Politik hei├čt: etwas wollen!

Veröffentlicht am 03.03.2012, 14:08 Uhr     Druckversion

Foto: Franz Th├Ânnes, MdB 25 Jahre Olof-Palme-Friedenspreis - Rede von Franz Th├Ânnes, MdB

Gestern Abend bin ich mit dem im Januar neu gew├Ąhlten Vorsitzenden der schwedische Sozialdemokraten, Stefan L├Âfven, in Berlin zusammenzukommen und er berichtete mir dar├╝ber, dass die schwedische Sozialdemokratie heute am 26. Jahrestag ihres ermordeten ehemaligen Vorsitzenden und Ministerpr├Ąsidenten Olof Palme gedenkt.Dem Namensgeber des Friedenspreises, den der SPD-Kreisverband Stormarn seit nun einem Vierteljahrhundert vergibt.

Am Abend des 28. Februar 1986 besuchten Olof Palme und seine Frau das Kino Grand in Stockholm. Nach der Vorstellung gingen beide zur U-Bahn. Hier wurde zweimal von einem Mann auf sie geschossen. Olof verstarb an seinen Verletzungen. Der M├Ârder konnte fliehen. Bis heute blieb die Tat ungekl├Ąrt.

Wie ein Lauffeuer verbreitete sich Olofs Tod um die ganze Welt. Am Morgen des 1. M├Ąrz 1986 standen wir gemeinsam am Info-Stand der Sozialdemokraten auf dem Ahrensburger Marktplatz und warben um Stimmen f├╝r die Kommunalwahl am Sonntag. Es gab nur ein Thema: Die Ermordung des schwedischen Ministerpr├Ąsidenten, in dem bis dahin so friedlich geglaubten Land. Wir alle waren schockiert!

So wie mich Willy Brandt zur SPD brachte, so begeisterte mich damals Olof Palmes Politik f├╝r Freiheit und soziale Gerechtigkeit in einer friedlichen Welt sowie das Modell des schwedischen Wohlfahrtsstaats. Mit seinen Worten: ┬äPolitik hei├čt: etwas wollen. Sozialdemokratische Politik hei├čt: Ver├Ąnderungen wollen, weil Ver├Ąnderungen Verbesserungen verhei├čen, weil sie Phantasie und Handlungskraft n├Ąhren, Tr├Ąume und Visionen anregen," beschrieb er kurz sein ┬äWollen".

Seine Sicht der Welt war gepr├Ągt von dem Glauben an die Demokratie, die Gleichheit und die Freiheit des Individuums. Revolution├Ąren Ver├Ąnderungen stand der Pragmatiker Palme skeptisch gegen├╝ber: ┬äDie Revolution l├Âst nichts, am Morgen nach der Revolution beginnt wieder der Alltag der Probleme." formulierte er einmal. Schweden wurde durch ihn moderner. Es wurde gleicher. Die Unterschiede beim Einkommen glichen sich an und das Niveau der Bildung stieg. Die betriebliche Mitbestimmung wurde ausgebaut und die Gleichstellung der Geschlechter nach und nach verwirklicht. Elternzeit, Elterngeld, Ausbau staatlicher Kinderbetreuung. Das alles waren Themen lange bevor sie bei uns auf die Tagesordnung kamen.

Seine Vision formulierte der aus dem Gro├čb├╝rgertum Schwedens stammende Palme u.a. wie folgt: ┬äDer Sozialismus ist eine Freiheitsbewegung. Unser Ziel ist Freiheit, soweit wie m├Âglich, vom Druck der ├Ąu├čeren Verh├Ąltnisse, Freiheit f├╝r den einzelnen Menschen, seine Eigenart zu entwickeln. Wahlfreiheit f├╝r das Individuum, sein Dasein nach den eigenen W├╝nschen zu formen."

Er war Optimist wenn es um den technischer Fortschritt und den Zukunftsglauben ging. F├╝r ihn gab es die Formel ┬äModernit├Ąt + Gleichheit = Freiheit"! Mit Worten wie ┬äUnsere Kinder sind die einzige Verbindung zur Zukunft - eine andere gibt es nicht", r├╝hrte er an die Herzen der Menschen.

