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Jürgen Boller

 

Jürgen Boller (JB), Polizeihauptkommissar, Leiter der Polizeistation Berkenthin heute im Gespräch mit Michael Grönheim und Werner Rosche (BB). 

 

BB: Herr Boller, wie kann der Bürger Sie, die Polizei, erreichen?


JB: Die Polizeistation (PSt) Berkenthin ist grundsätzlich über die Amtsnummer 04544-710 erreichbar. Sollte die PSt nicht besetzt sein, ist der Notruf 110 zu wählen und das Anliegen eines Bürgers wird von der Einsatzleitstelle Ratzeburg bearbeitet und die erforderlichen Maßnahmen eingeleitet.

BB: Wie viele Polizeibeamte bilden die Polizeistation Berkenthin? 


JB: Die PSt Berkenthin hat 4 Polizeibeamte und ist an die Zentralstation Ratzeburg organisatorisch angegliedert. Der ländliche Polizeidienst der Zentralstation Ratzeburg umfasst weiterhin die PSt èn Groß Grönau, Nusse, Sandesneben und Steinhorst. In dieser Stationsgruppe arbeiten zusammen 10 Polizeibeamte. 

BB: Wann ist die Polizeistation Berkenthin besetzt?


JB: In der Woche Frühdienst 7.00 - 13.00 Uhr, Spätdienst 13.00 -22.00 Uhr. Auch am Wochenende sind wir hier im Dienst.

BB: Wie weit erstreckt sich Ihr Einsatzgebiet? 


JB: Die grundsätzliche örtliche Zuständigkeit ist auf die Ortschaften des Amtes Berkenthin und auf einige Orte des Amtes Sandesneben/Nusse ausgerichtet. Allerdings haben wir einen erweiterten örtlichen Zuständigkeitsbereich, der von der Stadtgrenze Lübeck (Groß Grönau) im Norden bis Sandesneben und Schönberg erstreckt. Zudem unterstützen wir selbstverständlich die Zentralstation in Ratzeburg. Es ist also schon ein sehr großer Bereich.

BB: Früher gab es in vielen Dörfern einen Dorfpolizisten. Das ist Vergangenheit. Wie beurteilen Sie diese Veränderungen?


JB: Meines Erachtens ist die polizeiliche Arbeit heute effizienter geworden. In früheren Zeiten hat der ,,Dorfpolizist“ einen Ermessensdienst geleistet und wurde oft auch in seiner vermeintlichen Freizeit von den Bürgern angesprochen. Man kannte sich halt. Heute müssen auch aus Gründen von Sicherheit und Arbeitsverdichtung andere Maßstäbe an den polizeilichen Dienst gelegt werden. Demzufolge geht auch ein erkennbarer Trend zu Polizeistationen mit mehreren Beamten/-innen.

BB: Wie viele Einsätze haben Sie und Ihre Kollegen in der Woche?


JB: Die Menge der wöchentlichen Einsätze ist unterschiedlich und hängt von vielen Faktoren ab. Über das Jahr verteilt ergeben sich ca. 1500 Einsätze, die wir auch  dokumentieren müssen. Für jeden Einsatz muss ein Protokoll angefertigt werden. Jeder Kollege handelt und schreibt selbstverantwortlich über seinen Einsatz das Protokoll. Die PSt Berkenthin ist eine Dienststelle, die von der Aufnahme einer Anzeige bis zur Abgabe an die Staatsanwaltschaft den Ermittlungsvorgang bearbeitet. Wir müssen auch damit rechnen, dass wir dann später zum Gerichtstermin als Zeuge vorgeladen werden. Jeder Kollege hier hat ca. 20 solcher Termine im Jahr.

BB: Was sind das sonst für Delikte? Sind das alles Straftaten, z.B. Trunkenheit am Steuer?


