Standort: → BerkenthinIm InterviewR-P. Frischmann
Navigation
Mitglied werden

QR-Code

Rolf P. Frischmann

Rolf-Peter Frischmann

zuständig für die Förderung des Tourismus und für die Öffentlichkeitsarbeit im Amt Berkenthin (Stecknitz-Region).



Werner Rosche (BB) im Gespräch mit Rolf-Peter Frischmann (RPF), zuständig für die Förderung des Tourismus und für die Öffentlichkeitsarbeit im Amt Berkenthin (Stecknitz-Region).

BB: Herr Frischmann, was umfasst ihr Aufgabengebiet genau?

RPF: Als ich vor drei Jahren hier anfing, gab es keines der Projekte, wie z.B. den Fahrradverleih, das Gastgeber-verzeichnis, die Stecknitz-Post, oder den Nachbau des Salzprahms. Ebenso noch keine Öffentlichkeitsarbeit, um die Stecknitz-Region, das Amt Berkenthin bekannt zu machen. Wir haben im Tourismusbeirat eine Liste mit dreißig Ideen, die wir langfristig gerne umsetzen möchten. Leider ist durch die aktuelle Finanzkrise bei der Verwirklichung ein Stillstand zu verzeichnen.

BB: Wenn Sie von Stecknitz-Region sprechen, welche Gebiete zählen sie dazu?

RPF: Zunächst das Amt Berkenthin mit seinen 11 Gemeinden, wir haben die Region aber erweitert, wir haben Bergrade mit dem Cafe und Swingolf-Platz der Familie Petersen, wir haben Kronsforde und Büssau mit Zelt-König und mit dem Hotel Friederikenhof in das Gastgeber-verzeichnis hinein genommen. Streng genommen ist die Stecknitz-Region aber der Bereich des Amtes Berkenthin.

BB: Wie finanzieren sich das Gastgeberverzeichnis und die anderen Projekte?

RPF: Das Gastgeberverzeichnis finanziert sich überwiegend durch Anzeigen, die Stecknitz-Post wird zum großen Teil finanziert durch eine Umlage von 1€ pro Einwohner des Amtes Berkenthin. Für die Stecknitz-Post bin ich im Sinne des Presserechts verantwortlich, sie ist das Mitteilungsblatt des Amtes.

BB: Wird die Stecknitz-Post in allen Gemeinden des Amtes verteilt?

RPF: Jeder Haushalt, jeder Briefkasten im Amt erhält die Stecknitz-Post, wir lassen die Stecknitz-Post durch Träger verteilen.

BB: Reicht es aus, durch diese Aktivitäten, die sie nannten, die Stecknitz-Region bekannt zu machen oder müssen nicht auch noch andere Maßnahmen und Aktivitäten eingeleitet werden?

RPF: Es ist schwer, sich bundesweit zu profilieren. Wir haben aber durch den Fahrradverleih bei Meiers Gasthof in Berkenthin und bei Klempau’s Gasthof in Krummesse, durch das Gastgeberverzeichnis, das auch bei der Hamburg-Reisemesse und jetzt demnächst auch bei einer Messe in Stuttgart verteilt wird, schon einen größeren Bekanntheitsgrad erreicht. Der Fahrradverleih wird im Sommer gut angenommen. Den Zuwachs bei den Übernachtungen zu messen, ist schwieriger. Es werden z. B. in Berkenthin nur zwei Vermieter statistisch erfasst. Das Statistische Landesamt SH zeichnet nur Betriebe oder auch Privatleute auf, die neun und mehr Betten vermieten. Die meisten Vermieter sind nach unseren Informationen mit ihrer Auslastung zufrieden. Aber natürlich könnten wir, wenn mehr Geld zur Verfügung stände, mehr erreichen. Zum Beispiel könnten wir Reisejournalisten einladen, die dann über die Stecknitz-Region berichten würden.

BB: Sie haben bisher einiges erreicht, aber es gibt sicherlich Hemmnisse oder auch Schwierigkeiten.

