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Von Bio- zur Agrarenergie

Wer durch Schleswig- Holstein fährt, stellt fest, dass sich die Landschaft verändert. Maisfelder verdrängen den Kartoffel – und Gemüseanbau, ebenso verschwinden Grünlandflächen. In der Zeit von 2006 bis 2009 wuchs die Gesamt-Maisanbaufläche von 12.392 ha auf 38.345 ha, hat sich also verdreifacht. Spitzenreiter dieser Entwicklung ist Niedersachsen mit 144.104 ha.
Im Jahr 2004 hat die Bundesregierung über das Erneuerbare-Energien- Gesetz (EEG) Bonuszahlungen für nachwachsende Rohstoffe in Biogasanlagen eingeführt. Die Idee klingt erst einmal gut:
Strom aus Biomasse - garantiert umweltfreundlich und CO2-frei.Biogasanlagen, die aus sogenannten nachwachsenden Rohstoffen (Pflanzen und Pflanzenreste aus Land- und Forstwirtschaft) Energie produzieren, bekommen den "NaWaRo-Bonus".

Für die Bauern eröffnet sich hier eine attraktive Einnahmequelle. Der Bau von Biogasanlagen wird staatlich durch günstige Darlehn gefördert. Die Vergütungssätze erhöhen sich, wenn der Strom ausschließlich aus Pflanzen und Pflanzenbestandteilen, die in landwirtschaftlichen, forstwirtschaftlichen oder gartenbaulichen Betrieben oder im Rahmen der Landschaftspflege anfallen und/oder aus Gülle oder bestimmter Schlempe gewonnen wird.
Bei diesen nachwachsenden Rohstoffen erreicht man zur Zeit mit Mais den höchsten Gasertrag. Auf Grund ihrer günstigen finanziellen Stellung können die Betreiber von Agrargasanlagen mittlerweile bis zu 1.500 € Pacht pro ha. Land bezahlen, während ein Landwirt, der Lebensmittel produziert, nur 400 bis 500 € bieten kann.
Dies wird nicht ohne Folgen bleiben. Da sich der Maisanbau finanziell lohnt, kommt es zu erheblichen Umbrüchen von Dauergrünland in Deutschland (Verlust in den letzten 5 Jahren ca. 160.000 ha). Dies steht im Widerspruch zu den  Klimaschutzzielen des EEG, weil Grünlandböden weltweit der wichtigste CO2-Speicher sind.

Aktuelle betriebswirtschaftliche Analysen zeigen, dass die Milch gegenüber der subventionierten Biogaserzeugung ca. 40 Centje Liter als Erzeugerpreis realisieren müsste, um konkurrenzfähig zu sein. Derzeit liegen die Milcherzeugerpreis zwischen 26 bis 28 Cent/Liter. Da die Einspeisevergütungen auf 20 Jahre garantiert sind, muss befürchtet werden, dass dies zu einer massiven Veränderung der Landnutzung und des Landschaftsbildes über einen langen Zeitraum führt.
Dies wird nicht ohne Folgen bleiben. Da sich der Maisanbau finanziell lohnt, kommt es zu erheblichen Umbrüchen von Dauergrünland in Deutschland (Verlust in den letzten 5 Jahren ca. 160.000 ha). Dies steht im Widerspruch zu den  Klimaschutzzielen des EEG, weil Grünlandböden weltweit der wichtigste CO2-Speicher sind.

Wenn nun Grünland umgebrochen wird, um darauf Mais anzubauen, wird massenweise CO2freigesetzt. Pro Jahr und Hektar gelangen 10 Tonnen CO2 in die Atmosphäre. Wird aus dem so angebauten Mais dann Agrargas, ist die Klimabilanz dieses Stroms kaum besser, als die eines Kohlekraftwerks.
Erschwerend wirkt es sich aus, wenn der Mais dann auch noch in Monokultur angebaut wird. Die „Vermaisung“ gefährdet das Grundwasser. Denn der viele Mais bringt hohe Konzentrationen von Stickstoff im Boden mit sich. Stickstoff, der in einigen Regionen durch den Umbruch vom Grünland freigesetzt wird, in anderen Regionen durch jahrzehntelange Düngung ohnehin schon im Boden schlummert.

Einen Teil dieses Stickstoffs braucht der Mais zum Wachsen. Doch längst nicht alles. Der Rest bleibt an den Bodenoberfläche, verwandelt sich in Nitrat und droht im Herbst ins Grundwasser "ausgewaschen" zu werden.
Die Artenvielfaltwird gefährdet: Vor allem Grünland beherbergt als Lebensraum mehr als die Hälfte aller vorkommenden Arten, so das Bundesamt für Naturschutz in seinem Ende September veröffentlichten Positionspapier zum Artenschutz.

Die Energiegewinnung aus nachwachsenden Rohstoffen gehört zu den Säulen einer nachhaltigen Energiepolitik, die sowohl die Atomenergie, als auch die Verbrennung fossiler Ressourcen ablösen wird.
Aber nicht alle Nutzungen sind energieeffizient und damit nachhaltig. Wir müssen  uns deshalb dafür einsetzen, dass Fehlentwicklungen bei der Genehmigung und Inbetriebnahme von Biogasanlagen in Schleswig-Holstein verhindert und geeignete Steuerungsmechanismen entwickelt werden.

Das UmweltForum der SPD Schleswig-Holstein hat dieses Thema aufgegriffen. Leider konnte sein Antrag dazu auf dem Landesparteitag im September diesen Jahres nicht mehr beraten werden, da der Parteitag auf Grund der vorgerückten Stunde beendet wurde.
U.a. wird darin eine Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) gefordert. Sie muss verhindern, dass zugunsten von Biogasanlagen eine massive Ausdehnung des Maisanbaus in Monokultur mit erheblichen negativen Folgen für die Biodiversität, für den Wasserschutz und für die Vielfalt der Landschaften entsteht.

Im Planungsrecht sind gesetzliche Vorgaben für den Bau von Biogasanlagen zu schaffen, die mit den Zielen einer nachhaltigen Landbewirtschaftung vereinbar sind und die Erfordernisse des Klimaschutzes, der Wasser-Rahmen-Richtlinie und der Konvention über die biologische Vielfalt sowie die deutsche Biodiversitätsstrategie berücksichtigen.<
Die Lücke zwischen dem kommunalen Planungsrecht und den gewerblichen Immissionsschutzgesetzen sind zu schließen. Die Folgen, die mit der Erzeugung von nachwachsenden Rohstoffen, Bereitstellung von Gülle u.a. für Klima, Umwelt, Natur und Landschaft entstehen, werden im Planungsrecht nicht beachtet.

Die Abbildungen wurden dankenswerter Weise von Frau Dr. Antje Herrmann, Universität Kiel, zur Verfügung gestellt.

 
Naturschutzverbände
BUND Schleswig Holstein
NABU Schleswig Holstein

.ausgestrahlt|gemeinsam gegen Atomenergie

zur Website von Greenpeace Deutschland e.V.

Naturfreunde Schleswig Holstein.

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