JB: Häusliche Streitigkeiten, Graffiti, also Sachbeschädigung und Verkehrsunfälle erfordern unseren Einsatz. Bei Trunkenheit im Straßenverkehr gibt es unterschiedliche Promillewerte, nach denen wir unser Handeln und die Maßnahmen ausrichten müssen. Grundsätzlich ist bei einem Promillewert von 1,1 von einer Verkehrsstraftat auszugehen, es folgt die Entnahme einer Blutprobe und der Führerschein ist weg. Bei Fahranfängern in der Probezeit ist Alkohol tabu, also 0,0 Promille. Die Entnahme der Blutprobe ist grundsätzlich von einem Richter anzuordnen und wird dann von einem Arzt entnommen. Auf der B 208 von Oldesloe nach Ratzeburg erleben wir viele Unfälle mit jungen Fahrern. Im letzten Jahr gab es vier Tote im Stationsbereich Berkenthin. 

BB: Wie verarbeiten Sie und Ihre Kollegen die Eindrücke, die die Schwerverletzten und auch die Toten hinterlassen?


JB: Wir haben einen eigenen Krisendienst, führen im Einzelfall Gespräche, aber letztlich muss jeder auch für sich die belastenden Bilder verarbeiten.

BB: Ist die Umgebung Berkenthins ein Zentrum für Motorradunfälle?


JB: Wir haben zwar viele Motorradunfälle, aber auch viele andere. Ursache bei Unfällen mit dem Motorrad ist oft eine zu hohe Geschwindigkeit. Der Motorradfahrer oder die Fahrerin überschätzen die Fähigkeit, das Fahrzeug richtig abzubremsen. Es sind aber auch ältere Fahrer beteiligt, die im Sommer auf das Motorrad umsteigen. Es wird versäumt, ein Sicherheitstraining durchzuführen, um z.B. das Bremsverhalten des Motorrades zu erfahren. Auch die Verkehrsüberwachung der Motorradfahrer ist wichtig.

BB: Wie arbeiten Sie mit der örtlichen Feuerwehr zusammen?


JB: Gut, die Einsatzleitung bekommt eine Meldung, dass ein Feuer ausgebrochen ist. Zuerst wird die Feuerwehr alarmiert, dann wir. Die Rettung kommt zuerst, dann löschen, bergen und schützen. Es ist gut abgestimmt. Es kann natürlich vorkommen, dass in der Hektik Reibungsverluste entstehen. Die Brandbekämpfung ist Aufgabe der Feuerwehr. Wenn die Maßnahmen der Feuerwehr enden, sind wir gefordert, die Ursachen zu erkunden.

BB: Ist bei Branddelikten die Spurensuche sehr aufwendig?


JB: Für die Spurensuche haben wir ausgebildete Kräfte der Kriminalpolizei, die wir anfordern. Es muss festgestellt werden, ob eine Straftat dahinter steht oder was sonst für den Brand/das Feuer ursächlich war.

BB: Ist die Diskothek Groß-Weeden ein Schwerpunkt der polizeilichen Arbeit?


JB: Die Diskothek ist nicht Schwerpunkt unserer Arbeit, sie hat nur am Samstag geöffnet. Es gibt viele Veranstaltungen, auch Open — Air Veranstaltungen, wo wir vertreten sind. Das führt zu einer nicht unerheblichen Mehrarbeit.

BB: Gibt es eine erhöhte Gewaltbereitschaft bei Veranstaltungen, allgemein in unserer Gesellschaft?


JB: Die Menge an Alkohol, die junge Menschen zu sich nehmen, ist schon problematisch. Alkoholisiert werden Menschen aggressiver, auch junge Erwachsene. Familienstreitigkeiten, zu denen wir gerufen werden, entstehen auch oft unter Alkoholeinfluss.

BB: Ist es möglich, den Veranstaltern Auflagen zu machen?


JB: Es ist nicht Aufgabe der Polizei, Auflagen zu fordern. Das ist die Aufgabe des Ordnungsamtes hier im Amt Berkenthin, mit dem wir zusammenarbeiten. Wir weisen im Vorwege daraufhin, dass z.B. Kinder nur in Begleitung kommen dürfen oder dass kein Alkohol an Jugendliche ausgeschenkt werden darf. Die Veranstalter haben sich ganz eindeutig an die Bestimmungen des Jugendschutzes zu halten. Die Kontrollen müssen dann die Veranstalter durchführen, die eventuell Sicherheitsdienste beauftragen können. Wir führen grundsätzlich auch Kontrollen durch.

BB: Seit Jahren haben wir eine Gewichtsbegrenzung bei der alten Kanalbrücke. Trotzdem wird die Brücke von vielen Lastern genutzt, manchmal auch nachts. Wie sinnvoll ist eine Begrenzung, die dann nicht kontrolliert wird?


