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Wir in Melsdorf

 

Die Reihe "Wir in Melsdorf" startet mit:

Dr. Detlef Ufert, 62 Jahre, verheitratet, 3 Kinder:

Sie sind seit vielen Jahren aktiv in Melsdorf. Sie arbeiten seit seit langem in der Gemeindevertretung mit, waren Bürgermeister, Mitglied des Kreistages und sind Amtsvorsteher des Amtes Achterwehr. Viele Menschen finden Kommunalpolitik kleinteilig und unbedeutend. Was hat Sie dazu bewegt, sich vor Ort zu engagieren?

Ich kann gut nachvollziehen, dass man Kommunalpolitik als nicht so wichtig ansehen kann. Andererseits ist gerade das die Ebene, wo jeder direkt Einfluß nehmen kann auf Dinge, die ihn unmittelbar betreffen, sei es Kindergarten, Schule, Sport, Senioren, also die Infrastruktur des Ortes oder auch die Weiterentwicklung einer Kommune. Neben der Frage, ob eine Laterne hierhin oder dorthin kommt, gibt es also in einer Gemeinde auch viele Punkte, die durchaus interessant sind. Als wir 1983 nach Melsdorf gezogen sind, wollte ich mich aktiv beteiligen und mit gestalten. Ich hatte einfach das Gefühl, dass man neben Familie und Beruf sich auch für die Gemeinschaft engagieren sollte, in der man lebt. Gleichzeitig habe ich in dieser Zeit selbst viele neue Erfahrungen gewonnen und viele Menschen kennen gelernt, die ich sonst wahrscheinlich nie getroffen hätte. Kommunalpolitik ist also auch für mich persönlich durchaus eine Bereicherung.

Was hat Sie in den vielen Jahren Kommunalpolitik am meisten berührt?

Schwer zu sagen. Ich glaube, die Eröffnung unseres zweisprachigen Kindergartens, weil mir das ein besonderes persönliches Anliegen war. In meinem beruflichen Werdegang habe ich mich ja anfangs besonders mit der sprachlichen Entwicklung von Kindern befasst und darüber promoviert, wie deutsche Kinder ohne formalen Unterricht Englisch als zweite Sprache erwerben. Ich denke, es ist ein großes Geschenk, wenn Kinder mehrsprachig aufwachsen können. Bilinguale Kindergärten, in denen eine zweite Sprache von Muttersprachlern gesprochen wird, sind daher eine Möglichkeit, ganz natürlich in eine zweite Sprache hinein zu wachsen. Das ist auf jeden Fall eine große Bereicherung für die Kinder. Insofern bin ich froh, dass es uns gelungen ist, dieses Konzept in Melsdorf zu etablieren.

Worauf sind Sie, wenn Sie zurückblicken stolz?

Stolz ist nicht hier das richtige Wort, es gibt ja in der Kommunalpolitik kaum etwas, was man als Einzelner durchsetzt. Das ist auch nicht meine Art. Man freut sich, wenn man etwas verwirklichen kann, von dem man überzeugt ist. Dabei ist es natürlich immer erforderlich, eine entsprechende Mehrheit in der Gemeindevertretung zu finden. Also stolz: nein, aber ich freue mich über den gerade erwähnten zweisprachigen Kindergarten und das Bürgerhaus. Das sind glaube ich die wesentlichen Dinge.

Wie können Sie Ihr Engagement mit Familie und Beruf unter einen Hut bringen?

Das geht jetzt, da die Kinder aus dem Haus sind, natürlich einfacher als vorher. Da meine Frau aber auch schon immer sehr stark ehrenamtlich engagiert ist in Kirche und therapeutischen Organisationen, hatten wir hier meistens eine ausgeglichene Bilanz, wobei die Zeit, in der ich Bürgermeister war, schon mehr Einsatz forderte. Aber ein solches Engagement geht nur, wenn die Familie das mit trägt und bisher hat das bei uns gut geklappt.

Sie leben seit fast 30 Jahren in Melsdorf. Sie haben in der Schneiderkoppel ein Haus gebaut, ihre Kinder sind hier groß geworden.

