SPD Schacht-Audorf

Ortsverein zwischen 1945 und 1989

Der SPD-Ortsverein Schacht-Audorf von 1945 bis 1989



Als 1945 das Nazi-Regime zusmmenbrach und das englische Milit├Ąr in unser Dorf einr├╝ckte, leistete niemand Widerstand. "Wie wird es weitergehen?", das war die brennende Frage. Die Raumnot war gro├č, denn der Zustrom von Evakuierten und Fl├╝chtlingen hatte die Einwohnerzahl hochschnellen lassen. An Essen und Trinken mangelte es sehr, zu heizen gab es kaum noch etwas.

In dieser schwierigen Situation setzte die englische Besatzung den ehemaligen KZ-H├Ąftling Ludwig Onken als kommissarischen B├╝rgermeister ein. Am 01.12.1945 trafen sich 8 Sozialdemokraten und sorgten daf├╝r, da├č am 20.02.1946 die erste Parteiversammlung nach dem Krieg stattfinden konnte. Zum Vorsitzenden w├Ąhlten die SPD- Mitlglieder den amtierenden B├╝rgermeister.

Einen gro├čen Erfolg errang die Partei bei der Kommunalwahl am 15.09.1946; 6 von 12 Gemeindevertretern waren Genossen und somit wurde der SPD- B├╝rgermeister in seinem Amt best├Ątigt. In den h├Ąufigen Fraktionssitzungen und Parteiversammlungen der nachfolgenden Zeit setzte man sich sehr intensiv und pragmatisch mit den anstehenden Problemen der Nachkriegszeit auseinander.

Die Mitgliederzahl stieg st├Ąndig an und erreichte die beachtliche Zahl von 245 im Jahre 1947, sie fiel dann auf 197, als im selben Jahr in Ostenfeld und Bredenbek eigenen Ortsgruppen gegr├╝ndet wurden. Ein heftiger Wahlkampf entbrannte in Schacht-Audorf, als 1948 erneut eine Kommunalwahl anstand.

Das Ringen um die Gunst der Wahler mobilisierte gro├če Kr├úfte und erreichte einen Stil, der nicht nachahmenswert war. Das Ergebnis der Wahl war dann ein herber R├╝ckschlag f├╝r die Partei, die Auswirkungen dauerten noch Jahre an. In den Gemeinderat zogen nur noch 4 SPD- Abgeordnete, die anderen 6 stellte die CDU. Diese Niederlage hatte auch zur Folge, da├č sich die Parteiaustritte h├úuften, so da├č dem Ortsverein im Jahre 1950 nur noch 136 Genossen angeh├Árten. Auch innerhalb des Vorstandes war eine rege Fluktuation zu verzeichnen. Wie gereizt die Stimmung im Gemeinderat gewesen sein mu├č, kann man an der folgenden Begebenheit ahnen. Am 06.07.1949 stellte die CDU-Fraktion den Antrag, den Genossen Onken aus s├Ąmtlichen Kommissionen und Aussch├╝ssen abzuberufen, da er nicht mehr ihr Vertrauen geno├č. Mit 5 zu 4 Stimmen wurde dann der Beschlu├č gefa├čt, worauf die SPD-Fraktion die Gemeinderatssitzung verlie├č.

Als dann die rechtliche M├Âglichkeit vorhanden war, da├č Schacht-Audorf einen hauptamtlichen B├╝rgermeister erhalten konnte, war diese Angelegenheit ein Tagesordnungspunkt auf der Gemeinderatssitzung vom 21.04.1950. Die SPD-Fraktion vertrat die Auffassung, da├č unser Dorf auch weiterhin ehrenamtlich regiert werden k├Ânne. Sie konnte es aber nicht verhindern, da├č die CDU mit ihrer Mehrheit Johannes Haagen zum 1. hauptamtlichen B├╝rgermeister in Schacht-Audorf f├╝r die Dauer von 12 Jahren w├Ąhlte.

Das gespannte Verh├Ąltnis zwischen den beiden Fraktionen blieb bestehen, aber dennoch wurden fast alle Beschl├╝sse einstimmig verabschiedet. So war man sich z.B. einig ├╝ber die Notwendigkeit eines Schulneubaus; strittig war nur, an welcher Stelle die neuen Klassenr├Ąume entstehen sollten. Die SPD-Fraktion w├╝nschte "den Neubau als repr├Ąsentatives Geb├Ąude nicht im Hintergrund hinter dem schon vorhandenen Geb├Ąude, sondern im Vordergrund, so da├č auch jeder Steuerzahler der Gemeinde mit Stolz auf diesen Neubau an der Hauptstra├če in Bekannten- und Freundeskreisen hinweisen k├Ânne".

