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Wir freuen uns, dass viele Nicht-SPD-Mitglieder, auch über den Bereich unseres SPD-Ortsvereines hinaus, an unseren „INFORMATIONEN“ interessiert sind. Wenn Sie ebenfalls regelmäßig über Aktuelles, manchmal auch rot Eingefärbtes aus der Quickborner Kommunalpolitik sowie aus und um Quickborn herum erfahren möchte, einfach eine E-Mail an Info@SPD-quickborn.de senden. Wir nehmen dann die „Nicht-SPD-Mitglieder“ und „SPD-Mitglieder die nicht dem SPD-Ortsverein Quickborn angehören“ in den Verteiler auf!

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Rede zum Paul-Warnecke-Platz

Veröffentlicht am 10.07.2014, 09:27 Uhr     Druckversion

Paul-Warnecke-Platz in Quickborn

In Quickborn gibt es einen Beschluss des Gemeinderates von 1946, den damaligen Horst-Wessel-Platz in Paul-Warnecke-Platz umzubenennen.

Paul Warnecke, ein 19-jähriger Quickborner, wurde bereits 1933 von Nationalsozialisten in dem Wäldchen am Harksheider Weg bzw. Querstrasse hinterrücks erschossen.

Die CDU hat einen Antrag auf Aufhebung des Beschlusses gestellt, der mit den Stimmen von CDU und FDP angenommen wurde.

Im Rahmen dieser Beratung in der Ratsversammlung der Stadt Quickborn hat Eckhard Schramm eine bewegende Rede gehalten.

 

Hier die Rede unseres Ortsvereinsvorsitzenden Eckhard Schramm:

 

Ich bin persönlich sehr betroffen.

Betroffen darüber, das wir hier diese Debatte führen müssen.

Eine Debatte führen über den Sinn und Zweck einer Namensgebung eines Platzes wo ein junger Mann von Nazis hinterrücks ermordet wurde.

Es gilt einen Beschluss aus dem Jahr 1946 um zu setzen . Es geht um nichts mehr!

Oder doch um Mehr?

Ja es geht um mehr.

Es geht um unsere Vergangenheit.

Die Terrorherrschaft der Nazis hat uns Deutschen etwas hinterlassen mit dem wir immer wieder lernen müssen wie wir damit umzugehen haben.

Nur ein paar Fakten dazu:

  • Kriegstote des 2. Weltkrieges: 55 Mio ( Frankreich / Italien )
  • Opfer deutscher Massenverbrechen im Kriegsverlauf:
  • 6 Mio Juden
  • 3 Mio sowjetische Kriegsgefangene
  • 3 Mio Nichtjüdische Zivilisten, KZ Häftlinge, Zwangsarbeiter und Deportierte.
  • Unsägliches Leid ist Millionen von Menschen und Ihren Angehörigen angetan worden.

Das ist eine schwere Erbschaft die wir annehmen müssen.

Als Student hatte ich die Gelegenheit die Nazi Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem zu besuchen. Jeder der diese Gedenkstätte besucht hat, kam als anderer Mensch zurück.

Was man dort erlebt und gesehen hat brennt sich ein, ein Leben lang und verändert die Sichtweise auf unserer Vergangenheit.

Es gibt viele Menschen die da sagen: nun ist es aber genug, wir können nicht ewig dafür büßen.  Darum geht es aber nicht. Es geht darum das nie wieder solche abscheulichen Verbrechen gegen die Menschlichkeit von deutschem Boden ausgehen dürfen.

Wir haben die historische Verpflichtung, dafür zu sorgen und unserer Jugend dieses mit auf den Weg zu geben.

Ich zitiere aus einer Erklärung des Deutschen Bundestages aus dem Jahre 2011:

„Wir stehen für ein Deutschland, in dem alle ohne Angst verschieden sein können und sich sicher fühlen, ein Land in dem Freiheit und Respekt, Vielfalt und Weltoffenheit lebendig sind“

Diese Erklärung ist zustande gekommen, weil über Jahre hinweg rechtsextreme Ideologien in Deutschland eine blutige Spur unvorstellbarer Mordtaten hervorbringen konnte. Seit 1990 wurden 182 Menschen Opfer rechter Gewalt!

