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Wolfgang Runge

 

Wolfgang Runge

Pastor der evangelischen Kirchengemeinde Berkenthin
 

 

 

 

Seit 13 Jahren ist Wolfgang Runge bereits Pastor der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Berkenthin. Michael Grönheim und Werner Rosche (BB) führten mit ihm in seinem Amtszimmer im Pastorat ein Gespräch über die Berührungspunkte zwischen politischer und kirchlicher Gemeindearbeit.

BB: Herr Pastor Runge, vorweg als Einstieg: Was gibt es Neues in der Kirchengemeinde?

Wolfgang Runge (WR): Da antworte ich spontan: Das Neue hat etwas mit dem Alten zu tun! Unsere alte Kirche aus dem 13. Jahrhundert hatte über Jahrhunderte einen eigenständigen Namen, der aber in Vergessenheit geraten ist. In den alten Aufzeichnungen finden sich zwei Namen für das Berkenthiner Gotteshaus; zum einen Petrikirche, zum anderen Maria-Magdalenen-Kirche. Nach intensiven Recherchen hat nun unser Kirchenvorstand beschlossen, den alten Namen Maria Magdalenen wieder anzunehmen. Ich freue mich wirklich, dass in einem Festgottesdienst am 2. März 2008 unsere Kirche ihren alten Namen wiederbekommt.

BB: Wir sitzen bei diesem Gespräch in Ihrem Amtszimmer im Pastorat. Was leistet die Kirchengemeinde für den Erhalt dieses Gebäudes und der Kirche?
 

WR: Unsere Kirche ist urkundlich 1230 das erste Mal erwähnt, das Pastorat wurde 1864 neu errichtet. In den vergangenen Jahren haben wir als Kirchengemeinde sehr viel instand setzen müssen. Dies geschah und geschieht mit großer – auch finanzieller – Bereitschaft der Menschen hier vor Ort in Berkenthin und der zum Kirchspiel gehörenden Ortschaften. Die letzte große Sanierung im Pastorat war im letzten Jahr die Giebelseite zum Kanal. Der Denkmalschutz verlangt uns einiges ab. Deshalb bin ich auch dankbar, dass die politische Gemeinde uns stark unterstützt. Bei der Pflasterung des Kirchsteigs und bei der Errichtung der Laternen rund um die Kirche war uns die Gemeinde neben privaten Spendern sehr behilflich.

BB: Wo gibt es aus Ihrer Sicht weitere Berührungspunkte?

WR: Kirchenvorstand und politische Gemeinde hatten in der Vergangenheit Ziele, die wir gemeinsam verfolgten. Ich erinnere nur an die Proteste gegen die Giftmülldeponie in Groß-Weeden oder die Aktionen zum Erhalt der Kirchsteigbrücke. Ich finde es auch angenehm, wenn ich mit Bürgermeister Speth den „kurzen Dienstweg“ praktizieren kann. Oft treffen wir uns bei „runden“ Geburtstagen und haben so die Gelegenheit, spontan kleine Absprachen zu treffen. Positiv in Erinnerung ist mir auch die spontane Idee und Umsetzung eines Friedensgebets beim Irak-Krieg mit dem SPD-Ortsverein. Hier konnten wir innerhalb von wenigen Stunden viele Menschen mobilisieren und so unsere Betroffenheit kundtun.

BB: Wo ist die örtliche Politik noch gefordert?

WR: Ich denke hier an die Kindergärten. Die politischen Gemeinden in Berkenthin und Rondeshagen kommen ihren Verpflichtungen zur Schaffung von Kindergartenplätzen durch den Bau und der Unterhaltung der Einrichtungen nach. Der Träger dieser Einrichtungen ist die Evangelische Kirchengemeinde. Wir engagieren uns hier bewusst und machen dies auch sehr gerne. Jeder Kindergartenplatz wird von der Kirchengemeinde mit 20 Euro pro Monat bezuschusst. Als Pastor und „Chef“ der Kindergärtnerinnen ist meine Arbeit in der Leitung hierbei kostenfrei!

BB: Immer mehr Eltern fordern die Einrichtung von Krippenplätzen, da in vielen Familien beide Eltern- teile berufstätig sein müssen oder bei Alleinerziehenden die Betreuung fehlt. Kann da die Kirche helfen?

