Die SPD muss jetzt handeln,oder sie geht unter
geschrieben von trahn am 09.11.2017, 20:08 Uhr


Die SPD hat nur dann eine Zukunft, wenn sie sich öffnet, auf die Menschen zugeht, Beteiligung ermöglicht und so ihre gesellschaftliche Verankerung stärkt. Ein Debattenbeitrag von „DeineSPD“-Chef Björn Uhde.



 Falls es noch niemand gemerkt haben sollte: die Zeiten ändern sich. Und zwar nicht erst seit gestern, sondern schon eine Weile lang. Die Wahlergebnisse sprechen eine deutliche Sprache. Konsequenzen daraus? Erschreckend wenige. Eine noch linkere Ausrichtung, ein neues Grundsatzprogramm und Schulungen für verbliebene Mitglieder werden gefordert. Ansonsten bleibt man beim Thema „Gerechtigkeit“ – zwei Wahlniederlagen mit genau diesem Thema in relativ kurzer Folge scheinen noch nicht gereicht zu haben. Parteiarbeit muss erlebbar sein  #SPDerneuern geht anders. Parteien leben vom Engagement vor Ort und vom Vertrauen der Menschen. Wenn uns Strukturen abhanden kommen und damit Menschen, von deren Engagement und gesellschaftlichen Verbindungen wir Sozialdemokraten leben und nicht mehr genügend Leute vor Ort Wahlkämpfe machen, dann müssen wir attraktive, neue und offene Mitwirkungsmöglichkeiten auf allen Ebenen schaffen – analog wie digital. Ansonsten sägen wir mit Nachdruck an dem Ast, auf dem wir sitzen und der uns in der Gesellschaft verankert. Diese Mitwirkung muss konkret sein. Wer Parteiarbeit für viele gut erreichbar macht, der zeigt, dass er verstanden hat und den Menschen mit neuen Ideen wieder in den Mittelpunkt rückt. Das wird sich auszahlen. Weg mit der Behörden-Mentalität! Ortsvereine sind oft mehr Verein als dass sie im Ort stattfinden. Man trifft sich allzu oft mit altbekannten, langjährigen Weggefährten – neue Gesichter haben es schwer, Anschluss zu finden. Die SPD muss raus in die Öffentlichkeit und Bestandteil des Alltags der Menschen werden. Die übergeordnete Ebene, Kreisverbände und Unterbezirke, erlebt man oft als kleine Behörden mit undurchsichtigen „Abteilungen“ – lang untereinander bekannte persönliche Beziehungen inklusive eines umfangreichen Regelwerks offensichtlicher und versteckter, aber stets einzuhaltender Verfahrenswege. So kann es sein, dass die eigene Idee erst dann behandelt wird, wenn vorab alle Fragen nach dem „Wer hat das in welchem Tonfall mit welcher Absicht wann wem vorgeschlagen?“ positiv beantwortet werden. Das hat den Charme einer Jagd nach dem berühmten Passierschein A38. Ob wir uns das noch leisten können? Ich bezweifle es. Verführerisch wirkt es nicht. Vertrauen aufbauen und wiedergewinnen Analog und digital müssen wir auf der ersten Ebene, wo Bürger mit der SPD in Kontakt kommen, vielfältige, ansprechende Mitwirkungsmöglichkeiten bieten. Das garniert mit einem offenen Ohr für jedermann hilft, schlagkräftiger zu werden. Die weitaus größere Aufgabe steht uns nach außen bevor: Wir müssen Vertrauen aufbauen und verlorenes wiedergewinnen. Das wird kein 100-Meter-Lauf und auch kein professionell geplanter Hochglanzwahlkampf, den man in sechs Monaten durchzieht und den wir jetzt dreieinhalb Jahre konzipieren könnten. Es wird ein Marathon. SPD - eine Partei zum Ansprechen Es ist wirkliche Öffentlichkeitsarbeit. Arbeit mit und für die Öffentlichkeit. Die SPD muss erfahrbar werden für die Menschen – im täglichen Leben. Als Ansprechpartner, als Stammtisch, mit Büros in Stadtteilen, mit Veranstaltungen und Mitgliedern, die in Vereine vor Ort hineinwirken. Höchstwahrscheinlich auch mit guter, witziger und hochwertiger Werbung. Die SPD muss mit jeder Faser als offene, auf Austausch ausgelegte Partei in Erscheinung treten – und zwar da, wo es sozialdemokratische Selbstverständlichkeit ist und wo man uns auch lange Jahre erwartet hat: nicht zuvorderst in Vorstandsetagen und akademischen Zirkeln, sondern beispielsweise in sozialen Brennpunkten. Wir müssen zum Anwalt der Leute werden, Ängsten zuhören und für jedermann erreichbar sein, eben: durch und durch Volkspartei sein. Wir müssen weg vom Image einer beinharten, unsozialen SPD wie sie noch immer in vielen Köpfen herumspukt – hin zu einer den Menschen zugewandten, stets gesprächsbereiten, sozialen Partei. Mit Persönlichkeiten und Köpfen voller Charakter – nicht nur an der Spitze, sondern überall. Klüngelrunden müssen der Vergangenheit angehören. Jetzt handeln - oder untergehen Das Soziale ist unser Kompass, und das muss in Gesprächen, Inhalten und Personen auch mehr als deutlich werden. Es ist unsere DNA – so wie bei den Freidemokraten es „Freiheit“ ist. Wer mit uns spricht, muss stets das Gefühl bekommen: Hier geht es ums Soziale. Wir sollten zugeben, dass das Wasser um uns herum gestiegen ist und akzeptieren, dass wir bald bis auf die Knochen durchnässt sind. Wenn unsere Zeit uns etwas wert ist, sollten wir jetzt anfangen, zu schwimmen – oder wir werden wie ein Stein sinken. Die Zeiten ändern sich.



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