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Kalenderblatt Februar 2012

Im Kalenderblatt erinnern wir monatlich an Personen und Ereignisse, die (nicht nur) für unsere Partei von Bedeutung waren

25. Februar 1932 - vor 80 Jahren:

Hans Apel wird in Hamburg geboren

Im Februar-Kalenderblatt erinnern wir an Hans Apel, von 1974 bis 1978 Bundesfinanzminister und von 1978 bis 1982 Bundesverteidigungsminister unter Bundeskanzler Helmut Schmidt.

Hans Apel 1978 (Copyright: Bundesarchiv / Lothar Schaack)

Hans Apel wurde am 25. Februar 1932 in Hamburg geboren. Nach einer kaufmännischen Lehre studierte er in Hamburg Wirtschaftswissenschaften, u. a. bei Prof. Karl Schiller, dem späteren sozialdemokratischen Wirtschaftsminister.

Hans Apel trat 1955 in die SPD ein, um - wie er später oft betonte - die Partei in ihrem Kampf gegen die geplante Wiederbewaffnung (Aufstellung der Bundeswehr ab 1956) zu unterstützen. Sein Vater, Soldat im 2. Weltkrieg, hatte ihn nach dem Tode seiner Mutter 1946 allein erzogen und ihn durch seine Erzählungen über den Krieg zum Gegner einer neuen deutschen Armee gemacht.

1958 wurde Hans Apel zum Sekretär der sozialistischen Fraktion im Europaparlament, zuständig für Verkehrspolitik, ernannt und 1962 verbeamtet. Seine Zuständigkeit erstreckte sich dann auf alle Fragen der europäischen Wirtschafts- und Finanzpolitik.

Er selbst bekannt später häufig, dass ihm nach insgesamt sieben Jahren "in Europa" die Arbeit als Beamter dort nicht mehr zusagte, und so wurde er von der SPD in Hamburg-Nord als Direktkandidat zur Bundestagswahl 1965 nominiert. Gleichzeitig übernahm er von 1965 bis 1970 ein Mandat als Abgeordneter im Europaparlament. 1969, nach erfolgreicher Wiederwahl in den Bundestag, wählte ihn die SPD-Fraktion zu einem der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden unter Herbert Wehner. Zusätzlich übernahm er den Vorsitz des Verkehrsausschusses des Deutschen Bundestags.

1970 wurde Hans Apel Mitglied im Bundesvorstand der SPD.

1972 trat er als Parlamentarischer Staatssekretär in die Bundesregierung ein und übernahm den Bereich Europapolitik im Bundesaußenministerium unter Walter Scheel.

Nach dem Rücktritt Willy Brandts als Bundeskanzler im Mai 1974 berief Helmut Schmidt Hans Apel als Finanzminister ins Kabinett. 1978 schließlich wechselte Hans Apel in das Amt des Verteidigungsministers als Nachfolger von Georg ("Schorsch") Leber, der wegen einer Spionageaffäre in seinem Ministerium zurückgetreten war. Zeitweise wurde Hans Apel als möglicher Nachfolger ("Kronprinz") Helmut Schmidts als Bundeskanzler gehandelt.

Mit dem Regierungswechsel 1982 von Helmut Schmidt zu Helmut Kohl verlor auch Hans Apel sein Ministeramt und wurde erneut zu einem der stellvertretenden Vorsitzenden der SPD-Fraktion im Bundestag gewählt, zuständig für den Bereich "Öffentliche Finanzwirtschaft".

1984 kandidierte Hans Apel in Berlin um das Amt des Regierenden Bürgermeisters gegen Eberhard Diepgen und unterlag deutlich; er verzichtete auf eine Funktion im Berliner Abgeordnetenhaus und setzte seine Arbeit in der Bundestagsfraktion fort. 1984 wurde er in das SPD-Präsidium gewählt, verzichtete allerdings nach dem Bundesparteitag 1986 auf eine Wiederwahl in dieses Gremium.

Bei der Bundestagswahl 1987 verlor Hans Apel erstmals seit 1965 seinen Wahlkreis gegen den CDU-Gegenkandidaten Dirk Fischer, zog aber über die Hamburger Landesliste erneut in den Bundestag ein.

Auf dem Bundesparteitag 1988 wurde Hans Apel nicht wieder in den Parteivorstand gewählt, er legte daraufhin seine Ämter als stellvertretender Fraktionsvorsitzender und Vorsitzender des Arbeitskreises Öffentliche Finanzwirtschaft nieder und schied zur Bundestagswahl 1990 aus dem Parlament aus.

Dieser kurze Lebenslauf - auf eine Aufzählung seiner vielen Tätigkeiten nach seiner politischen Karriere in der Wirtschaft und in der akademischen Lehre sowie sein Engagement in der Kirche muss hier aus Platzgründen verzichtet werden - erklärt deutlich, weshalb Hans Apel mit Fug und Recht als "Parteisoldat" (im positiven Wortsinn) bezeichnet werden kann: wo immer auch die Partei ihn benötigte, nahm er selbstbewusst die Herausforderung an.

Hans Apel wurde schnell bekannt als Politiker, der "kein Blatt vor den Mund" nahm. Er scheute keine Konflikte. Hierfür nur zwei Beispiele: Seine europäischen Finanzminister-Kollegen mussten sich sein Statement anhören, Deutschland sei "nicht der Zahlmeister Europas", und die Bundeswehrgeneräle, die zumeist noch Soldaten im 2. Weltkrieg waren, mussten unter einem "ungedienten" Verteidigungsminister dienen, der auf militärische Umgangsformen keinen Wert legte und der - als eine seiner letzten Amtshandlungen 1982 - einen Traditionserlass verfügte, der die Wehrmacht als traditionsstiftende Armee explizit verneinte.

Innerparteilich gehörte Hans Apel zu den umstrittensten Genossen in den siebziger und achtziger Jahren. Als Vormann des Seeheimer Kreises hatte er viele Konflikte mit dem linken Flügel in der SPD, nicht nur wegen seines Festhaltens am NATO-Doppelbeschluss und der Stationierung der Mittelstreckenraketen 1983. Nach dem Regierungsverlust 1982 begann in der Partei eine Phase deutlicher Veränderungen in der Programmatik, die Hans Apel und andere nicht nach- und mitvollziehen konnten und wollten. Die Seeheimer gerieten ab Mitte der achtziger Jahre immer mehr in eine Minderheitenposition, dadurch verlor Hans Apel schließlich auch seinen Sitz im Bundesvorstand.

Gleichwohl gehörte er aber bis zuletzt zu den populärsten Sozialdemokraten, er war Parlamentarier mit Leib und Seele, und jederzeit konnten sich die Bürgerinnen und Bürger in seinem Wahlkreis mit ihren Problemen direkt an ihn wenden. Seine Wahlkreisarbeit konnte nur als vorbildlich bezeichnet werden. Dabei blieben er und seine Frau Ingrid gleichwohl immer sehr bescheiden und verzichteten stets auf Luxus. Viele Genossinnen und Genossen werden sich z. B. bestimmt noch an Hans' alten rostigen Peugeot erinnern, mit dem er auch noch als Bundesminister durch die Lande fuhr.

Hans Apel ist ein knappes halbes Jahr vor seinem runden Geburtstag, am 6. September 2011, in Hamburg nach schwerer Krankheit gestorben. Mit ihm hat die SPD einen der profiliertesten Politiker der sozialliberalen Ära und ein "politisches Hamburger Original" verloren.

Okke Wismann (Kontakt)

 
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