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Hajo Koglin

 

 

Hajo Koglin
Leiter des Musikzugs der Freiwilligen Feuerwehr Berkenthin-Krummesse

 

Zwei junge Frauen in Feuerwehruniform springen mit einem beherzten Satz auf die Bühne im Berkenthiner Sportzentrum und stellen ihre Instrumentenkoffer ab. Ihnen folgt, ebenfalls in Uniform, ein älterer Herr mit der großen Trommel für das Schlagzeug. Innerhalb kurzer Zeit ist die Bühne vollgestellt mit Stühlen, Notenständern, Musikinstrumenten und mehr als 20 Musiker warten auf ihren Einsatz. Der Feuerwehrmusikzug Berkenthin – Krummesse spielt an diesem Abend zur Eröffnung der Abschlussveranstaltung der Ländlichen Struktur- und Entwicklungsanalyse (LSE). Im Vorwege führte Michael Grönheim ein Gespräch mit Hajo Koglin, dem Leiter des Feuerwehrmusikzuges Berkenthin – Krummesse.

BB: Herr Koglin, Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr? Was hab ich mir darunter vorzustellen?

Wir sind ein Zusammenschluss von musikbegeisterten Menschen, die gemeinsam Spaß an der Musik haben und einen Klangkörper bilden. Unser Musikzug besteht schon weit vor dem Weltkrieg und wurde 1954 / 1955 wiedergegründet. Wir haben uns 1970 in Vorbereitung auf die Bundeswertungsspiele mit dem Musikzug Krummesse zusammengeschlossen.

Alle Musiker, die bei uns mitmachen, haben mindestens eine ein- bis zweijährige Ausbildung an ihrem Instrument, bevor sie mit uns proben. Jeder von ihnen hat gute Notenkenntnisse bzw. erlernt sie bei uns.

BB: Das bedeutet, sie bilden auch selber aus?

Ja, Kinder ab zehn Jahren bzw. Jugendliche absolvieren diese interne Ausbildung. Wir sind in der glücklichen Lage, sehr erfahrene Mitglieder zu haben, die auch gerne ausbilden.

Mit Bernhard Rath aus Berkenthin, einen unserer Ausbilder, stellen wir z.B. einen ehemaligen Berufsmusiker, der viele Jahre Mitglied des philharmonischen Orchesters in Bochum war. Er verbringt jetzt hier in Berkenthin seinen (Un-)Ruhestand. Wir bieten den Kindern die Ausbildung an verschiedenen Instrumenten an, wie z.B. an Posaune, Tuba, Trompete, Bariton, Klarinette, Saxophon oder Schlagzeug. Bei einigen Instrumenten muss aber schon ein Maß an Kraft und Lernreife vorhanden sein, diese sind eher für Jugendliche geeignet. Fünf Kinder und Jugendliche befinden sich derzeit in Ausbildung.

BB: Und diese Ausbildung kostet etwas?

Nein, wir sind in der glücklichen Lage, fast jedes Instrument zu stellen. Die Ausbildung ist aufgrund der Schulung durch einzelne Mitglieder kostenlos. Die Instrumente sind im Besitz des Feuerwehrmusikzuges und werden zur Verfügung gestellt.

Die Ausnahme bildet das Schlagzeug; hier finden wir aber mit den betroffenen Eltern immer eine Regelung zur Finanzierung. Neue Instrumente und Reparaturen für defekte Geräte übernehmen wir auch. Dafür erhalten wir über das Budget der beiden Feuerwehren vom Amt jedes Jahr einen Zuschuss. Hier muss ich sagen, findet der Musikzug immer ein offenes Ohr. Die Amtsverwaltung sowie die Feuerwehren sind sehr hilfsbereit.

BB: Müssen alle Musiker Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr sein?

Auch hier ein Nein. Wir sind ein Bestandteil der Freiwilligen Feuerwehr, allerdings ist eine Feuerwehr-Mitgliedschaft keine Voraussetzung, um in den Musikzug einzutreten.

Unsere Mitglieder zahlen auch keine Beiträge, dafür haben viele zum Teil erhebliche Kosten. Zu unseren Proben, in der Regel alle 14 Tage abwechselnd in Krummesse und Berkenthin, kommen einige sogar aus Ratekau, Reinfeld, Bad Oldesloe oder Lübeck. Vielfach werden die Noten von den Mitgliedern gespendet. Ein Notensatz eines aktuellen Musikstücks für alle Instrumente kann z. B. fast 120 Euro kosten.

Im Frühjahr und in den Sommermonaten haben wir unsere meisten Aufführungen. In diesem Jahr z.B. spielten wir bei rund 35 öffentlichen Auftritten, die Fahrtkosten werden von uns übernommen. Sehr gut klappt da die Zusammenarbeit mit den beiden Feuerwehren. Sie ermöglichen uns die Nutzung der Feuerwehr-Kleinbusse. Es findet sich dann von uns immer jemand, der bereit ist, uns mit dem Kleinbus am Wochenende freiwillig zu unseren auswärtigen Auftritten zu begleiten.

BB: Wenn Sie den Musikzug charakterisieren, was zeichnet ihn aus?

Wir spielen „authentische Musik.“ Bei uns hat die Elektronik noch keinen Einzug erhalten. Auf Wettbewerben treten immer mehr Musikzüge auf , die z. B. einen E-Bass spielen lassen. Oder die Musik kommt über eine Mikrofonanlage. Dies hört sich toll an, birgt aber die Gefahr, dass dieser Musikzug einfach nur durch zwei, drei Musiker überdurchschnittlich „gut“ klingt und die anderen Mitspieler eher nur „Beiwerk“ sind. Der Musikzug Berkenthin — Krummesse kommt noch ohne technische Hilfsmittel aus und wir sind froh darüber.

BB: Was zeichnet ihn noch aus?

Es ist die Mischung aus Jung und Alt, Neuling und Erfahrenen. Ich bin begeisterter Fußballer. Im Fußball ist die jeweilige Mannschaft immer gleichaltrig. Die A-Jugendlichen sind alle 17/18 Jahre. Bei den „Alten Herren“ spielen zwischen 30- und 50-jährige.

In unserem Musikzug reicht die Altersspanne von 14 bis 75 Jahre. Es spielen jüngere Saxophonistinnen mit erfahrenen älteren Hornisten. Kinder und Jugendliche spielen mit Großvätern. Das ist die Faszination bei uns, wirklich generationsübergreifend und jeder ist bereit, auf den anderen einzugehen. Jede Probe und jeder Auftritt von uns macht uns allen wirklich Spaß.

BB: Herr Koglin, wir danken für das Gespräch.

 
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