RPF: Es gibt, wie schon angedeutet, finanzielle Hemmnisse. Ich habe große Unterstützung durch das Amt sowie durch die Bürgermeister der Gemeinden Berkenthin und Krummesse Herrn Speth und Herrn Michaelis. Bürgermeister Hans-Joachim Speth ist auch der Vorsitzende des Tourismus-Beirates, Friedhelm Michaelis ist sein Stellvertreter. Beide Bürgermeister sind sehr engagiert in Bezug auf den Tourismus. Ich sehe aber auch, dass beide in der Zwickmühle stecken, wenn es um die Finanzierung von Projekten geht, da zur Zeit das Geld für die Schulen, die Kindergärten u.a. benötigt wird. Dafür habe ich Verständnis. Auf der anderen Seite könnte aber durch das Geld, das in die Tourismusförderung fließt, mehr Geld eingenommen werden.

BB: Ist es denn überhaupt messbar, wenn zum Beispiel Touristen hier herkommen, z. B. bei Markant einkaufen, im Landhaus oder im Gasthof Meier einkehren?

RPF: Es ist schwer messbar, Public Relations (Anm.: Öffentlichkeitsarbeit) wirkt meist erst längerfristig. Aber wenn beispielsweise ein Vermieter die Renovierung der Ferienwohnungen vornehmen lässt und den Auftrag dafür an örtliche Handwerker erteilt, ist das eine solche Auswirkung. Ein weiteres Beispiel: Selbst die Lübecker Nachrichten sprechen jetzt oft von der Stecknitz-Region. Mit dieser Region verbinden die Menschen dann eine Landschaft mit intakter Natur, mit Sehenswürdigkeiten und gastfreundlichen Menschen, kurzum, eine Landschaft, in der man sich Wohlfühlen kann.

BB: Sie sagten, sie können relativ selbstständig arbeiten, wie weit reicht ihre Freiheit, etwas zu schreiben oder zu organisieren?

RPF: Politisch halte ich mich heraus. Meine Einstellung ist, der Journalist sollte sich nicht politisch engagieren, weil er beruflich zur Neutralität verpflichtet ist. Das passt auch gut, denn ich arbeite mit einem SPD- und mit einem CDU-Bürgermeister zusammen. Dass ich alles selbst entscheiden könnte, ist nicht erstrebenswert. Mir werden die Regeln schon vorgegeben, vom Leiter des Amtes und von den Bürgermeistern und ganz intensiv vom Tourismusbeirat. Der Beirat besteht aus 10 Personen.

Er tagt sieben bis acht Mal im Jahr. Ich bin nicht stimmberechtigtes Mitglied, aber ich gehöre dazu. Ich organisiere die Zusammenkünfte, sozusagen als Geschäfts-führer. Dem Beirat gehören fast alles politische Vertreter der Gemeinden an, so z. B. die Bürgermeister von Berkenthin und Krummesse, die beiden Vorsitzende/n der Kulturausschüsse Berkenthin und Krummesse, Gisela Bockholdt und Hans Heinrich Helmers, dann Michael Grönheim und Achim Krähe, beide aus Berkenthin, Hans-Werner Hammel aus Krummesse vom Gewerbeverein Krummesse, Petra Grimm, Bürgermeisterin aus Niendorf und Uwe Clasen aus Göldenitz. Im Beirat wird die Linie festgelegt für die Zukunft.

BB: In der Diskussion war und ist ein Cafe in Berkenthin, das eingerichtet werden könnte, auch im Hinblick darauf, dass Meiers Gasthof in der Woche nachmittags geschlossen hat. Wie sehen Sie das?

RPF: Einer meiner Wunschträume war von Anfang an, ein Bauernhof-Cafe in Berkenthin. Wenn so etwas entsteht, dann mit Blick zum Kanal oder mit Blick in die Natur, damit es auch ein Anziehungspunkt wird. Wir hatten ein schönes Cafe in Bliestorf im Herrenhaus, zwar nicht am Kanal, aber in einem tollen Park. Leider gaben die Betreiber nach einem Jahr wieder auf, es ist jetzt schon wieder geschlossen. Krummesse ist besser versorgt als Berkenthin. In Berkenthin ist die Situation sehr schwierig, obwohl der Ort auf Touristen eine große Anziehungskraft hat. Da Meiers Gasthof auch im Sommer in der Woche nachmittags geschlossen hat, bleibt den Touristen nichts weiter als das Stehcafe bei Markant. Das ist für einen Ort, der sich touristisch entwickeln will, ein Unding.

BB: Wie soll es dann weitergehen? Welche Visionen gibt es? Der Hof Villuhn, am Kanal gelegen, war eine Überlegungen?

