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Volker Peters

Aus aktuellem Anlass standen vom Vorstand der Bürgervereinigung gegen die Giftmülldeponie Rondeshagen — Groß Weeden e.V. Volker Peters, Berkenthin (VP) und Kersten Brüggmann, Düchelsdorf (KB), Werner Rosche und Michael Grönheim vom Berkenthiner Boten (BB) Rede und Antwort.


BB: Frau Brüggmann und Herr Peters – können die Transporte gestoppt werden?


VP: Derzeit haben wir nur einen Verschnaufpause erreicht. Die Transporte sind vorerst ausgesetzt, bis das zuständige Umweltministerium mit Frau Dr. Rumpf an der Spitze sowie ihr Staatssekretär Rabius ein in Auftrag gegebenes eigenes Gutachten erhalten und ausgewertet haben. Das ist ja bereits ein großer Fortschritt, da bis vor wenigen Tagen das Ministerium sich ausschließlich auf die doch fragwürdige Expertise aus Niedersachsen gestützt hat.
 

KB: Für mich entsteht der Eindruck, als hätte sich die Umweltministerin zu Anfang überhaupt nicht mit der Thematik Asbesttransport befasst. Sie übernahm einfach die Argumente aus Niedersachsen und wunderte sich dann, dass das Medienecho eindeutig negativ war. Ich bin überzeugt, dass ihr Meinungswandel auch etwas mit unseren Protesten hier vor Ort zu tun hat. Hinzu kommt die sehr gut besuchte Informationsveranstaltung mit unseren Experten Dr. Hermann Kruse, Toxikologe an der Uni Kiel und Klaus Koch vom Umweltnetzwerk Hamburg. Und dann unser Protestmarsch am ersten Advent mit über 1.000 Teilnehmern.
 

VP: Für die BI möchte ich hier auch erwähnen, dass alle politischen Gruppierungen bei uns vor Ort und auf Amtsebene und auch auf Kreisebene an einem Strang gezogen haben. Ohne die logistische Organisation und Mann- und Frauenpower hätten wir den Protestmarsch in der Kürze der Zeit selbst nicht hinbekommen. Dafür bedanken wir uns ausdrücklich! Was die Haltung der Landespolitik anbelangt, wird man abwarten müssen, ob sie in ihrer Ablehnung der Transporte Kurs halten werden. Immerhin haben wir alle betroffenen norddeutschen Landesparlamente mit dem nötigen Hintergrundwissen versorgt.


BB: Die BI kämpft seit über 30 Jahre gegen die Deponie KB: Ende der 1970er Jahre wurde Rondeshagen als ein Standort für eine Sondermülldeponie „auserkoren“. Zum damaligen Zeitpunkt existierte die vorherige dort befindliche Ziegelei nicht mehr und war aufgegeben worden. Aufgrund des tonhaltigen Untergrunds entschied man sich dann für Groß-Weeden. Schon damals gab es eine Vorläufer-Bürgerinitiative.


VP: Die BI in der jetzigen Konstellation formierte sich Ende der 1980er Jahre, hauptsächlich weil aufgrund eines Umweltunfalls an der A1 verseuchte Erde mit Kresol in Rondeshagen eingelagert werden sollte. Der damalige Umweltminister Heydemann sprach von einer Zwischenlösung, ein Endlager sollte kurzfristig gefunden werden. Dies erinnert mich doch sehr an die nicht gelöste Endlagerung von Atommüll.
 

KB: 1994 wurde dann eine Erweiterung der Deponie geplant. Dazu sollte der Ausbau auf der Fläche Richtung Kastorf / Bliestorf erfolgen. Es kam zu ersten großen Protesten, ebenfalls mit einem Protestmarsch über die Bundesstraße. Danach hatten wir relativ eine lange Zeit Ruhe, die aber in 2008 wieder in große Proteste mündete, als der Deponiebetreiber eine Befeuchtungsanlage in Rondeshagen plante, um trocken eine Anlieferung von Filtergasstäuben zu ermöglichen, die erst vor Ort dann befeuchtet werden sollten. Auch dies konnten wir erfolgreich verhindern.


BB: Wie ist dann das Verhältnis zum Betreiber der Deponie?


VP: Nach 2008 konnten wir uns endlich mit unserer Forderung nach Wiedereinsetzung eines Deponiebeirats durchsetzen. Dieser hat in den vergangenen drei Jahren auch regelmäßig getagt. Es war und es bleibt ein Fortschritt, diesen Beirat eingerichtet zu haben. Wir haben uns tatsächlich regelmäßig getroffen und  Einblicke in die Abläufe und teilweise auch Geschäfte der Deponie erhalten, die wir ansonsten nie bekommen hätten. Mit Blick auf die derzeit schon anstehenden Asbesttransporte haben wir allerdings auf unsere Anfrage hin noch vor wenigen Monaten nur nebulöse Auskünfte erhalten. Man befinde sich noch im Wettbewerb und könne deshalb zu dem Ob und Wie noch nichts sagen. Hier sind wir offensichtlich bewusst getäuscht worden, zumal wir keine andere Möglichkeit hatten, uns über den Stand der Verhandlungen zu informieren. Auch über das Ausmaß und die Risiken des Transportes mussten wir uns später über andere Kanäle informieren. Hier ist sicherlich aufgebautes Vertrauen missbraucht worden. Die Idee des Beirats war, die Geschäfte der Deponiebetreiber eng und kritisch zu begleiten, damit die Deponie im Rahmen der geltenden abfallrechtlichen Bestimmungen möglichst schnell und sicher verfüllt wird. Dieser Ansatz bleibt grundsätzlich nach wie vor richtig. Die Fortsetzung des Dialogs, der sicherlich auch auf gegenseitigem Vertrauen basierte, dürfte allerdings nach den Erfahrungen der letzten Wochen äußerst schwierig werden. Sicherlich wird man über vieles neu nachdenken müssen.

BB: Frau Brüggmann, Herr Peters, wir bedanken uns für das Gespräch.
 

 
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