SPD im Kreis Rendsburg-Eckernförde

SPD-Umweltexperten fordern Moratorium für Glyphosat

Veröffentlicht am 06.12.2015, 13:21 Uhr     Druckversion

„Zum Schutz von Menschen  und Umwelt“ haben die im „umweltforum“ zusammengeschlossenen Umweltexperten der schleswig-holsteinischen SPD von der EU-Kommission ein Moratorium für die Anwendung des Herbizids Glyphosat gefordert. Mittelfristig müsse die Verwendung von chemisch-synthetischen Pflanzenbehandlungsmitteln in der Landwirtschaft und im Hausgebrauch grundsätzlich unterbunden werden.

Die SPD-Umweltpolitiker erinnern daran, dass die Marktzulassung für Glyphosat  in der EU am 31.12.2015 endet, so dass eine Entscheidung über eine Neuzulassung für weitere zehn Jahre anstehe. Die SPD müsse sich jetzt auf allen Ebenen für ein Verbot positionieren, um die Bevölkerung vor den Gefahren durch die Anwendung zu schützen.

Glyphosat gilt als wahrscheinlich krebserregend, wie die IARC, die Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation (WHO), im März 2015 festgestellt hat. Die WHO bedient sich für ihre Gefahreneinschätzung ausschließlich öffentlich zugänglicher Studien verschiedener unabhängiger Forschungsinstitute. Mitte November sei  dieEuropäische Lebensmittelbehörde (EFSA) zu einem anderen Ergebnis gekommen. Sie greife auch auf geheime Studien von Herstellerfirmen zurück, wobei sie sich vor allem auf das Bundesinstitut für Risikoforschung (BfR) stütze.Sie teilte mit, es sei unwahrscheinlich, dass das Herbizid eine krebserregende Gefahr für den Menschen darstelle.

Im BfR säßen Vertreter von Bayer und BASF in der Kommission für Pflanzenschutzmittel. Beide Unternehmen stellten das chemisch-synthetische Breitbandherbizid her. Glyphosat schädige darüber hinaus das Bodenleben, fördere krankheitserregende Pilze und vergifte Insekten, Amphibien und Fische.

In Deutschland werden 87,2 Prozent (%) der Rapsflächen, 72,1 % der Körnerleguminosen und 65,9 % der Wintergersteflächen bis zu zweimal pro Jahr mit Glyphosat behandelt. In vielen Landwirtschaftsbetrieben wird der Acker kurz vor der Aussaat mit Glyphosat unkrautfrei gespritzt. Das Gift wird auch kurz vor der Ernte ausgebracht, um die Abreifung von zum Beispiel Weizen oder Raps zu beschleunigen. Darüber hinaus kommt Glyphosat zum Einsatz, zum Beispiel auch im Obstbau, im Hausgarten, in der Forstwirtschaft, so auch beim Anbau von Weihnachtsbäumen, auf industriell genutzten Flächen und auf Bahngleisen.

Glyphosat lasse sich inzwischen nicht nur in einer Vielzahl von Lebensmitteln nachweisen, sondern auch im Blut von Städtern - sieben von zehn getesteten Berlinern hatten nach Stichproben Glyphosat im Urin. Nach einer ersten wissenschaftlichen Untersuchung findet sich Glyphosat auch in der Muttermilch. Ein Verbot ist umso dringlicher, als Glyphosat das am meisten eingesetzte Spritzmittel der Welt ist und Menschen ihm nicht ausweichen können. Zelltod, Fruchtbarkeitsstörungen sowie die Schädigung von Erbgut, Embryonen, Immun- und Nervensystem seien Folgen der Anwendung. In ländlichen Regionen Lateinamerikas hat sich wegen Glyphosat von 2000 bis 2009 die Krebsrate bei Kindern verdreifacht und die Rate von Fehlgeburten und Fehlbildungen nahezu vervierfacht.

Ein Anwendungsverbot verlange auch die EU-Gesetzgebung. Nach der EU-Pestizid-Verordnung ist die Einstufung einer Substanz als "krebserregend" ein absoluter Verbotsgrund. Gemäß dem EU-Vorsorgeprinzip müssten die Behörden selbst dann schon aktiv werden, wenn der letzte Beweis für die Gesundheitsschädlichkeit eines Stoffes noch nicht vorliegt.

Homepage: SPD-Umweltforum


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RE: SPD-Umweltexperten fordern Moratorium für Glyphosat, Ernst Gienke, (17.01.2016, 19:04 Uhr)
 
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