Schlechte Ergebnisse bei den Mathe-Pr├╝fungen

Veröffentlicht am 16.07.2018, 16:27 Uhr     Druckversion

Mehr als 10.000 Schülerinnen und Schüler an Gemeinschaftsschulen betroffen:

 

Die Ergebnisse der schriftlichen Prüfung in Mathematik für den Ersten (ESA) und Mittleren Schulabschluss (MSA) sind in diesem Jahr eingebrochen, liegen mit einem Schnitt von 3,9 mehr als eine halbe Note unter den Ergebnissen der Vorjahre. Schülerinnen und Schüler wandten sich ebenso wie Lehrkräfte an Landtagsabgeordnete und die Öffentlichkeit – auch das Fernsehen berichtete. Martin Habersaat, Landtagsabgeordneter aus Reinbek und bildungspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion: „Natürlich kann es in Einzelfällen mal zu schlechten Ergebnissen kommen. Wenn es aber einen landesweiten Einsturz gibt, ist das Problem grundsätzlicher Natur. Wir wollen herausfinden, ob und welche Fehler im Bildungsministerium oder anderswo passiert sind. Klar ist: Die bisherigen Antworten reichen uns nicht.“

Eine Kleine Anfrage (Drucksache 19/805) der SPD-Mitglieder im Bildungsausschuss, Martin Habersaat, Kai Vogel und Heiner Dunckel, ergab jetzt: 55,8% der ESA- und 69,6% der MSA- Prüflinge haben nach aktuellem Stand der Auswertungen im Test Ergebnisse erzielt, die um mindestens eine Note von der Vornote abwichen. Kai Vogel, vor seinem Einzug in den Landtag stellvertretender Schulleiter einer Gemeinschaftsschule im Kreis Pinneberg: „Abschlussnoten entscheiden über Lebenschancen. Jeder Pädagoge weiß, dass es so etwas wie objektive Leistungsbewertungen nicht gibt. Was es aber geben muss, sind Fairness und Chancengleichheit. Davon kann sicher keine Rede sein, wenn der Landesdurchschnitt bei Mathematikklausuren nur knapp oberhalb einer Vier liegt und über 10.000 Schülerinnen und Schüler betroffen sind.“

 

Die Chronologie der Ereignisse

Bereits am 31. Mai, noch vor Auswertung aller Ergebnisse, gab das Bildungsministerium in einer Pressemitteilung, die mit einem Begleitschreiben des Abteilungsleiters auch allen betroffenen Schulen zugesandt wurde, bekannt, dass die Mathematik-Prüfungen zum Ersten Allgemeinbildenden Schulabschluss und zum Mittleren Schulabschluss in diesem Jahr bemerkenswert schlecht ausgefallen sind. Einen solchen Einbruch hatte es in Mathematik noch nicht gegeben. Martin Habersaat: „Das Bildungsministerium nennt dafür drei Gründe: die Zusammensetzung der Schülerschaft, eine ‚möglicherweise zu geringe Vorbereitung auf anders gewichtete Aufgabentypen‘ und erhöhte Prüfungsanforderungen - mit anderen Worten: Die Schülerinnen und Schüler, die Lehrkräfte und die Vorgängerregierung sollten Schuld sein.“ So eine Darstellung sei einer verantwortungsbewussten Bildungsministerin nicht würdig, und was der Wirtschaftsminister zur Debatte beigetragen habe, zeuge von offensiver Nichtbefassung mit der tatsächlichen Lage.

Nur auf Antrag der SPD (Umdruck 19/1067) berichtete die Bildungsministerin dem Bildungsausschuss, flankiert von Staatssekretärin und weiteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Ministeriums. „Das Bildungsministerium hat im Bildungsausschuss viel erklärt, aber keine Klarheit geschaffen – insbesondere nicht für die Schülerinnen und Schüler, deren Prüfungsergebnisse in Mathematik in diesem Jahr um 0,4 - 0,6 Noten schlechter lagen als im Vorjahr“, so lautete das Fazit von Kai Vogel. Zwar hat das Ministerium eine Untersuchung über die Ursachen des Einbruchs 2018 gestartet, belastbare Ergebnisse lagen aber noch nicht vor. Immerhin eine Erkenntnis gab es: Tatsächlich hatte Frau Priens Vorgängerin Britta Ernst (SPD) die Anforderungen erhöht, indem der Prüfungsteil zu den Funktionen seit 2017 nicht mehr abwählbar ist. Vogel: „Der Einbruch kam aber 2018, nicht 2017.“

Zwischenzeitlich lud das Bildungsministerium die bildungspolitischen Sprecherinnen und Sprecher der Landtagsfraktionen zur Einsicht in die Klausuren ins Bildungsministerium ein; angesetzt für diesen Termin waren sage und schreibe 30 Minuten. Martin Habersaat: „Uns hatten beispielsweise Hinweise erreicht, dass die Aufgabe ‚B3 Funktionen‘ in der MSA- Abschlussarbeit Mathematik 2018 besonders problematisch gewesen sei, kritisiert wurde an anderer Stelle auch die Vielzahl aufeinander aufbauender Ergebnisse. Um das qualifiziert zu beurteilen, brauchen wir die landesweiten Ergebnisse nach Aufgabenteilen, die uns das Ministerium noch nicht vorlegen konnte.“ Das Gutachten zu den Klausuren, das im Vorfeld eine Professorin der Pädagogischen Hochschule Weingarten erstellt hatte, wurde den Abgeordneten allerdings weder im Ministerium noch in der Antwort auf die Kleine Anfrage vorgelegt.

Fazit: „Das Thema ist durch diese Einsichtnahme nicht beendet; das Kind ist für dieses Schuljahr in den Brunnen gefallen. Auch wenn das Ministerium viele Antworten in die Sommerpause verschleppt hat, werden wir auf diese Prüfungen zurückkommen und tatsächliche Transparenz vom Ministerium verlangen müssen.“

Homepage: Martin Habersaat, MdL


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