Logo des Poggendörpers

Stand: März 2008

Ende eines Zeitalters

Zum Abriss der Holsatiamühle

Holsatiamühle Am Freitag, dem 22. Februar 2008, war das Schicksal der "Holsatia-Mühle" endgültig besiegelt. Mit zwei riesigen Greifbaggern begann der Abbruch dieses Gebäudes, das über Jahrzehnte neben den früher ebenfalls dort vorhandenen Gebäuden der Howaldtswerft die Optik der Schwentinemündung beherrscht hatte. Nach zwei Wochen war von dem Gebäude nichts mehr nachgeblieben. Mit diesem Gebäude verschwand auch der letzte weithin sichtbare Rest eines Unternehmens, das in diesem Bereich des Kieler Stadtrandes Industriegeschichte geschrieben hatte.

Holsatiamühle Die ersten Anfänge des Mühlenstandortes "Neumühlen" gehen bis in das 14. Jahrhundert zurück. Damals wurde erstmalig im Bereich des unteren Schwentinelaufs eine Mühle gebaut. Diese wurde über die nächsten Jahrhunderte konsequent ausgebaut und erweitert. Die Mühle war in diesem Bereich mit der Schwentinequerung gleichzeitig auch das Tor in die Probstei. Rund um das Gebäude entwickelte sich eine rege Verkehrsinfrastruktur. Um 1860 wurden die vorhandenen Gebäude abgerissen und eine völlig neue Mühle gebaut mit sechs Geschossen und sechzig Mahlgängen. Nach einem verheerenden Brand 1874 musste das Gebäude völlig neu aufgebaut werden. Dabei entstand der seinerzeit größte Mühlenbetrieb im gesamten Deutschen Reich mit sogar achtzig Mahlgängen. Exporte erstreckten sich in die ganze Welt.







Holsatiamühle Mit der Entwicklung der Mühle wuchs auch der Bedarf an Arbeitskräften. Dies trug nachhaltig zur Entwicklung des Stadtteiles bei. Bis 1992 war die Mühle in Betrieb. In diesem Jahr wurde der Mühlenbetrieb eingestellt, weil sich die Produktionsbedingungen wegen der Umweltbelastungen für die benachbarten Wohn- und Mischgebiete erheblich verschlechterten. Insbesondere der Betrieb der benachbarten, neu eingerichteten Compass-Klinik vertrug sich nicht mit den Emissionen des Mühlenbetriebes. Der weithin sichtbare Schornstein wurde gesprengt und die Nebengebäude abgerissen. Erhalten blieb nur das Maschinenhaus, in dem sich heute ein Restaurant befindet. Verschiedene neue Nutzungsmöglichkeiten wurden im Ortsbeirat vorgestellt, jedoch nicht umgesetzt. Dazu gehörten eine neue Nutzung als Teil des Gesundheitsbetriebes in Zusammenarbeit mit der Compass-Klinik oder eine neue Nutzung als Hotel. Alle Konzepte beinhalteten einen Erhalt der Fassade als prägendes Element für die Schwentinemündung. Dies stellte sich gleichzeitig als größtes Hindernis für eine neue Nutzung heraus. An dem im Gebäudeinneren vorhandenen Stahlskelett mit seinen strengen Maßen scheiterten die Neuplanungen oft wegen der geringen Raumhöhen.

Holsatiamühle Im Jahre 1996 vernichtete ein Feuer dann das Dach der Mühle. Die Witterungseinflüsse zerstörten dann schleichend das Gebäude. Eine neue Nutzung konnte nicht gefunden werden. Obwohl das Gebäude unter Denkmalschutz stand, konnte ein Abriss letztlich nicht verhindert werden.

Mit dem Abriss des weißen Mühlengebäudes sind nun im Februar etwa 600 Jahre Mühlengeschichte in Kiel-Neumühlen zu Ende gegangen. Neben der Werft, die im Jahre 1983 ihre Pforten in Dietrichsdorf für immer schloss, war damit auch das Ende des zweiten historischen Gewerbes in Neumühlen gekommen. Eine neue Nutzung des Geländes steht in den Sternen.




Gernot Starke