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Annelie Tesche

 

Annelie Tesche

Leiterin der Kindergärten
in Berkenthin und Rondeshagen



Seit 25 Jahren ist Annelie Tesche Erzieherin mit Leib und Seele, seit 11 Jahren leitet sie den Kindergarten Moorhof in Berkenthin. Anfang September 2005 feierte sie ihr
„silbernes Dienstjubiläum“. Werner Rosche und Michael Grönheim nahmen dieses Ereignis zum Anlass und fragten bei Frau Tesche nach.

BB: Frau Tesche, auch im Namen des SPD-Ortsvereins Berkenthin nachträglich unsere herzlichen Glückwünsche zu Ihrem Dienstjubiläum! Wenn Sie die vergangenen 25 Jahre Revue passieren lassen, hat sich etwas geändert?

A. Tesche: Das kann man mit einem eindeutigem „Ja“ beantworten! In meiner Anfangszeit war die Institution Kindergarten doch eher eine zeitlich in Anspruch genommene Einrichtung am Morgen, die sehr stark die motorischen Fähigkeiten der Kinder förderte. Basteln mit und für Kinder im jahreszeitlichen Einklang stand auf der Tagesordnung. Heute sind wir wirklich eine Bildungseinrichtung, die die ganzheitliche und frühkindliche Förderung in den Mittelpunkt stellt. Und wir fördern nicht nur unsere Kinder; ich stelle fest, dass wir immer öfter auch Ansprechpartner der Eltern werden, die in bestimmten Situationen unseren pädagogischen Rat erbitten. In den vergangen fünf bzw. sechs Jahren ist das immer wichtiger geworden.

BB: Müssen wir uns den Moohof heute noch als „klassischen Landkindergarten“ mit begrenzten Öffnungszeiten am Morgen vorstellen?

A. Tesche: Nein, unser ganzheitlicher Ansatz gilt auch für eine gute, flexible Betreuung. Wir haben in den vergangenen Jahren die Erweiterung der Öffnungszeiten konsequent umgesetzt. Unser Kindergarten Moorhof ist von Montag bis Freitag jeden Tag von morgens 7.00 Uhr bis nachmittags um 17.00 Uhr zehn Stunden geöffnet. Die Kernzeiten liegen vormittags im „klassischen Bereich“ von 8 – 12 Uhr und nachmittags von 13 – 17 Uhr. Eltern können nach Bedarf jeweils eine ½ Stunde dazubuchen.

In den vergangenen vier Jahren haben wir auch das Angebot für Schulkinder des ersten und zweiten Schuljahres erweitert. Diese können nun ab 7.00 Uhr bei uns aufgenommen werden. Wir sorgen dafür, dass sie rechtzeitig in die Schule kommen. Mittags gibt es Hausaufgabenhilfe sowie einen Mittagstisch. Das Essen wird uns vom benachbarten DRK-Seniorenheim geliefert. Für die älteren Schulkinder wurden zwei Hortgruppen eingerichtet. Drei Erzieherinnen kümmern sich dann um die größeren Kinder. Am Nachmittag wurde das Angebot durch zwei Familiengruppen erweitert. Dort sind auch Kinder unter 3 Jahren gerne gesehen. Für die Zukunft wünsche ich mir Krippengruppen. Diese werden von den Eltern immer mehr nachgefragt.

BB: Was kostet ein Kindergartenplatz im Moorhof monatlich?

A. Tesche: Der Elternbeitrag pro Kind ist in allen Kindergärten im Amtsbereich Berkenthin gleich hoch. Für jedes Kind bezahlen die Eltern 110,00 EUR im Monat, Geschwisterkinder zahlen weniger. Sozial schwächere Familien können über den Kreis eine Ermäßigung zwischen 10% und 70% beantragen. Das individuelle Buchen einer ½ Stunde für die ergänzende Betreuung außerhalb der Kernzeiten kostet zusätzlich 3,00 EUR.

BB: Wie viele Mitarbeiter hat Ihr Kindergarten?

A. Tesche: Wir sind derzeit 12 Mitarbeiterinnen mit unterschiedlicher täglicher Arbeitszeit. Leider sind Männer in unserem Beruf rar. Wir wünschen uns männliche Kollegen. Leider ist die Bezahlung als Erzieherinnen bzw. Erzieher ausgesprochen schlecht und wohl für Männer nicht attraktiv. Dabei sind Männer für die Erziehung unserer Kinder sehr wichtig! In der jüngeren Vergangenheit nimmt der Anteil der Alleinerziehenden, in der Regel Frauen, immer mehr zu. Den Kindern fehlt der Vater bzw. eine männliche Bezugsperson. Dieses könnten wir durch männliche Erzieher erreichen – aber es gibt keine. Auch Zivildienstleistende kommen in Betracht. Leider sind die Zivis nach 10 Monaten Ersatzdienst wieder fort. Außerdem sind sie für unsere Einrichtung leider zu teuer. Wir müssen den Sold bezahlen und Ihnen eine Wohnung stellen – Vorgaben, die wir leider nicht erfüllen können.

