SPD Schacht-Audorf

Ortsverein zwischen 1919 und 1933

Der SPD-Ortsverein Schacht-Audorf von 1919 bis 1933



Das genaue Gr├╝ndungsdatum des SPD-Ortsvereins und "Umgebung" konnte nicht genau festgestellt werden, da im Ortsverein keine schriftlichen Vermerke dar├╝ber existieren. Es ist jedoch anzunehmen, da├č die Gr├╝ndung im Fr├╝hjahr 1919 erfolgte, darauf l├Ą├čt jedenfalls eine Anzeige in der Rendsburger Zeitung vom 11.04.1919 schlie├čen.

Die Gemeinderatswahl am 02.03.1919 war dann ein gro├čer Erfolg f├╝r den jungen Ortsverein; man errang 6 von 9 Mandaten. Zum Gemeindevorsteher wurde der Schumachermeister Heinrich L├╝thje (SPD) gew├Ąhlt.

Bereits im Gr├╝ndungsjahr wurde gem├Ą├č der alten Tradition der deutschen Sozialdemokratie der 1. Mai als Tag der Arbeit geb├╝hrend gefeiert. Der Festumzug f├╝hrte auch durch das benachbarte Sch├╝lldorf. Anschlie├čend fand ein Kindertanz statt. Der Gedenktag endete mit einem "Ball" in den S├Ąlen von "H├╝tten-Gasthof" und "Zur sch├Ânen Aussicht". Diese Tradition pflegte man in Schacht-Audorf viele Jahre.

Bereits am 29. Juni 1919 veranstaltete der Ortsverein wieder ein gro├čes Dorffest. Nach einem Festumzug mit zwei Musikkapellen durch das mit Fahnen und Girlanden geschm├╝ckte Dorf wurde auf dem Platz vor dem jetzigen Sportplatz die SPD-Parteifahne geweiht. Der Festball am Abend fand auf allen drei Schacht-Audorfer S├Ąlen statt.

Auch der "Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold", den man als eine Nebenorganisation der SPD betrachten kann, hatte in Schacht-Audorf eine eigene Ortsgruppe.

Ein wichtiges Datum ist der 1. M├Ąrz 1920, an diesem Tag gr├╝ndeten die Schacht-Audorfer Genossen die Arbeiterwohlfahrt.

In der Zeit von 1919 bis 1926 entwickelte sich Schacht-Audorf zu einer Industriegemeinde. Die Eisenh├╝tte soll zu einem modernen Stahl- und Walzwerk ausgebaut werden. Gro├če Fabrikschornsteine ragen in den Himmel, die Walzstra├čen und die Martins├Âfen sollen modernisiert werden. Weitere Industrien, wie die Firmen Philipp Holzmann und R├╝tgerswerke, sowie eine Abwrackfirma f├╝r ehemalige Kriegsschiffe siedeln sich in unserem Ort an. Diese Entwicklung ver├Ąnderte das gesamte Dorf. Stra├čen wurden befestigt und neue angelegt; f├╝r die Facharbeiterfamilien baute man neue Wohnh├Ąuser. Die Schule erhielt neue Unterrichtsr├Ąume.

Im September des Jahres 1926 kam dann der "Schwarze Freitag" f├╝r Schacht-Audorf. Die Rombach H├╝tte als Eigent├╝mer der Eisenh├╝tte Holstein hatte die Anweisung erlassen, das Werk in Schacht-Audorf wegen der "Unrentabilit├Ąt" sofort stillzulegen und abzubrechen. Damit waren auf einen Schlag etwa 600 Besch├Ąftigte arbeitslos.

Ausgehend von dieser Situation gr├╝ndete der Kreistag die Kreissiedlungsgemeinschaft. Der Gemeindevorsteher Heinrich L├╝thje (SPD) und der Ortsvereinsvorsitzende der SPD, Zimmermann Ludwig Onken, geh├Ârten dem Kreistag an und waren Gr├╝ndungsmitglieder dieser Gesellschaft. Sie setzten sich daf├╝r ein, da├č ca. 40 ha Industrie- und Bauland sowie etwa 40 Wohnh├Ąuser aus dem Nachla├č der H├╝tte gekauft wurden. Die Bestrebungen, Ersatzarbeitspl├Ątze zu schaffen, waren nicht sehr erfolgreich. Die Ansiedlung eines g├Ąrtnerischen Lehr- und Versuchsbetriebes sowie die Einrichtung einer Siedlerschule waren z.B. Versuche, die aber nicht die in sie gesetzten Erwartungen erf├╝llten. Obwohl die finanziellen Verh├Ąltnisse in der Gemeinde jetzt schlecht waren, gelang es den Kommunalvertretern, die Mittel f├╝r einen Schulneubau mit Turnhalle aufzubringen. Zur selben Zeit wurde der Sportplatz neben der Schule von den Mitgliedern des "Arbeiter- Turn und Sportbundes Vineta" hergerichtet.

Verfolgt man die Wahlergebnisse von 1919 bis 1933 in Schacht-Audorf, so kann man feststellen, da├č in allen Wahlen die Sozialdemokraten die meisten Stimmen erhielten, ausgenommen die Gemeindewahl am 17.11.1929. Hierzu mu├č man beachten, da├č der Gemeindevorsteher H. L├╝thje nicht mehr f├╝r die SPD kandidierte, sondern Spitzenkandidat des Kommunalvereins war. Die Gr├╝nde f├╝r seinen Parteiwechsel sind nicht bekannt. Da der Kommunalverein die meisten Stimmen erhielt, blieb H. L├╝thje in seinem Amt. Auch nach der Wahl im Jahre 1933 behielt er diese Funktion, verstarb aber noch im gleichen Jahr infolge eines "Ungl├╝cks" im Sch├╝lldorfer See. Sein Nachfolger wurde der Amtsvorsteher Gustav Harden (NSDAP). Zu dieser Zeit waren schon keine Sozialdemokraten mehr in der Gemeindvertretung, da die SPD von den Nazis am 22.06.1933 verboten worden war.

┬ę Ortsverein der SPD Schacht-Audorf, Dr. Harald Wiese.

Unser besonderer Dank gilt Heinz F├Âllscher und Heinz Baumann.
Anregungen und Erg├Ąnzungen bitte an: <Eckard Reese (E-mail: info@spd-schacht-audorf.de)


 

 
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