WR: Wir kommen gerne dem Wunsch nach, Krippenplätze anzubieten. In Rondeshagen gibt es bereits eine Krippengruppe mit 10 Kindern unter drei Jahren. Mit den Gemeinden arbeiten wir gemeinsam an der Umsetzung. Ich persönlich kann feststellen, dass insgesamt für Kindergarten und Krippen die finanzielle Ausstattung gut ist. Die Sachaufwendungen werden übernommen, der Personalschlüssel ist tragbar. Allerdings plädiere ich dafür: Es müssen die Standards erhalten bleiben! Nur dann können wir unserem Auftrag gerecht werden, die Kinder bereits im Kindergarten individuell zu fördern und sie an Bildung teilhaben zu lassen.

BB: Gibt es weitere Projekte der Kirche, die die politische Gemeinde unterstützt?

WR: Dankbar bin ich der politischen Gemeinde auch für die Unterstützung der Sozialstation Berkenthin. Wir erhalten aus zentralörtlichen Mitteln Gelder für Aufwendungen bei Patienten, die von den Krankenkassen als nicht abrechenbare Leistungen gestrichen werden. Mit diesen kleinen Zuschüssen können wir zwar den Patienten nicht ihr Leiden nehmen, wir können ihnen aber ihr Leben ein wenig leichter machen.

Einen weiteren Wunsch möchte ich an dieser Stelle noch vortragen. Neben unserer Kirche befinden sich die Ehrenmahle der Gefallenen und Vermissten der beiden großen Weltkriege. Ich wünsche mir eine Neugestaltung und eine bewusste Erweiterung dieser Anlage für alle Opfer von Krieg, Vertreibung, Verfolgung und Ermordung. Hier hoffe ich auf eine anregende Diskussion und Unterstützung innerhalb der Gemeindevertretung und bei den Bürgern.

BB: Wie sehen Sie Ihre Aufgabe als Seelsorger?

WR: Der Berkenthiner Pastor hat neben seiner Aufgabe als Seelsorger im kirchlich-christlichen Auftrag in den vergangenen Jahren auch immer mehr Lebensberatungsaufgaben
übernommen. Aufgrund des Amtes hat man einen unheimlich großen Vertrauensvorschuss. Selbst Menschen, die mit der Kirche sehr wenig zu tun haben, ja vielleicht auch gar nicht Mitglied unserer Kirchengemeinde sind, begegnen mir mit einer großen Offenheit. Während andere Leute evtl. Schwierigkeiten haben, mit Betroffenen in Kontakt zu treten, stehen mir in der Regel „alle Türen offen“. Das ist auf der einen Seite sehr schön, kann aber auch zur Belastung werden. Doch dafür gibt es Hilfe bei regelmäßigen Gesprächsrunden mit anderen Pastoren.

Ein weiterer persönlicher Schwerpunkt bei mir ist meine Arbeit in der Freiwilligen Feuerwehr Berkenthin als Notfallseelsorger. Hier gilt es vor allem um Hilfestellung für die Feuerwehrkameraden bei belastenden Einsätzen, aber auch um die Betreuung von Verletzten, Betroffenen und Familien bis hin zum Überbringen von Todesnachrichten.

BB: Welche soziale Aufgaben sehen Sie in naher Zukunft für die Kirche und Gemeinde in Berkenthin?

WR: Die Kirche sieht sich als Bestandteil der Dörfergemeinschaft und ist zunehmend mit sozialen Aufgaben konfrontiert. Wir beobachten, dass die Not wächst, auch in Berkenthin. Wir im Kindergarten und in der Schule merken das zuerst und versuchen zu helfen. In diesem Zusammenhang ist auch die Initiative „Nachbarn helfen Kindern und deren Familie“ entstanden. Diese Initiative wird getragen von der Kirchengemeinde, dem DRK-Ortsverein, dem TSV Berkenthin, dem Landfrauenverein und vielen ehrenamtlichen Helfern. Eine weitere gemeinsame soziale Aufgabe ist die Integration der Neubürger. Alle Bewohnerinnen und Bewohner sollen sich hier in der Gemeinde wohl fühlen und in der Kirche eine Heimat für die Seele finden.

BB: Herr Pastor Runge, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

 


 

 
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