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Elisabeth Bartsch

Elisabeth Bartsch

Leiterin des
DRK Seniorenhauses
“Louise-von-Schrader”
Berkenthin

 

In einem Gespräch für den Berkenthiner Boten befragten Michael Grönheim und Werner Rosche die Leiterin des DRK Seniorenhauses in Berkenthin, Frau Elisabeth Bartsch,  über die Situation und Entwicklung der Pflege und Betreuung von älteren Menschen.

BB: Frau Bartsch, seit wann ist das DRK Träger des Seniorenhaus
„Louise-von-Schrader“?

Bartsch: 1995 übernahm der DRK-Kreisverband das Alten- und Pflegeheim vom Landkreis Herzogtum Lauenburg. Berkenthin war schon seit 1904 Sitz des Kreispflegeheims. Daraus resultiert auch, dass der Landkreis bei der Übernahme bestimmte, dass alle Beschäftigte nicht entlassen werden sollte. Unsere Angestellten unterstehen auch heute noch diesem „Schutz“, da alle Stellen nach Bundesangestelltentarif (BAT) bezahlt werden. Wir sind dem DRK-Krankenhaus Ratzeburg/Mölln direkt unterstellt.

BB: Wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie?

Bartsch: Das Seniorenhaus ist der größte Arbeitgeber in Berkenthin! Das Heim hat 80 genehmigte Pflegebetten, derzeit mit einer Auslastung von 97%. Zurzeit gibt es 43 Planstellen, die sich 71 Mitarbeiter teilen. Es sind überwiegend Frauen hier beschäftigt. Die Finanzierung erfolgt durch die Pflegesätze. Über die unterschiedlichen Pflegestufen 1-3 kommen die Gelder zusammen. Es ist aber wünschenswert, dass die aktive Pflege vom Gesetzgeber mehr belohnt wird. Leider bezahlt die Pflegeversicherung nicht genug, weil die Einnahmen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung nicht ausreichen.

BB: Muss ich als Bewohner meinen Platz selber zahlen?

Bartsch: In der Regel wird die monatliche Rente jedes einzelnen in die Finanzierung mit einbezogen. Es gibt Bewohnerrinnen und Bewohner, die ihren Pflegesatz selbst voll bezahlen. Sollte die Rente nicht reichen, kann der Bewohner beim Sozialamt das sogenannte Pflegewohngeld beantragen. Hinzu kommt dann noch das Taschengeld für persönliche Dinge. Es beträgt rd. 88 Euro pro Monat. Dieses kann auch vom Sozialamt  übernommen werden. Von diesem Taschengeld müssen die Bewohner aber auch ihre Medikamentenzuzahlungen, den Friseur, die Fußpflege u.a. bezahlen.

Es ist eine Entwicklung von stationärer Pflege zur ambulanten Pflege zu beobachten, die  auch politisch vom Gesetzgeber so gewollt ist. Auf dem ambulanten Pflegemarkt gibt es verschiedene Anbieter, z.B. die Diakonie, die privaten Dienste und das DRK. Ob die gesetzliche Pflegeversicherung in Zukunft die Finanzierung so weiterführen wird, ist fraglich. Es ist wahrscheinlich, dass bei der Pflegestufe 1 etwas verändert wird. Wirtschaftlich stärkere Versicherte  werden private Vorsorgeverträge in Anspruch nehmen. Da keine weiteren Betten in Heimen des Kreises Herzogtum Lauenburg genehmigt werden, wird das Thema:
„Pflege zu Hause“  zunehmen.

BB: Was ist Ihnen besonders wichtig?

