Dr. Wolfgang Wodarg, MdB

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Was Sie schon immer über Impfungen vor einer Grippewelle wissen wollten...

Veröffentlicht am 05.08.2009, 10:11 Uhr     Druckversion

Die Diskussion über eine "Schweinegrippe" hat viel durcheinander gebracht. Viele fragen nach der Gefährlichkeit einer neuen Grippe. In letzter Zeit stehen die Fragen im Vordergrund: Was leistet eigentlich die Grippeimpfung? Wer bezahlt sie und welche Nebenwirkungen können auftreten? Hier ein Interview mit dem Bundestagsabgeordneten, Internisten und Epidemiologen Dr. Wolfgang Wodarg zum Thema.
Interview mit dem Internisten und Epidemiologen Dr. Wolfgang Wodarg, Mitglied des Gesundheitsausschusses im Deutschen Bundestag:

Frage: Wer trägt die Kosten für die Impfung gegen eine neue Grippe?

Wodarg: Die Kosten tragen alle Kassen.

Frage: Ist die Wirkung der Impfung nachgewiesen?

Wodarg: Keine Impfung ist wie die vom Vorjahr, man weiß nicht genau, welcher Erregertyp einen erwischt. Statistisch gibt es jedoch einen Wirkungsnachweis, allerdings erst im Nachhinein.

Frage: Welche Nebenwirkungen gibt es?

Wodarg: Bei den jetzt angekündigten neuen Impfstoffen ist das völlig offen. Novartis benutzt kein Hühnereiweiß sondern Krebszellen, um den Impfstoff anzuzüchten. Das birgt natürlich ein bisher nicht abschließend bewertetes Risiko! Beim alten Impfstoff treten manchmal Allergien oder kurz dauernde allgemeine Symptome wie bei einer leichten Grippe auf. Auch kommt es bei ihr manchmal zu Reaktionen an der Injektionsstelle am Oberarm und zu einigen sehr seltenen weiteren Nebenwirkungen.

Frage: Ist die Impfung überhaupt zugelassen bzw. wurden die gleichen Anforderungen erfüllt die sonst für die Zulassung von Medikamenten gelten?

Wodarg: Einige Impfstoffe haben noch keine dezidierte Zulassung, weil ihre endgültige Zusammensetzung noch nicht feststeht. Es ist aber das Herstellungsverfahren mit den dann jeweils einzusetzenden Virustypen grundsätzlich zugelassen. Voraussagen sind schwierig. Neu ist derzeit das Verfahren von Novartis.

Ein Impfstoff von Novartis mit dem Handelsnamen Fluad wurde schon häufig angewandt. Er wird nicht auf Krebszellen gezüchtet sondern enthält als Innovation einige Adjuvantien (Hilfsstoffe), die dafür sorgen sollen, dass mit geringerer Impfdosis die gleiche Immunität erreicht wird wie bei früheren Produkten. Ähnliche Impfstoffe bieten auch andere Firmen, wie zum Beispiel Glaxo-Smith-Kline an. Nur die Neuentwicklung "Optaflu" von Novartis wird nicht auf Hühnereiweiß sondern auf Krebszellkulturen angereichert. Impfstoffe dieser neuen Produktionslinie werden derzeit in Bayern an mehreren Tausend Menschen klinisch erprobt. Wichtig wäre meines Erachtens bei einer solchen Testung, den Beobachtungszeitraum so weit auszudehnen, dass auch spät auftretende Krebserkrankungen durch Verunreinigungen des auf risikoreichen Zellen gezüchteten Impfstoffes ausgeschlossen werden können. Ich halte ihn für die Anwendung in der kommenden Grippesaison nicht für geeignet.

Frage: Ist die Impfung obligatorisch? Wer trägt das Risiko?

Wodarg: Das Risiko bleibt bei Impfung und bei Nicht-Impfung natürlich weitgehend beim Patienten, denn die Impfung ist keine Pflicht sondern freiwillig. Die impfenden Ärzte müssen für auftretende Impfschadensfälle haften, wenn die Impfung ohne wirksame Einwilligung, das heißt zum Beispiel auch ohne Aufklärung, erfolgte. Für Impfschäden haftet der Staat nach dem Infektionsschutzgesetz, sofern es sich um eine amtlich empfohlene Impfung handelt. Die Ersatzleistungen sind jedoch begrenzt, insbesondere wird kein Schmerzensgeld bezahlt. Bei Verletzung der Aufklärungspflicht haftet der Impfarzt wegen Vertragsverletzung und wegen unerlaubter Handlung und muss dann gegebenenfalls sogar Schmerzensgeld zahlen.

Frage: Wenn man bedenkt, wie viele Menschen jedes Jahr an einer ganz normalen Grippe erkranken und an dieser sterben, kann man bezüglich der Schweinegrippe von "Panikmache" sprechen?

Wodarg: Ja.

Schweinegrippe - das Geschäft mit der Angst

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