JB: Die Begrenzung ist auf die Achslast bezogen. Es wurden und werden schon Kontrollen durchgeführt. Allerdings ist diese Überwachung nur ein kleiner Aufgabenbereich der PSt  Berkenthin. Unterstützt werden wir von polizeilichen Spezialisten, die sich vorrangig um den Schwerlastverkehr kümmern.

BB: Die neue Brücke wird am 10. August eröffnet. Wie wird sich der Straßenverkehr nach der Eröffnung entwickeln?


JB: Wir werden mehr Lkw-Verkehr haben, da die Bundesstraße 208 mautfrei ist. Der Schwerlastverkehr wird vermehrt die Strecke über Berkenthin in Richtung Ratzeburg als Nebenstrecke nutzen. Auch das neue Nahversorgungszentrum mit Penny und Schlecker zieht neuen Verkehr an. In dem Zusammenhang haben wir eine Begehung mit dem
Ordnungsamt des Amtes Berkenthin, mit Vertretern der Landesbauverwaltung und dem Vorsitzenden des Bauausschusses der Gemeinde im Bereich der Einmündung durchgeführt, unter  Einbeziehung der Fußwege und der Radwege in diesem Gebiet. Der Fahrradweg, der aus Göldenitz kommt, endet an der Meisterstraße, auf der anderen Seite ist ein kombinierter Fuß/Radweg. Die sichere Verkehrsführung muss hier überdacht werden.

BB: Ist nicht ein Linksabbieger aus der Richtung Bad Oldesloe sinnvoll?


JB: Man muss den Verkehr beobachten. Sinnvoll ist es dann vielleicht.

BB: Zu den Arbeitsbedingungen. Bei der Polizei entstehen viele Überstunden. Wie wird damit umgegangen?


JB: Es entstehen Überstunden, weil wir die Einsätze nicht abrupt beenden können und viele Sondereinsätze zu leisten sind. Die Überstunden werden durch Freizeit abgegolten. Ein weiterer Punkt, der uns betrifft, liegt im Sparpaket der Landesregierung. Die Planung sieht vor, dass Polizeibeamte erst mit 62 Jahren in Pension gehen sollen. Wir müssen uns dann darauf einstellen, dass wir auch ältere Polizeibeamte auf den Straßen sehen werden. Ich halte das für nicht sehr glücklich, da die Gewalt zunimmt und ich habe Zweifel, ob wir noch mit 62 Jahren so fit sind, dass wir dem gewachsen wären. Ob ältere Beamte dann beruflich Alternativen bekommen, wird sicher Gegenstand von Diskussionen sein.

BB: Ist die Ausstattung des Landes mit Polizeikräften ausreichend?


JB: Mein Dienstherr sagt, dass sie ausreichend sei.

BB: Was wünschen Sie sich von Ihrem Arbeitgeber, vom Land Schleswig — Holstein? Sind z.B. Sachmittel genug vorhanden?


JB: Polizeiarbeit auf höherem Niveau erfordern Systeme,  z.B. den Digitalfunk, der noch nicht eingeführt ist, aber über den seit Jahren diskutiert wird. Wir benötigen eine leistungsfähige EDV, zurzeit haben wir hohe Verarbeitungszeiten im System, das heißt, es dauert zu lange, bis etwas  gespeichert ist oder bis wir zugreifen können. Wichtig ist auch, dass wir Fahrzeuge behalten bzw. erhalten, die unseren Ansprüchen genügen. Der VW Passat hat als sich als Einsatzfahrzeug gut bewährt. Jetzt sollen Fahrzeuge wieder gekauft und nicht mehr geleast werden, wie es bis vor kurzem der Fall war. Fachwerkstätten werden dann die Fahrzeuge warten und reparieren. Ob diese Maßnahmen dann den Landeshaushalt entlasten werden, scheint mir doch fraglich.

BB: Wie ist die Zusammenarbeit mit dem Amt Berkenthin?


JB: Die Zusammenarbeit ist ausgezeichnet, wir werden sehr gut unterstützt und wir sind sehr gut untergebracht.

BB: Herr Boller, wir danken für das Gespräch.
 

 
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