Wenn Sie sich Melsdorf in 20 Jahren vorstellen, was sehen Sie?

20 Jahre ist ein langer Zeitraum, das wäre 2033. Ich bin kein Prophet, aber wenn es schon um Visionen geht: Melsdorf wird sich bemühen müssen eine eigenständige Gemeinde zu bleiben und die bisherige Infrastruktur zu erhalten und auszubauen. Die demographische Entwicklung mit immer weniger Kindern und immer mehr Senioren wird auch kommunalpolitisch stärker zu berücksichtigen sein. Wir sehen zudem, dass die Tendenz dahin geht, größere Verwaltungseinheiten zu schaffen und dass die Städte wachsen. Melsdorf wird aus diesen Gründen in 20 Jahren sicher anders aussehen als jetzt. Das wird eine Herausforderung und wenn man darüber nachdenkt, wird auch klar, dass es wichtig ist, sich über diese Prozesse Gedanken zu machen, das heisst nicht nur zu reagieren, sondern aktiv zu planen und zu gestalten. Es wird ein neues Gewerbegebiet an der Autobahnabfahrt enstehen, wir müssen, wenn wir Kindergarten und Schule erhalten wollen, dafür sorgen, dass in Melsdorf mehr Familien mit Kindern wohnen – und wir mehr für diese Familien oder auch Alleinerziehende mit Kindern tun - , sicher müssen wir auch über Neubaugebiete nachdenken. In 20 Jahren wird die Verknüpfung mit Kiel viel enger sein als jetzt, das wird sich gar nicht vermeiden lassen und hat auch Chancen.

Haben Sie einen Lieblingsplatz in Melsdorf? Einen Geheimtipp?

Nein, der fehlt noch. Aber ich fahre ja viel mit dem Fahrrad und da genieße ich es, dass man soviel in schöner Umgebung fahren kann, egal ob Kählenweg, Karkkamp oder Richtung Westensee.

Erlauben Sie mir, ein paar persönliche Fragen.

Gibt es eine Person in der Geschichte, die Sie bewundern?

Mahatma Gandhi mit seiner Gewaltlosigkeit, seinem Streben nach Wahrheit und seinem asketischen Leben. Bei einem Besuch in Südafrika letztes Jahr wurde mir erst klar, dass er sich nicht nur in Indien sehr für seine Überzeugungen eingesetzt hat, sondern sich auch in Südafrika viele Jahre für Gleichberechtigung engagiert hat.

Und welche historische Persönlichkeit verachten Sie?

Hitler.

Wem würden Sie gerne einmal persönlich begegnen?

Isabelle Huppert, eine interessante Schauspielerin.

Wie sieht Ihr Traum vom Glück aus?

Was ist Glück? In der amerikanischen Verfassung ist das ‚Streben nach Glück’ sogar als individuelles Freiheitsrecht verankert. Vielleicht noch am ehesten: eine glückliche Beziehung, dass der Beruf gleichzeitig Berufung ist, Freundschaften und Einbindung in die Gemeinschaft, in der man lebt. Also nicht unbedingt viel Geld und Palmenstrand, obwohl das auch nicht zu verachten ist.

Was ist für Sie das größte Unglück?

Der Verlust eines nahem Angehörigen

Welche Eigenschaft mögen Sie an sich überhaupt nicht?

Mein Schreibtisch sieht oft ziemlich chaotisch aus, überall stapeln sich Papiere. Ich spreche von kreativem Chaos, andere halten das für Unordnung.

Gibt es eine Gabe, die Sie gerne besäßen?

Vielleicht etwas besser im SmallTalk zu sein, ich bin immer sehr faktenorientiert.

Wie haben Sie das diesjährige Weihnachtsfest verbracht?

Im Kreise der Familie, mit unseren drei Töchtern, die in Garmisch, Berlin und Hamburg wohnen und den zwei Enkelkindern.

Vielen Dank für Ihre Geduld und die interessanten Antworten.

Die Fragen stellte Bernhard Wax