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Wider den Vergessenen am Arbeitsmarkt

Veröffentlicht am 07.01.2016, 16:12 Uhr     Druckversion

Robuste Konjunktur. Doch immer mehr Beschftigte und Langzeiterwebssuchende haben nichts davon. Zudem steigt die atypische Beschftigung in Schleswig-Holstein.

Direkt die Pressemitteilung herunterladen.

Milder Winter, robustete Konjunktur, bislang geringe Auswirkungen durch die Zu- und Einwanderung: Die Zahl der Erwerbssuchenden in Schleswig-Holstein stieg zwar im Vergleich zum Vormonat im Dezember um 2.800 auf 97.000 an, liegt damit allerdings auf dem niedrigsten Niveau seit 1992." So u. a. die Kieler Nachrichten vom 6. Jan. 2016

Frank Hornschu, Landesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft fr Arbeitnehmerfragen (AfA) im SPD-Landesverband Schleswig-Holstein, wirbt - im Vorfeld des SPD-Landesparteitages und der AfA-Bundeskonferenz - fr die Initiative:

Wir brauchen eine Offensive zu Guter Arbeit. Hierzu sind offenkundig, neben der Fachkrftesicherung und Nachwuchsgewinnung so-wie der Integration von zu- und eingewanderten Menschen, auf lokaler Ebene Dialoge mit allen Akteuren der Wirtschafts- und Arbeits-welt unumgnglich. Denn trotz der recht guten Arbeitsmarktdaten wachsen unaufhrlich die atypischen Beschftigungsverhltnisse (Befristungen, Teilzeit-, Leih-, Zeitarbeit und Minijobs) in Schleswig-Holstein.

Die Wirtschaft findet nicht allein in Frankfurt am Main statt, von wo aus uns allabendlich vor der Tagesschau von den Dax-Unternehmen berichtet wird. Zur Verbesserung der Beschftigungssituation hunderttausender Menschen mssen wir uns von diesen Randthemen lsen und uns der Wirtschafts- und Arbeitswelt konkret jeweils vor Ort widmen."

Tag fr Tag erbringen die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gute Leistungen, gute Qualitt und gute Innovationen, die zugleich das Fundament unserer Wohlfahrt im Land mageblich ausmachen. Voraussetzung hierzu sind gute Bildung, gute berufliche/akademische

Aus-, Fort- und Weiterbildung sowie Gute Arbeit. Mit ihnen lassen sich die regionale Wertschpfung, die Beschftigung und die Binnenwirtschaft fr alle Menschen im Land sttzen.

Um eben diese hohe Motivation und das exzellente Engagement der Beschftigten im Sinne von guten Perspektiven und ein gutes Leben zu untersttzen, zu frdern und auszubauen werben wir fr die Dialoge zwischen Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften auf Landes- und regionaler Ebene. Damit wollen wir ein besseres Verstndnis fr das Allgemeinwohl in den Regionen wecken. Die Bindung untereinander, im Sinne des staatlich garantierten Grundsatzes Eigentum verpflichtet", strken. Den Dialog aller Akteure verbindlich in eine dauerhaft institutionelle Form gieen. Den Weg zu mehr demokratischer Teilhabe lokal ebnen und damit die konkrete Beteiligung der Menschen ermglichen, um so den sozialen Zusammenhalt zu stabilisieren. Vorstellbar wren konkrete Zielvereinbarungen mit den Aktueren der Wirtschafts- und Arbeitswelt, gepaart mit einer regionalen Arbeitsweltberichterstattung durch das Land", so Hornschu weiter.

Zum Hintergrund:

Die Wirtschafts- und Arbeitswelt hat sich trotz der Finanzmarkt- und Bankenkrise recht gut entwickelt. Die Beschftigung wuchs und die Erwerbslosigkeit nahm ab.

Die sozialversicherungspflichtigen Beschftigungsverhltnisse nahmen in den vergangenen zehn Jahren um gut 100.000 Arbeitspltzen auf nunmehr rund 900.000 in Schleswig-Holstein zu.

Bei genauer Betrachtung ist allerdings festzustellen, dass von allen Beschftigungsverhltnissen, mit zunehmender Tendenz, die atypischen/prekren Arbeitsverhltnisse auf rund 480.000 - das sind 53 Prozent von allen und liegt damit deutlich ber den Bundesdurch-schnitt - im Land enorm angestiegen sind. Je nach Region sind Frauen mit einen Anteil von 3/4 bis 4/5 am strksten betroffen. Real bedeutet das fr immer mehr Menschen im Alltag: Erwerbsarmut - trotz guter Qualifikation, die letztlich auch in Altersarmut mndet. Hinzuzuzhlen sind die befristeten Beschftigungsverhltnisse; die ber 10.000 jungen Frauen und Mnner, die sich in sogenannte Warteschleifen hin zu einer beruflichen Ausbildung befinden und die kaum abnehmbare Anzahl von Menschen, die seit Jahren in Hartz IV leben mssen und bislang erfolglos eine existenzsichernde Erwerbsarbeit suchen.

Unter Guter Arbeit verstehen wir, die Sozialdemokraten, dass sie:

- existenzsichernd, entgeltgleich, tarifgebunden, mitbestimmt, sozialversichert, unbefristet ist,

- Karrierechancen, Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten schafft und die individuellen Erwerbsbiographien strkt,

- nicht krank macht, Privates und Beruf verbindet, alters- und alternsgerecht ist,

- mit einer deutlichen Aufwertung der Ttigkeiten an und fr Menschen verbunden ist,

- unternehmerische Risiken nicht auf Beschftigte abwlzt, sondern umfassend vor wirtschaftlichen Gefahren schtzt und insofern

- Erwerbs- und Altersarmut sowie Lohn- und Sozialdumping vermeidet.

Einiges wurde bereits hin zur Guten Arbeit auf dem Weg gebracht: Auf Landesebene das Tariftreue- und Vergaberecht, der Landes-mindestlohn, das Anti-Korruptionsregister, etc. und auf Bundesebene der flchendeckende Minderstlohn und in Krze das Gesetz zur Entgeltgleichheit und zur Einschrnkung des Missbrauchs von Werkvertrgen usw.

Um das Vertrauen der Menschen, der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie deren Familien in die soziale Sicherung insgesamt zu strken, mssen die eingeschlagenen Wege konsequent fortgesetzt werden und durch verbindliche Dialoge hin zu konkreten Vereinbarungen auf Landes wie regionaler Ebene ergnzt werden.

Homepage: AFA-Schleswig-Holstein


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