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Natur- und Artenschutz und die Zukunft der Landwirtschaft

Veröffentlicht am 19.03.2017, 12:34 Uhr     Druckversion

Barmstedt, 18. März 2017.

Eine lebhafte Debatte um Natur- und Artenschutz und die Zukunft der Landwirtschaft entspann sich am 18. März in der Stadthalle von Barmstedt, anlässlich des Besuches von Umweltministerin Barbara Hendriks. Die Ministerin war trotz ihres engen Terminkorsetts der Einladung von Helge Neumann (SPD) gefolgt.  Es ging um das Spannungsfeld zwischen Naturschutz, Landwirtschaft und Siedlungsbau.

Auch der Bauernverband, vertreten durch Herrn Klaus-Peter Lucht, ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen, mit der Ministerin ins Gespräch zu kommen.

„Wir haben sehr viel erreicht in der letzten Wahlperiode und sind mit gutem Grund stolz darauf, aber was hat es wirklich gebracht?“ eröffnete SPD-Landtagsabgeordnete Sandra Redmann, die  Veranstaltung mit Umweltministerin Barbara Hendriks, die den großen Saal des Barmstedter Rathauses füllte und von Wolfgang Vogel, dem Sprecher des SPD-Umweltforums moderiert wurde. Und sie beantwortete ihre Frage auch gleich selber:  „Das Artensterben konnte bisher noch nicht gestoppt werden. Das hat auch mit der Art und Weise zu tun, wie  Landwirtschaft betrieben wird.  Artenschutz geht nicht ohne Landwirtschaft. Aber Landwirtschaft geht auch nicht ohne Artenschutz.“  Dem konnte Carsten Pusch, stellvertretender Vorsitzende des NABU nur beipflichten. Weder sei der Eintrag von Stickstoff in das Grundwasser, in Oberflächengewässer und die Ostsee gestoppt worden, noch das Insekten- und Vogelsterben. 80 Prozent aller Insekten und 50 Prozent der Honigbienen seien gefährdet und neue, zusätzliche Risiken zeichneten sich ab: Die Belastung aller Gewässer durch Hormone steige ebenso an, wie die Vermüllung des Meeres und der Eintrag von Nano-Plastikpartikel in alle Umweltmedien. Der Ministerin stärkte der Naturschützer den Rücken. Er habe die Empörung der Bauern über die „Bauernregelkampagne“ nicht verstehen können. Carsten Pusch: „Der  Bauernverband  hat selber sehr aggressive Kampagnen gefahren. Dagegen war die Kampagne des Umweltministeriums geradezu harmlos.“

Klaus-Peter Lucht, Vizepräsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein, bestätigte das: „Das stimmt, wir sind nicht zimperlich und ja!  wir sind kampagnenfähig. Ich werde aber sehr empfindlich, wenn Ministerien mit öffentlichen Mitteln ein Berufsstand verunglimpfen“. Und er unterstrich: „Außerdem sind wir bereit unseren Beitrag zur Lösung der Probleme zu leisten und haben selber Vorschläge gemacht. Wir halten die gute fachliche Praxis für den richtigen Weg, ganz unabhängig von der  Betriebsgröße.  Wir brauchen Rahmenbedingungen, die uns Landwirten das wirtschaftliche Überleben sichern. Und wir sind bereit, dazu beizutragen, dass die Gewässer in Ordnung sind und die Artenvielfalt erhalten wird.“ Der Politik warf Lucht vor, mit der Förderung des Maisanbaus als Energiepflanze zur Stickstoffproblematik beigetragen zu haben.

Barbara Hendricks gab zu, dass dieser Einwand berechtigt sei. Die Politik habe Fehler gemacht. Umso wichtiger sei es jetzt, die richtigen Weichen zu stellen. Die Förderung von Biogasanlagen liefe im Übrigen jetzt aus, und sie hoffe sehr, dass die Bauernverbände nicht für eine Verlängerung dieser Förderung kämpfen würden.

Hendriks warb für eine Umschichtung von EU-Agrarsubventionen aus der ersten in die zweite Säule. Hendricks: „Mir liegt daran, dass die Landwirtschaft in Deutschland und Europa eine Zukunft hat.“ Wenn aber die Hälfte aller Einkünfte der Landwirte aus Steuermittel käme, habe die Zivilgesellschaft ein Recht darauf, dass die Landwirtschaft naturverträgliche wirtschafte. 40 Prozent des EU-Haushaltes gingen derzeit in die Landwirtschaft. Die könne man auch für andere, gemeinwohlorientiertere Zwecke einsetzen. Die Landwirtschaft dürfe in Zukunft nur noch für Tätigkeiten bezahlt werden, die dem Gemeinwohl dienten. Ein solches System sei  ohne großen Bürokratie möglich und es könne – z. B. als ein Punktesystem -  flexibel auf die naturräumlichen Bedingungen und die persönlichen Präferenzen der Landwirte eingehen.