RPF: Ich war schon einige Male mit Bürgermeister Speth in dieser Sache unterwegs bzw. wir haben uns in dieser Sache zu Gesprächen getroffen. Vielleicht finden wir ein Unter-nehmen, das dies verwirklicht. Oder man müsste ein solches Projekt fördern, aber dann sind wir wieder bei unserem alten Problem - womit denn? Uns fehlen die finanziellen Mittel. Aber ich bleibe dabei, wenn sich die Region touristisch weiter entwickeln soll, brauchen wir ein solches Cafe in Berkenthin.

Neben dem Fahrradverleih gibt in diesem Zusammenhang ja auch noch ein Problem mit der Herausgabe der Beschei-nigungen und den Stempeln der Permanenten Wanderwege. Da Meiers Gasthof nicht immer geöffnet hat, stehen die Wanderer dann vor verschlossenen Türen. Übrigens hat die Einrichtung der Permanenten Wanderwege nachweislich zu messbaren Erfolgen bei Essen, Trinken und Über-nachtungen geführt. Gerd Bockholdt, der die Permanenten Wanderwege in Berkenthin und Krummesse eingerichtet hat, kann das mit Zahlen bestätigen.

BB: Vor einigen Jahren war ein Kanalmuseum mit Standort in Berkenthin im Saal Meier ein Anlass zu Überlegungen

RPF: Ich beschäftige mich seit dreißig, seit vierzig Jahren mit Museen. Museen im herkömmlichen Sinne sind tot, auch Herr Packheiser in Mölln hat Schwierigkeiten, das Museum am Markt in Mölln zu füllen. Ein Kanal-Museum im herkömmlichen Sinne, so wie die Älteren es kennen, auf einem Bauernhof oder anderswo einzurichten, würde nicht angenommen werden. Ein gutes Beispiel für ein neues Konzept ist das Kap Arkona Museum auf Rügen. Auch das in Lübeck geplante Hansemuseum soll nach einem neuen Konzept aufgebaut werden.

Lebendige Museen sind wichtig und werden gut besucht. Auch das Museum „Vergessene Arbeit“ z. B. in Steinhorst ist deshalb erfolgreich. Zudem steht eine Truppe von Bürgern dahinter, die ehrenamtlich arbeiten.

Die Lebendigkeit beim Bau des Prahms in Berkenthin ist vergleichbar, wir haben viele Bürger eingebunden, die etwas Handwerkliches „tun“ wollten und sich für die Sache engagiert haben.

Wir hatten viele Besucher, die Günter Schewe und ich dann auch am Sonntag herumgeführt haben. Die Besucher konnten sich mit den Erbauern unterhalten, es wurde zum Teil platt gesprochen. Es gab viele witzige Typen bei den Bootsbauern. Da war Leben drin. Wir hatten an einem Tag einmal über 280 Besucher. Anfangs wurde überlegt, ob wir beim Bau des Prahms auch mit Ein-Euro-Kräften arbeiten könnten. Das wäre aber sehr, sehr viel teurer geworden. Dann kam der Bürgermeister Speth auf die Idee, Leute zu suchen, die ehrenamtlich mitarbeiten. Alle haben gesagt, mit Ausnahme des Bürgermeisters, das klappt nie. Aber überraschend hat es dann doch schon beim ersten Einsatz gut geklappt.

BB: Gibt es ein neues Projekt, das sie planen?

RPF: Für das nächste Jahr ist geplant, einen Film über die Region zu drehen, wobei das noch nicht ausgereift ist. Es gibt noch zwei weitere Projekt-Ideen, den Nachbau einer mittelalterlichen Handelsstation mit Tieren und Handwerkern oder auch den Nachbau einer mittelalterlichen Schleuse parallel zum Kanal, im Modell Maßstab z.B. 1:25.

BB: Herr Frischmann, Stichworte Tourismus und Naturschutz. Gibt es dazu Angebote, z.B. Führungen am Kanal bzw. in der Stecknitz-Region?

RPF: Wir hatten in der Mai-Ausgabe der Stecknitz-Post Angebote zu Kräuterwanderungen. Man könnte auch Angebote für ältere Menschen oder für Familien mit Kindern entwickeln, z.B. organisierte Radtouren. Wir haben ja hier nun ein Paradies, was Radwege angeht. Und der Kanalwanderweg wird jetzt mit 3 *** vom ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrradclub) zertifiziert; es wird überlegt, die 4**** zu erreichen. Auch könnte man Touren von Lüneburg bis Lübeck organisieren, entlang des Kanals.

