir zunächst auf die bisher beschlossenen Maßnahmen der Großen Koalition (z.B. 4 Milliarden EU zusätzlich in den nächsten Jahren) und unserer Landesregierung (z.B Reform der Ausbildung, Einrichtung einer Pflegekammer) hoffen.

Insbesondere gilt es, dem Personalnotstand und Fachkräftemangel in der Altenpflege zu begegnen, um eine menschenwürdige Betreuung und Pflege mit der angemessenen Zahl an professionellen Pflegekräften sicher zu stellen.

Hierzu gehört insbesondere eine Verbesserung der gesellschaftlichen Anerkennung und des sozialen Prestiges des Berufsstandes der Altenpflege.

Dazu beitragen könnte eine mit den Trägern der Altenpflegeeinrichtungen, wichtigen gesellschaftlichen Kräften und den Medien koordinierte Kampagne, wie sie bereits 2009 von den Grünen im Bayerischen Landtag gefordert wurde.

Unbedingt notwendig ist eine Reform der Ausbildung. Es kann doch nicht sein, dass angehende Altenpfleger und -pflegerinnen die Kosten für ihre Ausbildung in Höhe von etwa 300 Euro im Monat selbst zahlen müssen; und das noch von ihrer sowieso geringen Vergütung, mit der man auch so kaum leben kann !

Unsere Landesregierung hat zumindest für dieses Jahr Mittel für 400 Ausbildungsplätze bereit gestellt, aber für die Zukunft gilt es, das ganze System zu verändern, z.B. durch Angleichung der Ausbildung in der Krankenpflege, Kinderkrankenpflege und Altenpflege.

Dann wäre auch ein Wechsel innerhalb der Berufsgruppen möglich.

Überlegt werden sollte auch ein Programm zur Verankerung der Pflegeausbildung an den Hochschulen als Einstieg in eine schrittweise Akademisierung der Pflegeausbildung für Leitungsfunktionen, wie bereits in einigen europäischen Ländern praktiziert.

Neben der gesellschaftlichen Anerkennung bedarf es natürlich einer besseren Bezahlung , einer Aufstockung des Stellenschlüssels und Festlegung von Arbeitszeiten, die mit einer Familie vereinbar sind.

Der Mindestlohn z.B. liegt in der Branche bei neun (West) bzw. acht(Ost) Euro, am Bau beträgt er 11,05 bzw. 10,25 !). Examinierte Fachkräfte verdienen gerade mal zwischen 2000 und max.2500 Euro im Monat. Dabei muss man wissen, dass viele kleine Häuser weder nach Tarif bezahlen, noch Überstunden und Zuschläge für Nacht- und Wochenendarbeit vergüten.

Dies sind nur einige exemplarische Beispiele, die den Mangel beschreiben. Der Pflegenotstand bedarf einer umfassenden Pflegereform, die Pflege muss als gesamtgesellschaftliche Aufgabe begriffen werden, anders werden wir die vor uns liegenden Schwierigkeiten nicht in den Griff bekommen.

Es muss gehandelt werden, Lippenbekenntnisse helfen nicht weiter !

Bernhard Fleischer
Mitglied im Kreisvorstand und
Landesvorstand der AG 60 plus


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