Bartsch: Für uns ist hier im DRK-Seniorenhaus Berkenthin ist wichtig, dass die Pflegequalität weiterhin von außen gut bewertet wird. Das Berkenthiner Haus hat einen sehr hohen Qualitätsstandard, der in der Vergangenheit bei externen Prüfungen immer erreicht und übertroffen wurde. Sehr wichtig ist für uns, dass z.B. keine Unterernährung der Heimbewohner auftritt, dass Bewohner genug Flüssigkeit  aufnehmen, das die Bettlägerigen viel Bewegung erhalten, die Qualität des Essens usw. Wir haben dafür z.B. extra eine Physiotherapeutin eingestellt, die mit den Bewohnern pro Tag regelmäßig Bewegungsabläufe einübt, damit diese nicht einsteifen.

Wichtig für mich ist auch die Küche, die im Haus noch in eigener Regie betrieben wird. Essen ist den Heimbewohnern ein besonders wichtiges Anliegen. Wir kochen jeden Tag frisch! Viele Heime haben keine eigene Küche mehr. Wenn das Essen von außen kommt, entsteht oft ein Qualitätsproblem. Von der Küche in Berkenthin werden ca. 150 Mittagessenportionen pro Tag fertiggestellt, davon 40 Essen für die Ganztagsschüler und für den Kindergarten, 30 Portionen für das Essen auf Rädern. Das Essen wird in Berkenthin und Umgebung für 4,50 Euro pro Tag ins Haus geliefert. Es können aber auch Berkenthiner Bürger, die nicht im Heim wohnen, das Essen für 3 Euro im Heim einnehmen, ein Services, der nicht allen  im Ort bekannt ist. Die Schülerinnen und Schüler der Grund- und Hauptschule nehmen im Rahmen der Ganztagsschule auch im Essraum des Heimes das Mittagessen ein. Die Heimbewohner freuen sich sehr, wenn die Kinder mittags zu ihnen kommen.

BB: Wie sind Ihre Erfahrungen mit den Angehörigen der Heimbewohner?

Bartsch: Die Erfahrungen sind sehr gut. Das DRK-Heim Berkenthin hat hier eine gewisse Vorreiterrolle in Schleswig-Holstein mit übernommen. Im vergangenen Jahr gründete sich hier in Berkenthin ein Angehörigengruppe, die konkrete Vorschläge umgesetzt haben, z.B. die Gestaltung der Außenanlage, das Anlegen eines Gemüsegartens sowie eines „Streichelzoos“ mit Kaninchen und Federvieh. Eine weitere Stütze der Arbeit sind die Pilotprojekte. Hier müssen Projekte „Miteinander, damit es besser geht“ und „Jung trifft alt“ genannt werden. Das Berkenthiner Haus ist ein sehr aktives Haus. Es finden bereits viele Veranstaltungen (Vorlesen der Zeitung, Diskussionen, Gedächtnistraining, Ausflugsfahrten) im Heim und außerhalb des Heimes statt. Vorstellen kann ich mir  jedoch auch Veranstaltungen der politischen Parteien bei uns im Hause.

BB: Was planen Sie für die Zukunft und was wünschen Sie sich?

Bartsch: Ich wünsche mir gerne noch aktivere Mitarbeit von Berkenthiner Mitbürgern. Wir suchen ständig ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, die unsere Bewohner unterstützen, z.B. beim Vorlesen, als Begleitung bei den Ausflügen, bei Erledigungen usw. Für die nahe Zukunft gibt es in unserem Haus schon sehr konkrete Überlegungen und Planungen zur Erweiterung des Angebots. Dazu soll entweder an den  jetzigen Eingangsbereich ein neues Teilgebäude gesetzt bzw. umgebaut werden oder aber auch im Bereich der derzeitigen Parkplätze ein eigenständiges Gebäude entstehen. Gedacht ist dies für neue Wohnformen, z.B. Senioren-Wohngemeinschaften oder Betreutes Wohnen, ergänzt evtl. auch durch ein Café oder ähnliches. Grundlage soll dann nicht die Pflege sein, sondern eine andere Art des Wohnens im Alter.

BB: Frau Bartsch, vielen Dank für das informative Gespräch.

 

 

 

 
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