Junge Menschen sind manchmal überfordert wie mit unserer Vergangenheit umzugehen ist. Deshalb müssen wir eine Erinnerungskultur betreiben in der sich die junge Generation wiederfindet.

Die Zeitzeugen sterben aus, deshalb brauchen wir Gedenkstätten und Orte des Gedenkens.

Auch Quickborn hat seine nationalsozialistische  Vergangenheit, der wir uns stellen müssen.

Im Jahr der Machtergreifung haben 62% der Bürger in Quickborn für die NSDAP gestimmt.

Paul Warnecke war das erste Todesopfer in Quickborn, aber eines zu viel!

Einige sagen es genüge doch eine Gedenktafel zu errichten und vergessen dabei, das dieser Ort bereits einen Namen hatte „Horst Wessel Park“. Der damalige Gemeinderat hat sich sehr wohl Gedanken bei der Umwidmung gemacht, und diese Gedanken waren gut.

Andere Umwidmungen von Straßennamen verliefen problemlos. ( Adolf Hitler Str. / Gustloffstr. etc );

Es steht Quickborn gut an mit der Namensgebung „Paul Warneke Platz“ an die Nazi Terrorherrschaft zu erinnern.

Nur durch aktuelle und zeitgemäße Aufklärung über unsere dunkle Vergangenheit, kann eine bessere Gesellschaft mit moralischen Ansprüchen gefördert werden, die gegen Fremdenhass und Rassenverfolgung kämpft und sich für Toleranz und ein besseres zwischenmenschliches Verständnis einsetzt.

Ich möchte den damaligen Präsidenten des Landtages Schleswig-Holstein, Heinz-Werner Arens zitieren aus dem Jahre 2003:

„ Eine gründliche Aufarbeitung unterblieb, so daß wir erst heute soweit sind, mit Museen, Gedenkstätten und Veranstaltungen die Erinnerung an die wach halten, die unsere Nachbarn und Freunde waren, die unter uns gelebt haben, die schlicht und einfach unsere Mitmenschen waren.... Wir wollen den Opfern die Namen zurückgeben, ihre Gesichter und Biographien in Erinnerung rufen und sie nicht in Vergessenheit geraten lassen. „

Und dazu braucht es Orte des Gedenkens, wie diesen hier.

Leider wurde es Paul Warnecke versagt seine eigene Biographie aufzubauen.

Der vorliegende Antrag der CDU – Fraktion ist unverständlich, halbherzig und in der Begründung vage. Die Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Ratsbeschlusses von 1946 sind unzulässig, da ein Ratsbeschluss nicht allein durch Zeitablauf unwirksam wird. Der Beschluss gilt weiterhin, weil Quickborn als Gebietskörperschaft durchgängig bestand.  ( uns liegt diesbezüglich ein Rechtsgutachten vor, welches dieses betätigt). Folgerichtig müsste dieser Beschluss aufgehoben werden, was ja nun bezweckt wird.

Die CDU Fraktion stellt sich mit Ihrem Antrag gegen den mehrheitlichen Beschluss des ABKF und gegen die Intention der Verwaltung ohne eine schlüssige Begründung zu liefern.

Daher appelliere ich an Sie alle das wir uns unserer historischen Verantwortung bewusst sind und den einstimmigen Beschluss von 1946 auch einstimmig bestätigen.

Um allen Ratsmitgliedern vor der Abstimmung nochmals Gelegenheit zu geben über das Abstimmungsverhalten nachzudenken, um in freier Gewissensverantwortung – jeder für sich alleine – zu entscheiden, schlage ich eine kurze Sitzungsunterbrechung vor.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.




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