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Schulen in Schleswig-Holstein sollen Lehrkräfte nun selber aussuchen: Gut! Aber

Veröffentlicht am 04.02.2011, 15:41 Uhr     Druckversion

Ulf Daude Ulf Daude, stellvertretener Landesvorsitzender der AfB (Arbeitsgemeinschaft für Bildungsfragen), kommentiert das neue Einstellungsverfahren von Lehrkräften: Das Bildungsministerium gestattet den Schulen in Schleswig-Holstein nun nach Prüfung durch das Ministerium Stellen für Lehrerinnen und Lehrer selber auszuschreiben und vorbehaltlich dessen Mitsprache ihre Wunschbesetzung auch einstellen zu lassen.
Dieser Schritt in die moderne Welt und die einheitliche Vorstellung der Stellenangebote im Internet sind grundsätzlich sehr zu begrüßen.

Allerdings ist dies wohl mehr ein Luftballon, der in der Praxis platzen wird, wenn nicht einige wichtig(er)e Fragen für den Einstieg in den Beruf der Lehrerin und des Lehrers in Schleswig-Holstein verlässlich geklärt werden:

Was passiert durch das neue Einstellungsverfahren mit Schulen im ländlichen Raum oder in Randlagen von Schleswig-Holstein?

Diese Schulen sind strukturell benachteiligt, brauchen aber trotzdem gute Lehrerinnen und Lehrer, um die gewachsenen Strukturen Schleswig-Holsteins zu erhalten. Bisher wurde den Bewerberinnen und Bewerbern, auch wenn sie nicht an ihre Wunschschule oder Wunschort gehen konnten, aus dem Ministerium weitere Angebote unterbreitet.

Nun konkurrieren diese Schulen nicht nur mit den anderen Schulen in Schleswig-Holstein, sondern auch mit allen anderen Schulen in Deutschland.

Was können unsere Schulen aber bieten, wenn sie außer der Einstellung und dem Schulprogramm keinen Anreiz für eine Arbeit an einem nicht ganz so attraktiven Ort bieten können?

Und wer behält den Überblick über die Stellenbörse und kümmert sich um die Versorgung von Schulen in einem schwierigeren Umfeld? Denn das gleiche Problem gilt für Schulen in städtischen Brennpunktquartieren.

Können mit dem neuen Verfahren wirklich neue Kolleginnen und Kollegen für unsere Schulen angeworben werden?

Auch wenn Herr Klug sagt, dass uns andere Bundesländer schon einige Leute weggeschnappt haben – Wird uns das wirklich helfen, mehr grundsätzlich guten Nachwuchs für hochwertige Schulen zu bekommen? Ich denke kaum. Im Bundesvergleich zahlt Schleswig-Holstein gerade für die Kolleginnen und Kollegen an Grund- und Regionalschulen (die „ehemaligen“ Grund- und Hauptschul- sowie Realschullehrkräfte) die geringsten Gehälter und verlangt je nach Vergleich die gleiche bzw. mehr Arbeit.

Wir brauchen also eine Anpassung der Gehalts- und Arbeitsbedingungen an unser neues Schulsystem. A13 als Einstiegsgehalt für alle Lehrkräfte bei 24 Stunden Unterrichtsverpflichtung wären hier ein echter Schritt nach vorne, denn wer kommt zu uns bzw. bleibt hier, wenn er in Zeiten von Nachwuchsmangel schon in Hamburg oder Bremen mehr Geld für weniger Belastung bekommt?

Wenn wir dann auch noch die bei uns in Flensburg und Kiel ausgebildeten Lehrkräfte nicht langfristig halten können, entsteht ein wahnsinniges Minusgeschäft!

Was ist mit Extraarbeit für die Schulen?

Eine zentrale Frage ist auch, wie die Schulleitungen die neuen Aufgaben leisten sollen. Es ist natürlich gut, sich die passenden Leute selber auszusuchen. Gegenüber dem bisherigen Verfahren müssen die Schulleitungen aber viel mehr Arbeitszeit in die Umsetzung (Ausschreibung, Bewerbungen sichten, Gespräche etc.) stecken. Woher soll diese kommen? Bekommen die Schulen dafür zusätzliche Entlastungsstunden oder neue VerwaltungsmitarbeiterInnen?

Was ist mit der Lehrerausbildung?

Das Kernproblem unseres Nachwuchsmangels ist immer noch die Ausbildung der Lehrkräfte in Schleswig-Holstein. Bevor wir über die Einstellung nachdenken können, müssen wir erst einmal eine hochwertige und an das neue Schulsystem angepasste Ausbildung anbieten. Wer schlägt denn noch den Weg z.B. eines Realschullehrers ein, wenn er genau weiß, dass die Schulart bundesweit abgeschafft wird?

Vielmehr brauchen wir eine Lehrerausbildung, die in einer ersten Phase allgemein für die Mittelstufe ausbildet und in einer zweiten Phase eine Spezialisierung zu Grundschul-, Sekundarstufe1- oder Sekundarstufe2-Lehrkräften stattfindet.

Alles nur Ablenkung?

In diesem Sinne gibt es leider noch zu viele wichtig(er)e offene Fragen, die leider durch die Vorstellung des neuen Einstellungsverfahrens im Schnellschuss nicht beantwortet werden. Ob diese Arbeitsweise zu Vertrauen bei den neuen Bewerberinnen und Bewerbern beiträgt?

Eine verantwortungsvolle Landesregierung hätte sich auf jeden Fall nicht nur auf Luftballons spezialisiert, sondern zumindest gleichzeitig ein Konzept für das neue Schulsystem und dessen angehende und bestehende Mitarbeiter mitgeliefert.

Oder ist die auch nur wieder ein Versuch mit vordergründig guten Meldungen von dem Desaster mit dem neuen Schulgesetz und der übrigen Bilanz dieser schwarz-gelben Landesregierung abzulenken?

Homepage: SPD-Landesverband


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