Geschichte der SPD

Etappen der Parteigeschichte der SPD

Die SPD wurde in der zweiten H√§lfte des 19. Jahrhunderts als Milieu- oder Klassenpartei der Arbeiterschaft gegr√ľndet. Ideologische Gegens√§tze innerhalb und im Umfeld der Partei f√ľhrten immer wieder zur Abspaltung neuer Parteien. In der Bundesrepublik war sie schon in unterschiedlichen Regierungskoalitionen vertreten und stellte insgesamt 20 Jahre lang den Bundeskanzler.

Als √§lteste und traditionsreichste Partei Deutschlands hat die SPD vier politische Systeme √ľberdauert. Im Kaiserreich ist sie 1875 als Zusammenschluss des von Ferdinand Lassalle 1863 begr√ľndeten Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins (ADAV) mit der sechs Jahre sp√§ter gebildeten, von August Bebel und Wilhelm Liebknecht angef√ľhrten Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) entstanden. Ihren heutigen Namen "Sozialdemokratische Partei Deutschlands" (SPD) tr√§gt sie seit 1890.

Bezogen auf ihre gesellschaftliche Basis war die SPD bis in die 1950er-Jahre eine Milieu- oder Klassenpartei; zugleich stellte sie den Prototyp einer nach demokratischen Prinzipen aufgebauten Massenpartei dar. Beides hing eng miteinander zusammen. Um ihre fehlende Macht im Staat auszugleichen, mussten die Sozialdemokraten erst eine gesellschaftliche Macht werden, die ihre Anh√§nger aus der Arbeiterschaft umfassend integrierte und so eine klar unterscheidbare Identit√§t ausbildete. Die marxistische Ideologie best√§rkte sie in dem Glauben, dass das Recht auf ihrer Seite war und die Geschichte sich naturgesetzlich in Richtung Sozialismus entwickeln w√ľrde. Die daraus erwachsende moralische St√§rke f√∂rderte den raschen Aufbau einer schlagkr√§ftigen Organisation; gleichzeitig half sie der SPD √ľber die Diskriminierungen hinweg, die sie durch das Sozialistengesetz und die sie stark benachteiligenden Wahlrechtsregelungen im Kaiserreich erfuhr.

Dennoch gab es in der Partei ideologische Gegens√§tze und Streit √ľber den richtigen Kurs (Walter 2018: 31 ff.). W√§hrend der revolution√§re Fl√ľgel um Karl Kautsky auf Klassenkampf setzte und im Einklang mit Marx und Engels die √úberwindung der kapitalistischen Ordnung und Errichtung einer sozialistischen Gesellschaft beschwor, wollten die von Eduard Bernstein angef√ľhrten "Revisionisten" die Lage der Arbeiterschaft durch soziale Reformen schrittweise verbessern, was eine m√∂glichst effektive Arbeit in den Parlamenten voraussetzte. Beginnend mit dem Erfurter Programm von 1891 gelang es der SPD, diese kontr√§ren Vorstellungen so erfolgreich in sich zu vereinen, dass sie bis 1912 zur st√§rksten politischen Kraft aufstieg und ihre Mitgliederzahl 1914 erstmals die Millionenmarke √ľberschritt.

1917 kam es in der Auseinandersetzung um die Kriegskredite zur Spaltung der Partei. W√§hrend sich die radikalen Kr√§fte in der Unabh√§ngigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD) sammelten, aus der sp√§ter die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) hervorging, wurden die Mehrheitssozialdemokraten zur staatstragenden Partei der Weimarer Republik, deren ersten Reichspr√§sidenten sie mit Friedrich Ebert stellten. Anders als in Preu√üen, das sie von 1919 bis 1932 ununterbrochen regierte, konnte die SPD ihre Vormachtstellung auf der Reichsebene aber nur f√ľr kurze Zeit verteidigen. Nachdem die von ihr angef√ľhrte "Weimarer Koalition" mit dem Zentrum und der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) die Mehrheit bereits 1920 verloren hatte, ging sie ab 1922 zur√ľck in der Opposition. Die von ihrem letzten Reichskanzler Hermann M√ľller gebildete "Gro√üe Koalition" mit der konservativen Deutschen Volkspartei (DVP) zerbrach 1930 nach zwei Jahren. Das anschlie√üende Pr√§sidialkabinett unter dem Zentrum-Politiker Heinrich Br√ľning duldeten die Sozialdemokraten gegen heftigen Widerstand aus den eigenen Reihen, um das gr√∂√üere √úbel des Nationalsozialismus zu verhindern (Walter 2018: 99 ff.).

Im Unterschied zu den b√ľrgerlichen Abgeordneten stimmte die SPD am 23. M√§rz 1933 geschlossen gegen das Erm√§chtigungsgesetz; drei Monate sp√§ter wurde sie verboten. Der Parteivorstand ging Anfang 1934 ins Exil. Aktivisten und Funktion√§re wurden von den Nazis verfolgt, viele starben in Konzentrationslagern und Zuchth√§usern. Aus dem Untergrund beteiligte sich eine Minderheit am aktiven Widerstand gegen das Hitler-Regime. Auch die √ľbrigen Mitglieder blieben gegen die NS-Ideologie gr√∂√ütenteils resistent.

Die Spaltung der Arbeiterbewegung, die Hitler in die H√§nde gespielt hatte, wurde im geteilten Deutschland nach 1945 √ľberwunden. W√§hrend es in der Sowjetischen Besatzungszone zur Zwangsvereinigung von KPD und SPD unter kommunistischer F√ľhrung kam, war die KPD im Westen marginalisiert, bis das Bundesverfassungsgericht sie 1956 ganz verbot. Auch die ihr 1968 nachfolgende Deutsche Kommunistische Partei (DKP) und sonstige linksextremistische Gruppierungen kamen in der Bundesrepublik √ľber den Status von unbedeutenden Kleinparteien nie hinaus. Die SPD blieb daher bis zum Aufkommen der Gr√ľnen die einzige relevante Repr√§sentantin des linken Lagers.....
weiterlesen: https://www.bpb.de/politik/grundfragen/parteien-in-deutschland/spd/42082/geschichte                                                    Lizenz CC BY-NC-ND 3.0 DE, Autor: Frank Decker