Aus organisatorischen Gr├╝nden wurden bereits f├╝r 1951 neue Kommunalwahlen festgesetzt. Dieses Mal wurde unser Dorf in drei Wahlbezirke geteilt: Nord, Mitte und S├╝d. Bis dahin gab es die Einteilung Schacht und Audorf. Auch die Anzahl der zu w├Ąhlenden Gemeindevertreter ├Ąnderte sich, 17 Mandate waren zu vergeben. Die CDU stellte keine eigene Liste auf, ihre Interessen sah sie durch die Kandidaten der "Kommunalen W├Ąhler-Gemeinschaft Rendsburg" (KWR) vertreten. Als am 29.04.1951 die Stimmen ausgez├Ąhlt wurden, ergab sich folgende Sitzverteilung: KWR 9 Sitze, SPD 4 Sitze, BHE 4 Sitze. Gemeinsam mit dem BHE bildete die SPD eine Koalition, die aber nur ein Jahr bestand.

Zu einem Disput kam es in dieser Legislaturperiode zwischen dem B├╝rgermeister Haagen (CDU) und der Gemeindevertretung. Das Ergebnis der Auseinandersetzungen war 1952 die Abwahl des hauptamtlichen B├╝rgermeisters und die Wahl des Schneidermeisters Johann G├Âttsche (KWR) zum ehrenamtlichen B├╝rgermeister.

Als die Parteifinanzen einigerma├čen konsolidiert waren, beschlo├č der Vorstand, f├╝r ca. 200,-- DM eine neue Parteifahne zu beschaffen. Die Fahnenweihe wurde zu einem gro├čen Dorffest ausgestattet. Bereits am Sonnabend fanden Spiele und Vortr├Ąge f├╝r die Jugend statt. Am Sonntagvormittag spielten die "Falken" und "Naturfreunde" gegeneinander Handball. Unter Mitwirkung des M├Ąnnergesangvereins "Frohsinn" fand dann am 31.08.1952 um 14.00 Uhr die Fahnenweihe auf dem Sportplatz statt. Die Festrede hielt der Ministerpr├Ąsident i.R. Hermann L├╝demann. Nach einem Festumzug durch unser Dorf gab es noch ein Fu├čballspiel und am Abend klang das Fest mit einem Tanzvergn├╝gen auf beiden S├Ąlen aus.

In den f├╝nfziger Jahren sind die sonstigen Aktivit├Ąten des Ortsvereins nicht sonderlich gro├č. In den Parteiprotokollen ist zu lesen, da├č man sich um eine "Frauenwerbung" bem├╝hen will, sich f├╝r eine "saubere Propaganda" einsetzt und "die Propaganda von Mann zu Mann und von Familie zu Familie k├Ânnte unter Umst├Ąnden n├╝tzlicher sein als eine ├Âffentliche Versammlung". Da├č man die Politik auch mit Humor betreiben kann, zeigen die nachfolgenden Verse, die der ehemalige 2. Vorsitzende unseres Ortsvereins und ├╝ber mehrere Jahre hinaus als erster stellvertretender B├╝rgermeister t├Ątige Genosse Otto Rave verfa├čte.

Ein Lied zum Lobe des Ortsvereins der S P D Schacht-Audorf

Mitgliederwerbung
Wenn Du willst auch politisch sein, geh in die SPD hinein.
Dabei verf├Ąhrst Du gar nicht schlecht. Dort wird gek├Ąmpft ums Menschenrecht.
Der Einsatz lohnet schon das Ziel.
Die Freiheit steht f├╝r uns aufs Spiel.
Ein jeder hats als Ideal.
Der Sieg ist unser allemal.
Doch dieses sei es nicht allein.
Gem├╝tlichkeit herrscht im Verein.
Humor und auch Geselligkeit.
Das wird gepflegt dort allezeit.
Drum trete ein in unsre Reih′n.
Es k├Ąmpft sich besser als allein.
Denn Kampf gew├╝rzt mit Humor
Der findet kein verschlossenes Tor.

Eine Kuriosit├Ąt ereignete sich auf der Jahreshauptversammlung am 13.01.1953. An diesem Tag ernannte man den Genossen L. Onken zum 2. Mal zum Ehrenvorsitzenden des Ortsvereins. Am 10.08.1948 hatte man ihm schon einmal diese Ehre erwiesen. Nachdem Bruno Wolter zehn Jahre das Amt des Vorsitzenden innehatte, w├Ąhlte auch ihn die Mitgliederversammlung 1964 zum Ehrenvorsitzenden. Da der Parteivorstand in mehreren Jahren geschlossen wiedergew├Ąhlt wurde, beschlo├č man 1960, die Amtszeit auf zwei Jahre zu verl├Ąngern.