Die Ministerin hatte zuvor in ihrer Rede bereits darauf hingewiesen, dass die  Natur die Grundlage für alle Aspekte unseres Lebens sei. Die Leistungen der Natur würden in den Preisen für Nahrungsmittel, Wasser und anderen Gütern und in den Unternehmensbilanzen nicht berücksichtigt. Außerdem würden wir immer vergessen, dass wir selber, der Mensch, Teil der Natur ist. Die Ministerin gab zu, dass der Naturschutz manchmal instrumentalisiert werde, um Vorhaben zu verhindern: „Natürlich gibt es das: Bürgerinnen wollen eine Planung nicht und haben dann den besonderen Käfer gesucht und gefunden.“ Tatsächlich lege es selten aber nur am Naturschutz, wenn Projekte länger dauern oder teurer würden.“ Und auch sie warnte: „Die Lage im Naturschutz ist ernst. 5% der Arten sind ausgestorben  und fast 30% aller Arten gefährdet.“ Und sie ging auch auf den Klimawandel ein: „Wir haben mit unserer Wirtschafts- und Lebensweise den Klimawandel zwar verursacht sind aber von den Folgen – wegen unseres vergleichsweisen milden Klimas, weiter weniger Betroffen als viele arme Regionen des Südens, die den Klimawandel nicht zu verantworten haben.“ Auch Deutschland werde den Klimawandel zu spüren bekommen. Die Zahl der Wetteranomalien werde zunehmen. Und wegen der steigenden Zahl an Hitzetagen, seien naturnahe Flächen und Grünflächen in den Städten in Zukunft noch wichtiger als heute.

Michael Packschieß, Leiter der Naturschutzabteilung der Stadt Eckernförde und das Bündnis "Kommunen für biologische Vielfalt e.V."  (www.kommbio.de) vor. Ein  Zusammenschluss von im Naturschutz engagierten Kommunen. Er sprach die Nutzungskonflikte zwischen Naturschutz und Bauen an. Er beklagte, dass der Flächenverbrauch nicht gestoppt werden könne.

Die Kommunen fänden immer wieder Vorwände um am Ende doch wieder Flächen zu überbauen. Früher habe es zunächst Grünordnungspläne und Landschaftspläne gegeben, und dann seien Bebauungspläne erstellt worden. Heute sei es umgekehrt: Erst würden die Baugebiete ausgewiesen und dann würden Ausgleichsmaßnahmen gesucht. Da aber immer weniger Ausgleichsflächen zu Verfügung stünden, müssten immer weniger „Intensiv-Ausgleichsflächen“ dies alles kompensieren. das sei aber schlechterdings nicht möglich. Pakschies warb für die „Kleine Wildnis“ von nebenan und dafür mehr Flächen sich selber zu überlassen, ohne diese dann über teure Evaluationen zu begleitforschen. Man wisse inzwischen, dass die Natur dort, wo man sie sich selber überlasse, zurückkomme. Dafür gebe es viele erstaunliche Beispiele. Die kleine Wildnis von nebenan sei wichtig, damit Kinder Natur selber erleben könnten und nicht  nur im Fernsehen. Unser aller Naturferne sei inzwischen erschreckend. 

Diese Beachtung wurde von Carsten Pusch noch einmal verstärkt. Es gebe immer weniger Menschen, die Tier und Pflanzenarten bestimmen könnten. Selbst an den Universitäten könnten jetzt mehr Studenten Gene sequenzieren als Wiesenpflanzen bestimmen. Er forderte die Bestimmung von Arten wieder im Schulunterricht und an den Universitäten ernst zu nehmen. Ohne mehr Wissen und Verständnis für die Wirkungsweise, Schönheit und die Zusammenhänge der Natur habe es der Naturschutz schwer.

Eckard Kuhlwein, Geschäftsführer des SPD Umweltforums nutzte das Schlusswort für ein Bekenntnis zum Leitbild der Nachhaltigkeit: Heute lebende Generationen hätten nicht das Recht, ihre Bedürfnisse auf eine Art und Weise zu befrieden, dass die gleichen Rechte nachfolgender Generationen beschnitten würden.

(c) Text und Bild :Christine Ax

 

Homepage: SPD-Umweltforum


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