Mit seiner engagierten Au├čenpolitik pr├Ągte Olof Palme wie kein anderer das Bild Schwedens. Er kritisierte die USA wegen ihrer Vietnampolitik und ebenso deutlich die sowjetische Interventionspolitik in Osteuropa. Er war UN-Vermittler im Iran-Irak-Krieg. Hinzu kamen internationale Abr├╝stungsinitiativen, wie der Bericht ┬äCommon Security" aus der nach ihm benannten Kommission. Dieser Report war so realistisch und konkret, dass sich Ronald Reagan und Michail Gorbatschow, als sie 1986 auf Island zu Abr├╝stungsgespr├Ąchen zusammenkamen, hierauf st├╝tzen konnten.

Dar├╝ber hinaus pr├Ągte Olof Palme mit engen pers├Ânlichen Beziehungen zu Willy Brandt und Bruno Kreisky sowie den Themen ┬äEntspannung", ┬äUnterst├╝tzung der Befreiungsbewegungen in der Dritten Welt" sowie ┬äAbr├╝stung" ┬ädas sozialdemokratische Gesicht" in Europa und die sozialistischen Internationale. Und ich glaube gerade heute, angesichts unserer Sorgen um den Zusammenhalt von Europa, dem Kampf gegen den internationalen Finanzkapitalismus und den kriegerischen Auseinandersetzungen in der Welt w├Ąre so ein ┬äsozialdemokratisches Gesicht" f├╝r eine starke und internationale Zusammenarbeit wieder wichtig!

Damals ├╝berlegte ich, was man tun k├Ânne, um seinen Namen f├╝r die Zukunft auf regionaler Ebene zu ehren und Menschen, die sich im Sinne seines Lebenswerkes f├╝r andere engagieren zu w├╝rdigen sowie andere zum Nachmachen anzuregen. Als die Delegierten des kurze Zeit sp├Ąter stattfindenden Stormarner SPD-Kreisparteitages mich 1986 in Glinde zum Kreisvorsitzen-den w├Ąhlten, verk├╝ndete ich ohne Abstimmung, dass die SPD Stormarn k├╝nftig j├Ąhrlich einen ┬äOlof-Palme-Friedenspreis" vergeben w├╝rde. Ich wusste noch nicht, wie wir das organisieren, geschweige denn bezahlen.

Doch bei drei Landtags- und zwei Bundestagsabgeordneten hatte ich die Zielgruppe schon im Auge. Ohne zu ahnen, dass ich sp├Ąter einmal selbst dazu geh├Âren sollte.

Dann wurde ein Kuratorium gesucht. Als ich Egon Bahr die Idee und den Vorsitz antrug fand ich sehr schnell Zustimmung. Der ehemalige Bischof und Generalsekret├Ąr von Amnesty International Helmut Frenz nahm meine Bitte ebenfalls an. Hinzu kam unsere Genossinnen Gr├Ąfin Gisela v.d. Goltz aus Reinbek und Uschi K├Ąhler aus dem Schleswig-Holsteinischen Landtag sowie Propst Karl-Ludwig Kohlwaage. Ihnen allen bin ich ebenso wie den dann folgenden Mitgliedern der Kuratorien dankbar f├╝r die Grundsteinlegung und die weitere Arbeit in den letzten 25 Jahren.

Ebenso gilt ein gro├čer Dank den genannten Finanziers des Preises, zu denen sp├Ąter noch ├╝ber das Kuratoriumsmitglied Heide Moser die Walther-Jacobsen-Gesellschaft hinzu kam.

Ein Dankesch├Ân geb├╝hrt auch allen SPD-Kreisvorst├Ąnden, die diese inzwischen zur Tradition gewordene Institution fortf├╝hrten.
Und auch zu ihrer Finanzierung beitrugen.

Nat├╝rlich geb├╝hrt gleichfalls auch all den Menschen, Initiativen, und Gruppen im Kreis Stormarn Dank, die sich unerm├╝dlich f├╝r andere und damit ganz im Sinne des Lebenswerkes von Olof Palme engagiert haben und dies auch heute tun.

Dazu geh├Ârt es selbstverst├Ąndlich ebenso den Festrednern aller Preisverleihungen Danke zu sagen, die uns mit Ihren Ausf├╝hrungen bereichert und angeregt haben. Sicher bin ich mir, dass dies auch heute mit dem 1. B├╝rgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, Olaf Scholz, wieder so sein wird.

Alles Gute f├╝r den Olof-Palme-Friedenspreis auf dem Weg zum 50. Jubil├Ąum. Und nicht vergessen: ┬äPolitik hei├čt: etwas wollen!"

Homepage: SPD-Stormarn


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Dr. Nina Scheer, MdB

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