BB: Ist der Kanalweg nach dem Fällen der Bäume überall wieder gut hergestellt?

RPF: Ich gehe davon aus, es gibt aber Stimmen, die sagen er müsse asphaltiert werden. Andere wiederum meinen, dass er so wie er jetzt ist, in einem zufrieden stellenden Zustand sei. Unser Abschnitt in der Stecknitz-Region ist in einem sehr guten Zustand.

BB: Spielt der öffentliche Nahverkehr für den Tourismus eine Rolle?

RPF: Er spielt schon eine Rolle, Familien kommen oft mit dem Auto an, aber es gibt es auch Personen oder Paare, die kein Fahrzeug fahren und dann auf das Fahrrad oder auf den öffentlichen Naheverkehr zurückgreifen.

BB: Bieten die Schleusen in Berkenthin und Krummesse nicht auch Möglichkeiten zur Besichtigung?

RPF: Wir hatten einmal Abiturienten hier, die unter Führung von Walter Koop die Berkenthiner Schleuse besichtigten. Wenn wir jetzt noch eine mittelalterliche Schleuse, eine Stauschleuse als Modell hätten, könnte man im Vergleich einige grundlegende Prinzipien bzw. Möglichkeiten erläutern. Das Interessante an den beiden Schleusen ist, dass sie mit keiner oder wenig Energie auskommen. Diese beiden Schleusen sind einzigartig und technische Sehenswürdigkeiten. Dazu noch einige Gedanken.

Als ich hier anfing, haben bestimmt viele gesagt, der Frischmann spinnt mit seinen Ideen, mit seinen Visionen. Es gibt ja auch den Spruch von Helmut Schmidt, der gesagt hat „Wer Visionen hat, der soll zum Arzt gehen“. Wer eine touristische Entwicklung angehen will, muss Visionen haben. Das Cafe, das Schleusenmodell und die mittelalterliche Handelsstation zählen dazu.

Ich glaube, dass es auch notwendig ist, weil wir zu wenig an Sehenswürdigkeiten haben. Klar, wir haben die schönen Kirchen, wir haben die Natur, wir haben Herrenhäuser, aber sonst haben wir nicht viel. Wir könnten den Tourismus entwickeln nach dem Motto  „Lebendige Vergangenheit“, so an die Geschichte erinnern, an die Geschichte des Kanals. Wir möchten, dass die Menschen zu uns kommen, weil wir etwas Interessantes haben, das sie sich ansehen können. Wandeln durch die Geschichte auf den Spuren der Vergangenheit und der Vorfahren, etwas Lebendiges, das auch die Besucher auffordert, mitzumachen.

Burkhard Schmidt in Krummesse möchte z. B. die Figur des Mundschenks wieder aufleben lassen. Dieses Jahr haben wir die Idee des Treidler-Patents gehabt und haben am Tag des Denkmals im September über 20 Patente vergeben. Menschen, die vorbei kamen, haben sich spontan entschlossen, dieses Patent zu erwerben.

BB: Haben Sie Wünsche an die politische Gemeinde?

RPF: Etwas mehr Aufgeschlossenheit, wenn es um visionäre Ideen geht. Als ich hier herkam, wurde gesagt, Tourismus brauchen wir nicht, Fahrradverleih brauchen wir nicht. Ich fühle mich hier sehr wohl und schätze die Menschen hier, aber sie sind gegenüber neuen Ideen nicht unbedingt gleich aufgeschlossen. Das ist nicht parteienbezogen, das geht sicher durch alle Fraktionen. Manchmal bekomme ich Besuch von Bekannten und Verwandten, die mehr städtisch geprägt sind. Sie stehen am Kanal und sagen „Mein Gott, habt Ihr das hier schön“. Sie empfinden das hier als ein Stück heile Welt. Naturbelassen, verschlafen... Das ist nicht negativ gemeint. So etwas wollen die Menschen im Urlaub haben. Da sehe ich Chancen für unseren Tourismus.

BB: Hier Frischmann, ich danke Ihnen für das Gespräch.

 

 


 

 
ÖPNV Streckenplan Berkenthin

  Steckenplan ÖPNV Hsg. SPD Berkenthin

Wetter in Berkenthin
Gabi Hiller-Ohm, MdB

Kathrin Wagner-Bockey