BB: Wie beschreiben Sie das Profil des Kindergartens Moorhof?

A. Tesche: Unser Kindergarten ist auf Bewegung ausgerichtet. Wir wollen Bewegung durch das Spielen draußen fördern. Bereits seit mehreren Jahren machen unsere vier Kindergartengruppen einmal pro Woche einen Wander- und Waldtag in die nähere Umgebung. Wir haben Neigungsgruppen eingerichtet, in denen die Kinder hämmern und handwerken, spielen und musizieren. Im neuen Jahr werden wir anfangen, uns mit den Kindern der Mathematik / Physik zu nähern. Über zehn Wochen werden wir dann jede Woche eine neue Zahl zwischen 1 und 10 kennen lernen. Den Kleinen soll so auf spielerische Weise die Bedeutung von Zahlen in ihrer Umwelt verdeutlicht werden. Das ist auch für uns neu und jetzt schon in der Vorbereitung sehr spannend.

BB: Wie drückt sich Kirche oder der christliche Glaube im Kindergarten aus?

A. Tesche: Wir sind ein kirchlicher Kindergarten. Man fühlt hier, dass Kirche „drin ist“. Wir bieten unseren Kindern eine offene und freundliche Atmosphäre. Mit unserem christlichen Erziehungsbild wollen wir die Kinder zum Nachdenken anregen, auch Glauben erfahrbar machen. Wir haben z.B. eine Kummer- und Freudeecke eingerichtet, in die sich die Kinder zurückziehen können. In dieser Ecke befindet sich ein Kreuz. Wir wollen unseren Kindern die Angst nehmen. Wir wollen Mut machen. Wenn ein Kind in Not ist – aus welchem Grund auch immer– soll es merken, es ist nicht allein, Gott ist da, wir als Erzieherinnen sind da. Das ist uns ein wichtiges Anliegen.

BB: Was halten Sie von den Vorgaben des Landes zu den „Bildungs-Leitlinien“? Wie gehen Sie damit um?

A. Tesche: Alle Kindertagesstätten haben die Leitlinien vom Bildungsministerium bekommen und alle Pädagogen haben die Möglichkeit, an Fortbildungen und Informationsveranstaltungen teilzunehmen. Das Moorhof-Team hat sich die Leitlinien zunächst angeschaut und geprüft, was wir schon umgesetzt haben und was an neuen Aufgaben noch vor uns liegt. Dies war für uns aber nicht sonderlich schwer, weil unsere Konzeption sowieso regelmäßig fortgeschrieben wird und die Qualitätssicherung uns ein wichtiges Anliegen ist. Für uns in Berkenthin sind die Leitlinien eine positive Herausforderung. Wir wissen schon seit ein paar Jahren, dass viele Förderungs- und Bildungschancen der Kinder in der täglichen Kindertagesstättenarbeit bisher ungenutzt blieben. Die Leitlinien bestätigen uns auf dem schon vorher eingeschlagenen Weg. Ich muss hier aber betonen, dass eine weitgehende Umsetzung nur funktionieren kann, wenn die Gruppengrößen von derzeit rd. 22 Kindern nicht herauf gesetzt und die Qualifikation der Mitarbeiterinnen nicht gesenkt wird.

In den letzten Jahren hat sich bei den Anforderungen an die Kindertagesstätten viel getan und wir stoßen hier auch an unsere Grenzen. Aber ich halte persönlich die Entwicklung, obwohl sie von „oben“ gesteuert wird und nicht von der Basis kommt, für gerechtfertigt. Die Bildungs- und Entwicklungschancen der Kinder müssen und können weitaus besser genutzt werden. Ich finde es allerdings fatal, dass auf der einen Seite die Kindertagesstätte als erste Bildungseinrichtung inzwischen eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung genießt, andererseits aber Bestrebungen auszumachen sind, die vermuten lassen, dass es doch wieder zu Einsparungen und Qualitätseinbußen kommen wird. In die Bildungseinrichtung Kindergarten sollte viel mehr Geld fließen, hier können wir uns an anderen Ländern ein Beispiel nehmen.

BB: Frau Tesche, wir danken Ihnen für das interessante Gespräch.

 

 
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