Obgleich die Parteiarbeit nicht sonderlich vorangetrieben wurde, zeigten die Ergebnisse der Kommunalwahlen eine leicht ansteigende Tendenz. 1955 hatte die KWR/BHE-Fraktion 9 Vertreter, der SHB entsandte 3 Gemeindevertreter und die SPD war mit 5 Genossen vertreten. Etwas besser war das Resultat 1959: 8 Sitze f├╝r die CDU, 2 Sitze f├╝r den SHB, einen f├╝r GB/BHE und 6 Sitze f├╝r die SPD. Auf 7 Sitze kam die SPD nach den Gemeinderatswahlen von 1962; die KWG erreichte 8 Sitze und je ein Mandat erhielten die GDP und der SHB.

Mehr B├╝rgern├Ąhe und B├╝rgerbeteiligung war das Motto unseres Ortsvereins in den sechziger Jahren. So veranstaltete man ab 1960 jeden ersten Freitag im Monat ein B├╝rgergespr├Ąch unter dem Motto: "B├╝rger fragen - SPD-Gemeindevertreter antworten". Auch die Arbeiterwohlfahrt erwachte aus ihrem Dornr├Âschenschlaf. Ihre Aktivit├Ąten f├╝hrten zur Gr├╝ndung des "Altenclubs" und zur Einrichtung einer Sozialstation, der ersten in Schleswig-Holstein. Als dann Ende 1965 Gerhard Wendel zum ersten Mal zum SPD-Ortsvereinsvorsitzenden gew├Ąhlt wurde, hatte er einen guten Start. Bei der Kommunalwahl am 24. M├Ąrz 1966 erhielt unsere Partei mit 56 % die absolute Mehrheit, alle neun Direktmandate gingen an die SPD. Die n├Ąchste ├ťberraschung war die Wahl von Brunhild Wendel zur B├╝rgermeisterin von Schacht-Audorf. Da├č man es einer Frau ├╝berlie├č, die Geschicke der Gemeinde zu lenken, hat in der SPD nicht so viel Aufsehen erregt wie bei manchen B├╝rgern. Bereits 1946 und 1948 standen Frauen bei dem SPD-Ortsverein auf den Kandidatenlisten f├╝r die Kommunalwahlen und arbeiteten im Vorstand mit. So konnte z.B. Ruth Borkowski 1965 auf eine zehn Jahre lange Arbeit als Frauenreferentin zur├╝ckblicken. Heute sind etwa 44 % unserer Mitglieder Frauen.

Sehr bald merkten unsere B├╝rger, da├č sie mit Brunhild Wendel eine Frau zum "Gemeindeoberhaupt" berufen hatten, die voll ihren Mann stand. Mit gro├čer Vitalit├Ąt und mit Engagement ist sie bis 1992 als B├╝rgermeisterin, Schulverbandsvorsteherin und Kreistagsabgeordnete t├Ątig gewesen. Dem Landtag geh├Ârte sie von 1971 - 1983 an. Daneben hatte Brunhild Wendel noch mehrere wichtige Funktionen innerhalb der Partei auf Kreisebene und in anderen Organisationen inne. Ihre Erfolge und Schaffenskraft waren so gro├č, da├č sie sehr bald mehrfach ausgezeichnet wurde. Erw├Ąhnt seien hier nur die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes 2. und 1. Klasse sowie die ├ťberreichung der "Freiherr-vom-SteinMedaille".

Durch den gro├čen Informationsgrad, den Brunhild Wendel, bedingt durch ihre vielen Aktivit├Ąten, erreichte und auch an die SPD-Fraktion weiterleitete, ergab sich eine wirkungsvolle Arbeit f├╝r unsere Gemeinde. Die B├╝rgermeisterin schrieb mindestens einmal im Jahr einen Informationsbrief an die B├╝rger. Sie lud zu offiziellen B├╝rgerversammlungen ein, in denen die B├╝rger ihre ├ärgernisse, aber auch Anregungen, vortragen konnten. In Anliegerversammlungen wurde mit den B├╝rgern ├╝ber anstehende Erschlie├čungsma├čnahmen diskutiert, bevor dar├╝ber im Gemeinderat Beschl├╝sse gefa├čt wurden.

Das wachsende Vertrauen der B├╝rger dr├╝ckte sich aus in st├Ąndig steigenden W├Ąhlerstimmen f├╝r die SPD. Ein fast "traumhaftes" Ergebnis brachten die Kommunalwahlen 1986. Mehr als 67 % der abgegebenen Stimmen erhielt die SPD, das bedeutete, da├č 12 von 17 Gemeindevertretern der SPD-Fraktion angeh├Ârten.

Im Jubil├Ąumsjahr 1989 (70 Jahre SPD- Ortsverein Schacht-Audorf) z├Ąhlte der SPD-Ortsverein ├╝ber 160 Mitglieder.

┬ę Ortsverein der SPD Schacht-Audorf, Dr. Harald Wiese.

Unser besonderer Dank gilt Heinz F├Âllscher und Heinz Baumann.
Anregungen und Erg├Ąnzungen bitte an: Eckard Reese (E-mail: info@spd-schacht-audorf.de)


 

 
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